Motto des Tages
Tech bros – haltet mal alle die Klappe!

| Natalie Oberhollenzer 
| 10.02.2026

Sie tragen Hoodies, reden von Disruption statt Verantwortung – und halten sich für schlauer als Parlamente, Gerichte und ganze Gesellschaften. Willkommen in der Welt der Tech bros. Jener selbsternannten Erlöser aus dem Silicon Valley, die glauben: Wer Milliarden verdient, darf auch die Demokratie neu erfinden.

Spoiler: Darf er nicht.

Was einst als Fortschrittsoptimismus begann, ist längst zu einer gefährlichen Mischung aus Größenwahn, Machtfantasien und politischer Ahnungslosigkeit geworden. Und ja, das ist ein Problem. Für uns alle.

Milliardär = Messias?

Nehmen wir die immer gleichen Namen: Elon Musk, Sam Altman, Peter Thiel. Männer, die beeindruckende Unternehmen aufgebaut haben – und daraus den Schluss ziehen, sie hätten automatisch den Masterplan für Gesellschaft, Politik und Moral gleich mitgeliefert bekommen.

Die Logik dahinter ist simpel – und falsch:
Reich = klug. Klug = recht haben. Recht haben = entscheiden dürfen.

Demokratie? Langsam. Parlamente? Ahnungslos. Gerichte? Nervig. Der Staat? Ein Bug im System.

Demokratie? Läuft angeblich nicht mehr

Besonders unerquicklich wird es, wenn demokratische Institutionen nicht mehr als notwendiges Korrektiv, sondern als lästiger Klotz am Bein betrachtet werden. Regulierung gilt als Innovationsbremse, Wahlen als ineffizient, öffentlicher Diskurs als Zeitverschwendung.

Stattdessen wird von "Regieren wie ein Start-up" fabuliert. Von Algorithmen, die bessere Entscheidungen treffen sollen als gewählte Vertreter. Von Plattformen, die Regeln setzen, ohne sich selbst an welche halten zu müssen.

Das ist keine hippe Zukunftsvision. Das ist eine offene Kampfansage an die Demokratie.

Der große Heilsversprecher-Trick

Hinzu kommt der fast schon religiöse Technikglaube: Künstliche Intelligenz werde alles lösen. Klimawandel? KI regelt das. Ungleichheit? Wartet auf das nächste Modell. Politische Konflikte? Nur ein Rechenproblem.

Das ist bequem. Und gefährlich.
Denn wer auf die Erlösung durch Technologie hofft, muss im Hier und Jetzt nichts ändern. Keine Gesetze, keine Machtverhältnisse, keine unbequemen politischen Entscheidungen. Einfach weiter Daten sammeln, Energie verbrennen und auf die große Superintelligenz warten.

Währenddessen wird Macht verschoben – leise, aber effektiv. Weg von demokratisch kontrollierten Institutionen, hin zu privaten Plattformen und ihren Eigentümern.

Keine Verantwortung, aber ganz viel Meinung

Das Absurde: Dieselben Tech bros, die Staaten für dysfunktional erklären, unterliegen selbst keiner echten Kontrolle. Keine Wahlen. Kaum Haftung. Und wenn etwas schiefgeht? Dann war es halt ein "unerwartetes Verhalten des Systems".

Demokratie mag langsam sein. Aber sie ist transparent, korrigierbar und rechenschaftspflichtig. Genau das fehlt im Tech-Kosmos.

Vielleicht einfach mal zuhören

Niemand bestreitet den Wert von Innovation. Aber Innovation ohne demokratische Einbettung ist kein Fortschritt – sie ist Machtkonzentration. Die großen Errungenschaften der Moderne waren nie das Werk einzelner Genies, sondern kollektiver Anstrengungen, meist ermöglicht und kontrolliert durch den Staat.

Die Vorstellung, eine kleine, extrem wohlhabende Elite wisse besser als die Gesellschaft, wie diese zu funktionieren habe, ist nicht disruptiv. Sie ist alt. Und sie ist autoritär.

Vielleicht wäre es also an der Zeit, dass die Tech bros einmal kurz innehalten. Zuhören. Und akzeptieren, dass Demokratie nicht deshalb existiert, weil sie perfekt ist – sondern weil alles andere noch schlechter wäre.

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