Interview mit dem Schauspieler
Max Ortner: Berlinale trifft "ziemlich genau die Mitte zwischen Aufregung und Arbeit"

| Redaktion 
| 16.02.2026

Sonntag hat "Rose" von Markus Schleinzer seine Premiere im Wettbewerb der Berlinale gefeiert. Unterstützung kam unter anderem von Schauspieler Max Ortner, der somit einen klaren Favoriten auf den Gewinn des Goldenen Bären hat. Im LEADERSNET-Interview geht er auch darauf ein, inwiefern man sich selbst an Großevents gewöhnt und wem er den Goldenen Ehrenbären (nach einer Umbenennung) verleihen würde.

Max Ortner ist 1990 im österreichischen Linz zur Welt gekommen, wo seine Familie seit über 60 Jahren das Kellertheater führt. Bereits in jungen Jahren sammelte er dort erste Auftrittserfahrungen, bevor er in seiner Geburtsstadt auch eine professionelle Schauspielausbildung absolvierte.

Es folgten Engagements an renommierten Theatern im deutschsprachigen Raum, etwa am Wiener Ronacher oder an der Komödie am Berliner Kurfürstendamm.

Seit mehreren Jahren ist Max Ortner auch auf Bildschirmen zu sehen; im letzten Herbst wurde jüngst zum Beispiel "Im Zeichen des Drachen" vorgestellt – ein unkonventioneller Crime-Thriller, der neben Ortner auch Erol Sander, Nastassja Kinski oder Erdogan Atalay zu seiner Besetzung zählt.

Frisch aus der Hauptstadt hat uns der gut aufgelegte Charakterdarsteller einige Eindrücke von den noch bis Sonntag, 22. Februar laufenden Internationalen Filmfestspielen Berlin (kurz Berlinale) übermittelt.

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LEADERSNET: Du hast schon eine Weile Theater in Berlin gespielt. Die Stadt selbst ist für Dich also nicht neu?

Max Ortner: Nein, die Stadt selbst ist nicht neu für mich. Ich war in der Komödie am Kudamm im schönen Schiller-Theater und habe daher für eine Weile in Berlin gelebt. Ich glaube, wenn man eine Zeit lang hier ist, dann versteht man vor allem, warum es so wichtig ist für KünstlerInnen, irgendwann mal hier gewesen zu sein oder hier Fuß zu fassen.

Weil man spürt schon – es vibriert hier so ein bisschen, es ist ein ganz besonderer Vibe, es tut sich viel. Hier wird natürlich auch am meisten produziert und wahnsinnig namhafte Theater sind hier. Aber um ehrlich zu sein: Ich war auch echt froh, wieder in Wien zu sein.

Max Ortner, fotografiert von Monika FellnerMax Ortner, fotografiert von Monika Fellner

LEADERSNET: Was führt Dich auf die diesjährige Berlinale?

Max Ortner: Einerseits ist die Berlinale das wichtigste Branchen-Event für SchauspielerInnen, RegisseurInnen und ProduzentInnen im deutschsprachigen Raum. Außerdem hat mein Quasi-Bruder Markus Schleinzer seine Premiere mit dem Film "Rose", mit Sandra Hüller in der Hauptrolle, der in der Competition läuft und sehr hoch um den Bären und die Ehren-Auszeichnung [gemeint ist wohl der Große Preis der Jury, Anm.] gehandelt wird.

LEADERSNET: Inwiefern nimmst Du so eine Großveranstaltung als neu und aufregend wahr, samt Rotem Teppich und Stars?

Max Ortner: Roter Teppich ist für mich nichts Neues und Star bin ich selber [lacht]. Aber es ist leider so wie mit allem, dass man sich auch an besondere Dinge relativ schnell gewöhnt. Alles, was auf meinen ersten beiden Berlinalen noch etwas wirklich wahnsinnig Besonderes war, wird jetzt irgendwie einfach zum Alltag und zu einem Teil des Geschäfts.

Ich versuche aber schon, dass ich mich immer noch irgendwo an so Momenten hochhype, weil ich auch weiß, dass das das Leben ist, das ich immer führen wollte. Ich würde daher sagen, die Berlinale ist ziemlich genau die Mitte zwischen aufregendem Event und einfach Arbeit.

LEADERSNET: Hast Du Dich näher mit den Filmen im Wettbewerb um den Goldenen Bären auseinandergesetzt?

Max Ortner: Dieses Jahr habe ich mich mit der Competition auseinandergesetzt, weil Markus Schleinzer eben den Film "Rose" zeigt und ich ihm auch tatsächlich – was könnte ich anderes sagen – die größten Chancen einräume. Erstens, weil ich von der ersten Version des Drehbuches bis zum fertigen Film immer irgendwie ein Teil dieser Reise war und zweitens gibt es niemanden, der Geschichten so erzählt wie Markus Schleinzer. Ich hoffe es also nicht nur für ihn, sondern bin auch der festen Überzeugung, dass er das macht.

LEADERSNET: Dieses Jahr hat Michelle Yeoh den Goldenen Ehrenbären bekommen. Wer würde ihn bei einer künftigen Berlinale bekommen, wenn Max Ortner darüber entscheiden dürfte?

Max Ortner: Also erstens würde ich Ehrenbären mal umbenennen, weil ich das Wort irritierend und unhandlich finde. Der Max Ortner Bär der Ehre sollte dann an Issa Rae gehen, für ihren Einsatz für die Black Community und ihren Aktivismus gegen Polizeigewalt.

LEADERSNET: Wie steht es eigentlich um die Verpflegung eines geladenen Berlinale-Gastes; was wird den Abend über aufgetischt?

Max Ortner: Ich fühle mich vom Komitee und der Berlinale immer sehr gut versorgt – von Currywurst bis hin zu Austern kann man eigentlich alles haben. Da ich allerdings generell kein großer Abendesser bin, wird es für mich manchmal schwierig:

Wenn ich abends viel esse, schlafe ich ein – und wenn ich in den Filmen meiner Freunde einschlafe, bekomme ich Ärger. Deshalb verzichte ich meist aufs Essen, aber we ich von Kolleginnen und Kollegen höre, ist die Verpflegung wirklich hervorragend. Auch das Getränkeangebot ist entsprechend großzügig, was regelmäßig zu ausgelassener Festivalatmosphäre beiträgt.

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