Europas Zahlungsverkehr
EZB-Chefin Lagarde drängt auf digitalen Euro

| Redaktion 
| 10.02.2026

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat vor dem Europäischen Parlament erneut für die Einführung eines digitalen Euro geworben. In ihrer Rede betonte sie, dass Bargeld weiterhin verfügbar bleiben soll, für digitale Zahlungen jedoch eine Ergänzung notwendig sei. Der digitale Euro soll europaweit einsetzbar sein, Datenschutz gewährleisten und sowohl Verbraucher:innen als auch Unternehmen Vorteile bringen.

Im Rahmen der Plenardebatte zum Jahresbericht der Europäischen Zentralbank hat Christine Lagarde in Straßburg zentrale Schwerpunkte der EZB-Arbeit erläutert. Dabei ging sie auf die Rolle der Zentralbank in einem von Unsicherheit geprägten globalen Umfeld ebenso ein wie auf strukturelle Fragen zur Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit Europas. Ein wesentlicher Teil ihrer Ausführungen befasste sich mit der Zukunft des Zentralbankgeldes und der Frage, wie Bargeld im digitalen Zahlungsverkehr sinnvoll ergänzt werden kann.

Warum Bargeld ergänzt werden soll

Lagarde stellte klar, dass die Europäische Zentralbank weiterhin sicherstellen will, dass Bargeld für alle Menschen verfügbar und zugänglich bleibt. Die EZB unterstütze daher ausdrücklich die vorgeschlagene Verordnung zum gesetzlichen Zahlungsmittel, um sicherzustellen, dass Bargeld ohne unangemessene Einschränkungen genutzt werden könne. Zusätzlich bereitet die Zentralbank die Einführung einer dritten Serie von Euro-Banknoten mit neuem Design vor.

Gleichzeitig verwies die EZB-Präsidentin darauf, dass Bargeld für digitale Zahlungen nicht genutzt werden könne und sein Anteil an alltäglichen Zahlungen zurückgehe. Vor diesem Hintergrund sei es notwendig, physisches Zentralbankgeld durch ein digitales Äquivalent zu ergänzen. Ziel sei es, Zentralbankgeld auch im digitalen Alltag verfügbar zu machen und eine einheitliche Lösung für digitale Zahlungen im gesamten Euroraum bereitzustellen.

Was der digitale Euro leisten soll

Nach den Ausführungen von Christine Lagarde soll der digitale Euro als digitale Ergänzung zum Bargeld mehrere zentrale Funktionen erfüllen, die sowohl Verbraucher:innen als auch Unternehmen zugutekommen:

  • für jede digitale Zahlung im gesamten Euroraum akzeptiert werden

  • das höchste Maß an Datenschutz gewährleisten, da die Zentralbank keinen Zugriff auf personenbezogene Daten hat

  • Offline-Zahlungen mit bargeldähnlicher Privatsphäre ermöglichen

  • Gebühren für Händler senken, insbesondere für kleinere Betriebe

  • es europäischen privaten Zahlungsdienstleistern erleichtern, die Reichweite ihrer Lösungen zu erweitern

  • auf einer vollständig europäischen Infrastruktur basieren

  • eine übermäßige Abhängigkeit von ausländischen Anbietern bei Zahlungssystemen vermeiden, die für das Funktionieren der Wirtschaft entscheidend sind

Lagarde betonte, dass der digitale Euro damit Verbraucher:innen eine Lösung bieten könne, die für digitale Zahlungen im gesamten Euroraum einsetzbar ist. Gleichzeitig solle er dazu beitragen, den europäischen Zahlungsverkehr effizienter und unabhängiger zu gestalten.

Rolle des Parlaments und weitere Vorhaben der EZB

Lagarde verwies vor dem Europäischen Parlament darauf, dass diesem als Mitgesetzgeber eine Schlüsselrolle zukomme. Um die genannten Vorteile des digitalen Euro realisieren zu können, sei es notwendig, bei der Verabschiedung der entsprechenden Verordnung entscheidende Fortschritte zu erzielen. Nur mit einem klaren rechtlichen Rahmen könne der digitale Euro eingeführt und genutzt werden.

Parallel dazu arbeitet die EZB auch an tokenisiertem Zentralbankgeld, um die Entwicklung eines integrierten europäischen Ökosystems für digitale Vermögenswerte zu unterstützen. Lagarde nannte dabei das Projekt Pontes, das eine Abwicklung von auf Distributed-Ledger-Technologie basierenden Großtransaktionen in Zentralbankgeld ermöglichen soll, sowie das Projekt Appia, das den Aufbau eines von Beginn an integrierten europäischen Marktes für digitale Vermögenswerte zum Ziel hat. Diese Initiativen sollen dazu beitragen, widerstandsfähigere und integrierte Marktinfrastrukturen zu entwickeln und digitale Finanztechnologien zum Nutzen der Wirtschaft des Euroraums einzusetzen.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV