Japan stoppt Kirschblütenfest
Overtourism zwingt Städte zum Umdenken

| Redaktion 
| 11.02.2026

Overtourism erreicht in Japan eine neue Dimension. In Fujiyoshida, am Fuße des Fuji, hat die Stadtregierung ihr traditionsreiches Kirschblütenfest abgesagt. Was als kulturelles Highlight der Sakura-Saison gilt, wurde zuletzt zum Symbol für Massentourismus und Kontrollverlust. Der Schritt wirft eine zentrale Frage auf: Wie viel Wachstum verträgt eine Destination, bevor Lebensqualität und Akzeptanz kippen?

Overtourism ist längst kein abstrakter Fachbegriff mehr, sondern konkrete Realität für viele Destinationen weltweit. Nun reagiert auch Japan – und sendet damit ein deutliches Signal an die internationale Tourismusbranche.

Kirschblütenfest als Wendepunkt

Fujiyoshida, rund zwei Stunden von Tokio entfernt, zählt etwa 50.000 Einwohner:innen. Während der Kirschblütenzeit reisten im vergangenen Jahr Medienberichten zufolge rund 200.000 Besucher:innen an. Die ikonische Kombination aus Mount Fuji und blühenden Sakura-Bäumen machte die Stadt zum Social-Media-Hotspot.

Bürgermeister Shigeru Horiuchi erklärte laut einem Bericht von touristik aktuell, man habe das Festival beendet, "um die Würde und das Lebensumfeld unserer Bürger zu schützen". Der Park bleibt während der Blüte geöffnet – das offizielle Rahmenprogramm entfällt jedoch.

Die Maßnahme trifft einen kulturellen Kern. Hanami, die traditionelle "Blumenbetrachtung", wird in Japan seit mehr als 1.000 Jahren gefeiert und gilt als Symbol für Aufbruch und Vergänglichkeit.

Besucherrekorde verschärfen den Druck

Japan verzeichnete 2025 mit rund 43 Millionen internationalen Gästen einen neuen Höchststand im Tourismus. Das waren knapp sechs Millionen mehr als im Vorjahr. Ein wesentlicher Treiber war der schwache Yen, der Reisen ins Land besonders attraktiv machte.

Mit den Rekorden steigen jedoch auch die Belastungen für Infrastruktur, Sicherheit und Umwelt. Kommunen tragen Kosten für Verkehrslenkung, Müllentsorgung und Schutzmaßnahmen – während Anwohner:innen unter Lärm, überfüllten Straßen und respektlosem Verhalten leiden.

 
 
 
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Overtourism wird damit zur Managementfrage. Es geht nicht mehr nur um Marketing und Auslastung, sondern um Steuerung und Akzeptanz.

Welche Strategien helfen gegen Overtourism?

Internationale Beispiele zeigen verschiedene Ansätze:

  • Zugangsbeschränkungen und Besucherobergrenzen

  • Zeitfenster- und Ticketmodelle

  • Tourismusabgaben zur Finanzierung von Infrastruktur

  • Digitale Besucherlenkung

  • Sensibilisierungskampagnen für respektvolles Verhalten

Gleichzeitig wächst bei Reisenden selbst das Bewusstsein für überlaufene Destinationen. Immer mehr Urlauber:innen hinterfragen, welche Hotspots durch Overtourism bereits an ihre Belastungsgrenzen geraten sind – und welche Alternativen langfristig attraktiver erscheinen. Mit ihrer jährlichen Fodor’s "No List" zeigt der US-Reiseführer, warum manche Sehnsuchtsorte 2026 bewusst gemieden werden könnten und welche strukturellen Faktoren hinter dieser Entwicklung stehen.

Für Reiseveranstalter, Airlines und Hotellerie bedeutet das ein Umdenken. Nachhaltige Steuerung wird zum Wettbewerbsfaktor – nicht zuletzt gegenüber einer zunehmend werteorientierten Kundschaft.

Fujiyoshida steht exemplarisch für eine neue Phase im globalen Tourismus. Kurzfristige Einnahmen werden zugunsten langfristiger Lebensqualität zurückgestellt. Für Führungskräfte im Destination Management ist klar: Wer Wachstum nicht aktiv gestaltet, riskiert den Verlust gesellschaftlicher Akzeptanz – und damit die Zukunftsfähigkeit ganzer Regionen.

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