Sport-Business - Gehalts-Check
Goldmedaille, aber kein Geld auf dem Konto: Die bizarre Gehalts-Kluft im deutschen Spitzensport

Zwischen NHL-Millionen und Grundförderung durch die Sporthilfe liegen Welten: Die Einkommensrealität deutscher Wintersportler könnte unterschiedlicher kaum sein. Während einige Profisummen verdienen, lebt der Großteil vom Mix aus Staatsdienst, Sponsoren und Preisgeldern.

Olympia zeigt auch die Einkommensschere: Zwischen 1,16 Millionen Euro Monatsgehalt und wenigen Tausend Euro brutto liegen Welten. Nur eine kleine Elite – vor allem im internationalen Profisport wie Eishockey – verdient Millionen, wie die Bild-Zeitung recherchiert hat.

Hier die wichtigsten Fakten und die spannendsten Einkommens-Beispiele:

Die Millionäre auf dem Eis

Mit den NHL-Profis stehen bei den Winterspielen gleich mehrere Gehaltsmillionäre im deutschen Team.

  • Leon Draisaitl (Eishockey)
    rund 13,9 Mio. Euro pro Jahr
    etwa 1,16 Mio. Euro im Monat
    spielt bei den Edmonton Oilers in der NHL

Auch Tim Stützle, Moritz Seider und JJ Peterka bewegen sich mit mehreren Millionen Jahresgehalt in einer völlig anderen Dimension als der Rest des Teams.

Zum Vergleich: 2010 war ein deutsches NHL-Gehalt noch deutlich niedriger angesiedelt – die Entwicklung zeigt, wie stark Eishockey finanziell gewachsen ist.

Ski-Stars mit sechsstelligen Sponsoren-Verträgen

In Disziplinen wie Ski alpin, Biathlon oder Skispringen entscheidet der Marktwert über das Einkommen.

  • Emma Aicher (Ski alpin)
    Preisgelder nahe 200.000 Euro in einer Saison
    plus Ausrüster- und Sponsorenprämien im sechsstelligen Bereich
    zusätzlich Sold bei der Bundeswehr
  • Linus Straßer
    geschätzt rund 800.000 Euro Sponsoreneinnahmen pro Jahr
    plus Preisgelder
    Anstellung beim Zoll
  • Franziska Preuß
    200.000–250.000 Euro jährlich durch Sponsoren
    dazu Weltcup-Preisgelder
    Beschäftigung beim Zoll

Hier zeigt sich: Erfolg in publikumsstarken Disziplinen zahlt sich aus.

Der Mittelbau: fünfstellige Monatswerte durch Mix-Finanzierung

Viele Top-Athleten kombinieren mehrere Einkommensquellen:

  • Julia Taubitz (Rodeln)
    Sponsoren ca. 100.000 Euro pro Saison
    Bundeswehr-Gehalt
    Sporthilfe-Förderung
    überschaubare Preisgelder
  • Laura Nolte (Bob)
    75.000–100.000 Euro Sponsoreneinnahmen
    Sold bei der Bundeswehr
    Eliteförderung
  • Philipp Nawrath
    Sponsoren ca. 150.000 Euro in guten Jahren
    Polizeigehalt
    Weltcup-Preisgelder

Behörden als finanzielles Rückgrat

Für die Mehrheit des Teams ist nicht der Sport allein die Existenzgrundlage.

  • 77 Athleten stehen bei der Bundeswehr unter Vertrag
  • 22 beim Zoll
  • 20 bei der Bundespolizei

Dazu kommt die Deutsche Sporthilfe:

  • 800 Euro Grundförderung monatlich
  • 250 Euro bei gleichzeitiger Behördenanstellung
  • 400 Euro zusätzlich im Eliteprogramm

Der Staatsdienst ist damit für viele Athleten die stabilste Einnahmequelle.

Junge Talente mit Entwicklungspotenzial

  • Finn Sonnekalb (Eisschnelllauf, 18 Jahre)
    noch ohne große Sponsoren
    Bundeswehr-Sold
    moderates Weltcup-Preisgeld
    Olympia-Erfolge könnten Werbeverträge bringen

Hier entscheidet die Zukunft über das Einkommen.

Randsportarten: viel Leidenschaft, begrenzte Erlöse

In Disziplinen mit geringerer medialer Aufmerksamkeit sind Sponsoreneinnahmen deutlich kleiner:

  • Christopher Grotheer
  • Katharina Hennig
  • Tatjana Paller

Hier bewegen sich Sponsoreneinnahmen häufig zwischen 30.000 und 60.000 Euro pro Saison – ergänzt durch Behördengehälter.

Ausnahmefälle mit unternehmerischem Standbein

  • Johannes Lochner
    nicht bei einer Behörde angestellt
    selbstständig tätig
    Sponsoren decken hohe Materialkosten im Bobsport

Das zeigt: Nicht jeder Spitzensportler folgt dem klassischen Fördermodell.

Der Großteil der deutschen Winter-Olympioniken lebt von einem komplexen System aus:

  • Staatsdienst
  • Sporthilfe
  • Sponsoren
  • Preisgeldern

Ohne dieses Fördernetz wäre Spitzensport in vielen Disziplinen kaum finanzierbar.

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