Paracelsus Recovery
100.000 Euro pro Woche: Wie Millionäre in Zürich ihre Depressionen bekämpfen

| Redaktion 
| 08.02.2026

Hier hat psychische Gesundheit wahrlich ihren Preis: Wer sich in der Zürcher Privatklinik Paracelsus Recovery behandeln lässt, hat nicht nur Leidensdruck, sondern auch ein sehr großes Budget. Die Einrichtung verbindet intensive psychiatrische Betreuung mit maximalem Komfort. Ihr CEO Jan Gerber weiß, wovon er spricht – denn er kennt Depression nicht nur aus Akten, sondern aus dem eigenen Leben.

Zürcher Seefeld, ein Anwesen mit Steinwegen, Pool und Fitnessbereich mit Laufband, Sauna, Pilates-Geräte, eine Bar für Erfrischungen. Der Chef des Hauses Jan Gerber breitet seine Yogamatte aus. Bewegung, Meditation und Struktur sind fester Bestandteil seines Alltags, seit er einmal selbst an einer Depression erkrankt ist.

Auslöser seiner Krise war eine Verkettung von Ereignissen. Die Pandemie brachte sein zuvor florierendes Unternehmen an den Rand des Ruins, die Ehe geriet ins Wanken. "Meine gesamte Wirklichkeit ist damals implodiert", sagt er rückblickend in einem Beitrag im Schweizer Sender SFR. Selbst gut gemeinte Hinweise hätten ihn überfordert. Schon der Hinweis, doch Atemübungen zu machen brachten ihn zum Weinen. Erst ein stationärer Aufenthalt habe die Abwärtsspirale gebremst.

Geld bietet eben keinen Schutzschild gegen seelisches Leiden. Schmerz bleibt Schmerz – unabhängig vom Kontostand.

Dabei gehört er selbst zur finanziellen Elite. Durch Firmenverkäufe und Investitionen habe er ein Vermögen im zweistelligen Millionenbereich aufgebaut. Gerade deshalb habe ihn irritiert, wie wenig Verständnis psychische Erkrankungen bei Wohlhabenden oft auslösen. Mitleid sei rar, Vorurteile dafür umso präsenter.

Nie mehr als drei Patienten gleichzeitig

Heute verantwortet Gerber eine der exklusivsten Kliniken für mentale Gesundheit in Europa. Die meisten Patientinnen und Patienten reisen aus dem Ausland an, viele aus dem Nahen und Mittleren Osten. Es handelt sich um Erbinnen, Unternehmer, vereinzelt auch um Personen aus Adel, Politik oder Unterhaltungsindustrie.

Die Diagnosen unterscheiden sich kaum von jenen der Allgemeinbevölkerung: Depressionen, Suchterkrankungen, Zwangsstörungen. Der Unterschied liegt im Setting. In der Klinik werden nie mehr als drei Personen gleichzeitig behandelt – vollständig voneinander getrennt.

Während des Aufenthalts leben die Gäste in einer abgeschlossenen Penthouse-Wohnung. Ein rund 15-köpfiges Team kümmert sich exklusiv um sie: psychiatrische Betreuung rund um die Uhr, Psychotherapie, Fahrer, Sicherheits- und Küchenpersonal. Klassische Medizin ist ebenso möglich wie ergänzende Therapieformen, etwa mit Tieren.

Die Kosten dafür sind enorm: Rund 100.000 Schweizer Franken pro Woche, umgerechnet etwa 104.000 Euro, werden fällig.

Dass Gerber selbst ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie seine Klientel, sieht er nicht als Werbeinstrument. "Im Gegenteil", sagt er. "Ich musste mir anhören, dass ich in meinem Beruf doch eigentlich immun hätte sein müssen."

Diskretion und Sicherheit

Ob ein solches Umfeld notwendig sei, um gesund zu werden, wird oft kritisch hinterfragt. Gerber argumentiert pragmatisch: Für viele Vermögende sei ein öffentlicher Klinikaufenthalt kaum realisierbar – aus Sicherheitsgründen oder wegen medialer Aufmerksamkeit. Zudem könne ein abrupter Bruch mit dem gewohnten Lebensstandard zusätzlichen Stress erzeugen. "Nicht jeder profitiert therapeutisch davon, plötzlich alles selbst machen zu müssen."

Die meisten Patientinnen und Patienten seien unauffällig und kooperativ, sagt er. Außergewöhnliche Wünsche gebe es dennoch. Wenn machbar, würden sie erfüllt. Einmal sei sogar ein Beduinenzelt mit offenem Feuer auf der Dachterrasse angefragt worden – was letztlich an behördlichen Auflagen scheiterte.

Trotz allem Luxus betont Gerber die Grenzen seines Angebots: "Nur weil es teuer und ressourcen-intensiv ist, ist ein Aufenthalt bei uns keine magische Pille."

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