"Boah, Bahn!"
Deutsche Bahn: Kritik an Kosten für Engelke-Kampagne

| Redaktion 
| 08.02.2026

Die Image-Kampagne "Boah, Bahn!" wird ihrem Namen vier Monate nach ihrer Vorstellung noch einmal gerecht: Bild-Recherchen zufolge belaufen sich die Kosten für sieben Kurzfilme mit Anke Engelke samt dazugehörigem Song auf rund sieben Millionen Euro. Vor dem Hintergrund derzeit wieder lauter gestellter Sicherheitsfragen kommt Kritik an den gesetzten Prioritäten auf.

"Wir freuen uns sehr über diese Webserie mit Anke Engelke in der Hauptrolle“, zeigte sich Dr. Michael Peterson im Oktober zufrieden, als 'Boah, Bahn!' in Frankfurt am Main vorgestellt wurde. Das Format "ist eine humorvolle Liebeserklärung an die Mitarbeitenden der DB. Sie spricht damit ganz vielen unserer Fahrgäste aus dem Herzen", befand der DB-Vorstand Personenfernverkehr seinerzeit.

Vier Monate später wird "Boah, Bahn!" in einem anderen Licht betrachtet: Wie die Bild in Erfahrung bringen konnte, ist der Konzern bereits seit letztem Jahr bemüht gewesen, Details zu den Kosten der Imagefilm-Kampagne aus der Öffentlichkeit zu halten.

Auf eine erfolglose Anfrage der Linksfraktion habe das Verkehrsministerium "die Information in der Geheimschutzstelle" hinterlegt und Abgeordneten mit Einsichtsrecht dadurch effektiv untersagt, über die Inhalte zu sprechen.

Kampagne wird nicht fortgesetzt

Womöglich war all die Mühe letztlich dennoch vergeblich, schließlich wurde der Bild laut Eigenangabe gleich "aus mehreren Quellen" zugetragen, dass sich die Kosten der "Boah, Bahn!"-Kampagne auf stolze sieben Millionen Euro belaufen.

Zum Paket gehören in jedem Fall die Produktion von insgesamt sieben Spots mit Anke Engelke in der Rolle der fiktionalen Zugführerin Tina und der komplementäre, zweieinhalbminütige Song. Ob hier auch die weitere Bewerbung der Kampagne (etwa durch Plakate) inbegriffen ist, geht aus dem Beitrag nicht klar hervor, darf aber zumindest angenommen werden.

Gegenüber der Bild hat Bahnsprecher Jens-Oliver Voß bereits bekannt gegeben, dass "Boah, Bahn!" keine zweite Staffel erhalten wird: Eine Fortsetzung "passt nicht in die Zeit."

100 Sicherheitskräfte oder sieben Werbefilme?

"Angesichts der eklatanten Sicherheitsmängel bei der Deutschen Bahn ist es ein Skandal, dass der Vorstand so viele Millionen Euro für lustige Werbeclips ausgibt", wird Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher der SPD, zum Fall zitiert.

Weiterhin nimmt er Bezug auf Debatte um Sicherheit im Bahnumfeld, die nach dem gewaltsamen Tod des Zugbegleiters Serkan C. durch einen Schwarzfahrer einmal mehr aufkochende Sicherheitsdebatte:

"Für dieses Geld hätten mindestens 100 zusätzliche Sicherheitskräfte ein Jahr lang bezahlt werden können. Das ganze Thema wird im Innen- und Verkehrsausschuss des Bundestags ein Nachspiel haben", so Fiedler.

Ebenfalls mit Blick auf das Sicherheitspersonal gibt Martin Burkert, Vorsitzender der Bahn-Gewerkschaft EVG (und ehemaliger SPD-Abgeordneter) zu bedenken, dass "flächendeckende Ausstattung mit Bodycams die bessere Liebeserklärung gewesen wäre."

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