Starke Quartalszahlen 2026
Infineon investiert 2,7 Milliarden Euro in KI

| Redaktion 
| 04.02.2026

Infineon ist mit starken Zahlen in das Geschäftsjahr 2026 gestartet und erhöht seine Investitionen in Künstliche Intelligenz deutlich. Hintergrund ist eine Nachfrage, die sich zunehmend von klassischen Industrie- und Automobilanwendungen hin zu Rechenzentren verschiebt. Besonders gefragt sind Komponenten für die Stromversorgung von KI-Systemen. Diese Entwicklung spiegelt sich bereits in den Ergebnissen des ersten Quartals wider und prägt die strategische Ausrichtung des Konzerns.

Der Münchner Halbleiterkonzern Infineon richtet seine Investitionsplanung neu aus. Während viele Endmärkte stagnieren oder nur langsam wachsen, nimmt der Bedarf an Infrastruktur für Künstliche Intelligenz zu. Für den Halbleiterhersteller bedeutet das vor allem eine steigende Nachfrage nach Leistungshalbleitern, die den hohen Energiebedarf moderner Rechenzentren absichern. Der Konzern reagiert darauf mit höheren Investitionen und einer stärkeren Konzentration seiner Fertigung.

Solides Quartal in einem ungleichen Marktumfeld

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Infineon einen Umsatz von 3,662 Milliarden Euro. Das Segmentergebnis belief sich auf 655 Millionen Euro, die Segmentergebnis-Marge lag bei 17,9 Prozent. Die Zahlen liegen im Rahmen der eigenen Erwartungen.

Zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede. Während das Geschäft mit klassischen Industrie- und Automobilkunden weiterhin von Zurückhaltung geprägt ist, wächst der Bedarf an Halbleitern für KI-Anwendungen spürbar. Dabei geht es weniger um Rechenchips selbst als um Bauteile, die eine stabile und effiziente Stromversorgung sicherstellen. Mit jedem zusätzlichen Rechenzentrum steigt der Bedarf an genau diesen Komponenten.

Infineon-CEO Jochen Hanebeck ordnet die Entwicklung so ein: "Die sehr dynamische Nachfrage bei KI in einem ansonsten verhaltenen Marktumfeld gibt Infineon kräftigen Rückenwind." Kurzfristig stehe vor allem die Energieversorgung von Rechenzentren im Vordergrund, mittelfristig werde auch der Ausbau der Netzinfrastruktur an Bedeutung gewinnen.

Höhere Investitionen als bewusste Weichenstellung

Vor diesem Hintergrund hebt Infineon seine geplanten Investitionen für das Geschäftsjahr 2026 deutlich an. Statt der bisher vorgesehenen 2,2 Milliarden Euro sollen nun rund 2,7 Milliarden Euro eingesetzt werden. Der Schritt ist weniger eine Reaktion auf kurzfristige Marktsignale als Ausdruck einer strategischen Schwerpunktsetzung.

Ein wesentlicher Teil der zusätzlichen Mittel fließt in den Ausbau der Produktionskapazitäten. Eine zentrale Rolle spielt dabei die neue Smart Power Fab in Dresden. Der Hochlauf der Fabrik wird früher als ursprünglich geplant vorgezogen, die Eröffnung ist weiterhin für den Sommer vorgesehen. Infineon schafft damit zusätzliche Kapazitäten für Leistungshalbleiter, die für den Betrieb großer Rechenzentren erforderlich sind.

KI-Rechenzentren werden zum relevanten Umsatzfaktor

Die Investitionen sind eng mit den Erwartungen für die kommenden Jahre verknüpft. Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet Infineon im Bereich der Stromversorgung von KI-Rechenzentren mit einem Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäftsjahr liegt dieser Wert bei etwa 1,5 Milliarden Euro. Der Bereich gewinnt damit deutlich an Gewicht innerhalb des Konzerns.

Für das zweite Quartal 2026 stellt Infineon bei einem unterstellten EUR/USD-Wechselkurs von 1,15 einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro in Aussicht. Die Segmentergebnis-Marge soll im mittleren bis hohen Zehner-Prozentbereich liegen. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern weiterhin einen moderat steigenden Umsatz gegenüber dem Vorjahr. Die bereinigte Bruttomarge wird im niedrigen Vierziger-Prozentbereich gesehen, die Segmentergebnis-Marge im hohen Zehner-Prozentbereich.

KI-Infrastruktur gewinnt in Deutschland an Bedeutung

Der steigende Bedarf an Halbleitern für KI-Rechenzentren geht mit einem Ausbau der eigentlichen Recheninfrastruktur einher. In Deutschland entstehen derzeit neue Kapazitäten, um Unternehmen Rechenleistung für KI-Anwendungen bereitzustellen. So hat die Deutsche Telekom in München die erste KI-Fabrik Europas eröffnet, die als Plattform für industrielle und unternehmerische KI-Projekte dienen soll. Der Ausbau solcher Rechenzentren erhöht zugleich den Bedarf an leistungsfähigen Komponenten für Energieversorgung und Effizienz – ein Markt, auf den sich Infineon mit seinen aktuellen Investitionsentscheidungen gezielt ausrichtet.

Höhere Investitionen belasten den Cashflow

Die Kehrseite der höheren Investitionen zeigt sich beim Cashflow. Der bereinigte Free-Cash-Flow soll im Geschäftsjahr 2026 bei rund 1,4 Milliarden Euro liegen, der Free-Cash-Flow bei etwa 1,0 Milliarden Euro. Infineon nimmt die geringeren Zuflüsse bewusst in Kauf und priorisiert Investitionen in ein Geschäftsfeld, dem das Management langfristiges Wachstumspotenzial zuschreibt.

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