Geldwäsche-Verdacht überschattet Bilanz
Deutsche Bank meldet Rekordgewinn einen Tag nach Razzia

| Redaktion 
| 28.01.2026

Nur 24 Stunden nach einer Großrazzia wegen Geldwäsche-Verdachts präsentiert die Deutsche Bank historische Zahlen: 9,7 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern – ein Plus von 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Ermittlungen werfen jedoch einen Schatten auf das Rekordergebnis.

++++  Beitrag vom 28.01.2026 - Update vom 29.01.2026 - 21:00 Uhr ++++

Wie die Tagesschau berichtet, schließt die Deutsche Bank das Jahr 2025 mit einem Rekordgewinn ab und übertrifft sämtliche Markterwartungen. Die Veröffentlichung der Zahlen erfolgt jedoch in einem sensiblen Moment.

Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten – darunter die Tagesschau, die Süddeutsche Zeitung und der Spiegel – durchsuchten Ermittler am Vortag der Bilanzvorlage die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt sowie weitere Geschäftsstellen. Der Hintergrund sind Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche im Zusammenhang mit früheren Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Gesellschaften.

Rekordergebnis trifft auf laufende Ermittlungen

Mit 9,7 Milliarden Euro liegt das Ergebnis 84 Prozent über dem Vorjahreswert, der noch von milliardenschweren Rückstellungen für Rechtsrisiken belastet war. Auch der den Aktionär:innen zurechenbare Nettogewinn stieg deutlich: 6,1 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie 2024.

Wie die Zeit berichtet, übertraf die Deutsche Bank mit ihrem Jahresergebnis die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten, die im Vorfeld von einem Nettogewinn von rund 5,94 Milliarden Euro ausgegangen waren.

Konzernchef Christian Sewing betonte in einem internen Schreiben, man habe "Maßstäbe gesetzt“ und wolle die Bank zu einem europäischen Champion weiterentwickeln. 

Das Bundeskriminalamt hat am Mittwochmorgen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main sowie einen Standort in Berlin durchsucht. Anlass ist ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Nach Medienberichten prüfen die Ermittler dabei auch mögliche Bezüge zu Vermögenswerten aus Russland. Im Fokus stehen mutmaßlich illegale Geldflüsse über internationale Unternehmensstrukturen.

Ermittlungen wegen Geldwäsche-Verdacht

Mit rund 30 Einsatzkräften durchsuchte das Bundeskriminalamt am Mittwochvormittag die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main sowie eine Niederlassung in Berlin. Die Maßnahme erfolgt im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts auf Geldwäsche, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte. Es werde gegen "bislang unbekannte Verantwortliche und Mitarbeiter" ermittelt.

Der Vorwurf: Die Bank soll über Jahre Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Firmen unterhalten haben, die nach Erkenntnissen der Behörden zur Geldwäsche eingesetzt worden sein könnten. Konkrete Details zur Summe oder zu den involvierten Transaktionen nannte die Staatsanwaltschaft bislang nicht – wohl auch aus ermittlungstaktischen Gründen.

Medien berichten über möglichen Bezug zu Roman Abramowitsch

Laut Informationen des Spiegel steht die Durchsuchung im Zusammenhang mit Unternehmen, die Ermittler dem russischen Unternehmer Roman Abramowitsch zuordnen. Nach Informationen des Spiegel sind diese Firmenstrukturen seit 2022 von EU-Sanktionen gegen russische Vermögenswerte betroffen.

Laut Financial Times prüfen Ermittler im Rahmen der Durchsuchung, ob im Zusammenhang mit relevanten Unternehmensverbindungen Aktivitäten oder Transaktionen stattgefunden haben, die für die laufenden Geldwäscheermittlungen relevant sind. Offizielle Angaben der Strafverfolgungsbehörden zu einem möglichen Bezug zu Abramowitsch liegen bislang nicht vor. Für Herrn Roman Abramowitsch gilt die Unschuldsvermutung.

Die Bank selbst bestätigte die laufende Maßnahme auf Anfrage der Medien, betonte jedoch ihre Kooperationsbereitschaft: Man arbeite "vollumfänglich mit den Behörden zusammen", hieß es in einer Stellungnahme. Zu weiteren Details äußerte sich das Institut nicht.

Alte Baustellen – neuer Druck

Die Deutsche Bank war in den vergangenen Jahren wiederholt Gegenstand juristischer Prüfungen und Verfahren. Welche Folgen die aktuellen Ermittlungen haben könnten, ist derzeit offen. Fest steht, dass der Vorgang in eine Phase fällt, in der sich das Institut nach Jahren der Umstrukturierung wirtschaftlich stabilisiert hat. Mögliche Auswirkungen auf die Reputation der Bank sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar.

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