Future Food
Solein: Kommt das Protein-Pulver aus CO² 2026 nach Europa?

Man kann Proteine ernten, melken oder schlachten – oder sie in Zukunft schlicht herstellen wie einen Industrie-Rohstoff. Das finnische Start-up Solar Foods produziert mit "Solein" ein gelbliches Pulver, das nicht auf dem Acker, sondern im Fermenter entsteht. Die Zutaten: CO₂, Wasser und Strom. Mit der erwarteten EU-Zulassung könnte aus dem Food-Tech-Wunder ein realer Testlauf für den europäischen Alltag werden.

An Bio aus dem Tank hat sich die Lebensmittelindustrie längst gewöhnt: Enzyme, Aromen und Vitamine werden schon heute mithilfe von Mikroorganismen erzeugt. Neu ist jedoch der Ansatz von Solar Foods, dieses Prinzip auf das Fundament unserer Ernährung auszudehnen: auf das Eiweiß.

Solein ist ein sogenanntes Single-Cell-Protein. Was nach Science-Fiction klingt, folgt im Kern einem einfachen biologischen Prinzip: Mikroorganismen, sprich Bakterien wachsen, vermehren sich und bilden Biomasse. Diese Masse besteht zu einem Großteil aus hochwertigem Protein. Sie wird am Ende geerntet, getrocknet und als Pulver nutzbar gemacht.

Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Verfahren: Die Mikroben werden nicht mit Zucker oder Pflanzenstoffen gefüttert, sondern mit Gasen. Solein ist dabei nicht als neues Superfood für eine kleine Nische gedacht, sondern als funktionaler Baustein für die Massenproduktion – als Zutat in Backwaren, Riegeln, Pasta oder Drinks.

Die Nährwerte: Funktionalität schlägt Marketing

Laut Solar Foods überzeugt das Profil. Ein hoher Proteinanteil gepaart mit Ballaststoffen und Mineralstoffen. Doch für den Markterfolg wird eine andere Frage entscheidend sein: Verhält sich das Pulver geschmacklich neutral genug? Nur wenn es die Textur bestehender Rezepturen nicht stört und in der industriellen Produktion problemlos mitläuft, werden große Lebensmittelkonzerne darauf setzen.

An diesem Punkt entzaubert sich die Technologie im positiven Sinne: Es geht nicht um magisches "Essen aus dem Nichts". wie der Spiegel schreibt, sondern um die hocheffiziente Umwandlung von Energie in Nahrung. Wer verstehen will, ob Solein skalieren kann, muss daher weniger über Rezepte als vielmehr über Strompreise, den Ausbau erneuerbarer Energien und Anlagenbau sprechen.

Singapur als Testmarkt: Der erste Realitätscheck

Während Europa mit seinen strengen Richtlinien in Sachen Lebensmittelzulassungen noch wartet, ist Singapur bereits einen Schritt weiter. Dort ist Solein bereits als neuartiges Lebensmittel zugelassen. Erste Produkte wie ein Schokoladen-Eis oder der "Taste the Future"-Riegel des Herstellers Fazer zeigen, worauf es in der Praxis ankommt: Bleibt die Textur stabil? Schmeckt das Produkt chemisch? Und vor allem: Wie hoch ist die Akzeptanz bei Verbrauchern, wenn das Eiweiß nicht mehr von Pflanze oder Tier stammt?

 
 
 
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In der Europäischen Union entscheidet das Novel-Food-Verfahren über das Schicksal solcher Innovationen. Solar Foods rechnet mit einer Zulassung ab 2026. Auch wenn regulatorische Prozesse oft länger dauern als geplant, markiert dieses Datum einen Wendepunkt: Mit der Genehmigung können große Hersteller erstmals in industriellem Umfang testen und Produkte für den Massenmarkt entwickeln.

Pilotprojekt mit Raumfahrtorganisation ESA gestartet

Die Vision hinter Solein ist jedenfalls bestechend: Proteine werden von Fläche, Bodenqualität und Wetterbedingungen entkoppelt. Doch die Grenzen sind rein betriebswirtschaftlicher Natur. Fermenter sind teure Investitionsgüter, und das Trocknen der Biomasse verschlingt Energie. Solar Foods hat bereits im Mai 2025 bekanntgegeben die 100fache Skalierung der Produktion von Solein vollbracht zu haben.

Im November vermeldete Solar Foods einen Coup á la "Die Welt ist nicht genug": Das Proteinpulver soll als Astronautennahrung adaptiert werden.Dafür hat das Startup gemeinsam mit der europäischen Raumfahrtorganisation ESA das Pilotprojekt HOBI-WAN gestartet.

Strom wird zur Zutat: So wird Solein hergestellt

Die Herstellung von Solein wirkt futuristisch, ist aber eine konsequente Weiterentwicklung klassischer Fermentation – mit einem neuen Input-System:

  1. Elektrolyse: Wasser wird mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt.
  2. Energiequelle: Der Wasserstoff dient den Mikroorganismen als primäre Energiequelle.
  3. Kohlenstoffquelle: Aus zugeführtem CO₂ bauen die Mikroben ihre Biomasse auf.
  4. Ernte: In einem Bioreaktor wachsen sie in einer Nährlösung, werden abgetrennt und zu Pulver getrocknet.

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Strom wird zur Zutat: So wird Solein hergestellt

Die Herstellung von Solein wirkt futuristisch, ist aber eine konsequente Weiterentwicklung klassischer Fermentation – mit einem neuen Input-System:

  1. Elektrolyse: Wasser wird mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt.
  2. Energiequelle: Der Wasserstoff dient den Mikroorganismen als primäre Energiequelle.
  3. Kohlenstoffquelle: Aus zugeführtem CO₂ bauen die Mikroben ihre Biomasse auf.
  4. Ernte: In einem Bioreaktor wachsen sie in einer Nährlösung, werden abgetrennt und zu Pulver getrocknet.

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