Der CEO von NYBA Media im Interview
Markus Hetzenegger: "Aufgeben war nie eine Option"

Er hatte weder Businessplan noch Netzwerk – und nicht einmal ein klares Bild davon, was Unternehmertum bedeutet. Heute generiert Markus Hetzenegger mit NYBA Media für internationale Kunden Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe und zählt zu den führenden Köpfen im performancegetriebenen Live-Entertainment-Marketing. Im Interview mit LEADERSNET spricht er über unkonventionelle Anfänge, bewusste Entscheidungen gegen den Mainstream und darüber, warum für ihn bis heute gilt: "Aufgeben ist keine Option.“

LEADERSNET: Wenn Sie auf die Gründung von NYBA Media zurückblicken: Was war der entscheidende Moment, in dem aus einer Idee ein unternehmerischer Entschluss wurde – und was stand damals auf dem Spiel?

Markus Hetzenegger: Die Frage ist größer, als sie auf den ersten Blick klingt. Wenn ich ehrlich bin, war Unternehmertum für mich am Anfang gar kein bewusstes Ziel. Ich wusste nicht einmal, was ein Unternehmer eigentlich ist. Ich bin in Spanien aufgewachsen, in einem kleinen Fischerdorf, und bin mit zwölf Jahren nach Deutschland zurückgekommen. Ich konnte Deutsch sprechen, aber kaum schreiben, weil ich keinen Deutschunterricht hatte. Mein Bildungsniveau passte nicht ins System – Gymnasien und Realschulen haben mich abgelehnt, bis auf eine einzige.

Das war früh die erste Erkenntnis: Mein Weg wird kein klassischer. Ich habe dann eine duale Ausbildung bei BMW begonnen – tolles Umfeld, tolle Menschen –, aber mit 17, 18 war mir klar: Das ist es nicht. Ich hätte dort sehr sicher Karriere machen können. Genau das war das Problem. Ich hatte Angst, dass ich, wenn ich diesen Weg weitergehe, nie wieder abspringe.

Also bin ich einfach zum Gewerbeamt gegangen. Kein Businessplan, kein Netzwerk, kein Kapital. Ich habe gesagt: "Ich möchte mich selbstständig machen.“ 25 Euro bezahlt, einen Zettel bekommen – und bin nach Hause gefahren mit dem Gefühl: Jetzt bin ich Unternehmer. Learning by doing. Und ja: Ich habe praktisch jeden Fehler gemacht, den man machen kann.

LEADERSNET: Von dieser improvisierten Gründung zu einer der führenden Marketing-Unternehmen Europas – das ist beachtlich. Wenn Sie auf diese Entwicklung blicken: Welche eine Entscheidung war für Ihr Wachstum überlebenswichtig – und welche hätten Sie im Rückblick früher treffen sollen?

Markus Hetzenegger: Ich halte nichts davon, Fehler zu verteufeln. Fehler formen Charakter. Wachstum entsteht nicht, wenn alles glatt läuft.

Für mich gibt es zwei zentrale Faktoren: Commitment und Iteration. Commitment heißt: Aufgeben ist keine Option. Viele hören auf, sobald es unbequem wird. Sobald Gegenwind kommt. Ich nicht. Wenn ich etwas anfange, dann ziehe ich es durch. Iteration heißt: Jeden Tag besser werden. Dinge hinterfragen. Mit der Zeit gehen. Wenn wir heute noch das machen würden, was wir am Anfang gemacht haben – Webseiten verkaufen, SEO, Blogartikel –, dann wären wir irrelevant. Stattdessen haben wir früh neue Plattformen getestet: TikTok zum Beispiel schon 2019. Anfangs katastrophal. Aber wir sind drangeblieben. Heute ist es einer unserer wichtigsten Kanäle.

Diese langfristige Exzellenz – über Jahre hinweg – ist schwer zu schlagen. Nicht ein einzelner Erfolg macht den Unterschied, sondern die Summe aus tausend kleinen Optimierungen.

LEADERSNET: Wenn Sie Ihre unternehmerische Reise in drei Schlüsselmomente destillieren müssten: Welche ‚Forks in the Road‘ haben Ihren Weg geprägt – und wo haben Sie bewusst gegen den Mainstream gehandelt?

Markus Hetzenegger: Erstens: Meine Schulzeit. Klingt paradox, aber das Gefühl, nicht ins System zu passen, hat mich extrem angetrieben. Zweitens: Der Moment, in dem man merkt, dass das, was man tut, wirklich funktioniert. Wenn ein Event Monate im Voraus ausverkauft ist. Wenn große Player anrufen und sagen: "Wir brauchen euch.“ Und drittens: Das Team. Wenn eine Idee, die einmal in deinem Kinderzimmer entstanden ist, plötzlich von vielen Menschen getragen wird. Wenn Mitarbeiter:innen und Partner:innen dahinterstehen und sagen: Das macht Sinn. Das ist erfüllend. Das ist mehr wert als Umsatz oder Geld.

LEADERSNET: Wie positioniert sich NYBA Media im globalen Digitalwerbemarkt – und wo sehen Sie Ihre spezifische Nische?

Markus Hetzenegger: Wir sind keine klassische Marketingagentur – NYBA zählt zu den führenden Marketing-Unternehmen im Live-Entertainment. Wir verkaufen Tickets. Punkt. Unser Fokus liegt ausschließlich auf messbarer Performance: Was kostet es – und was kommt raus? Die meisten liefern hübsche Reports mit Reichweiten, Klicks und Impressionen. Wir interessieren uns für Umsatz und Return on Investment. Wenn man sich darauf beschränkt, wird der Markt plötzlich sehr dünn.

Wir arbeiten extrem datengetrieben, sehr nah an den Plattformen, im engen Austausch mit Google, Meta, TikTok. Und wir liefern konstant Ergebnisse. Über Jahre hinweg. Das schafft Vertrauen – und ist schwer zu kopieren.

LEADERSNET: Was unterscheidet NYBA Media heute substanziell von anderen Agenturen – jenseits von Buzzwords wie "Storytelling“ oder "Digital First“?

Markus Hetzenegger: Wenn man es wirklich runterbrechen würde: Es ist die Performance. Im Durchschnitt holen wir bei zweistelligen bis dreistelligen Millionenbeträgen das Siebenfache raus aus jedem investierten Euro. Das muss man erstmal schaffen. Und da ist nicht nur ein Helene-Fischer-Konzert oder Coldplay dabei, sondern auch Themen, die vielleicht weniger relevant sind für potenzielle Käufer:innen.

Performance ist ein großes Wort. Da gehört viel rein: Wir verstehen die Zielgruppe, die Plattformen, die Funktionsweisen, den Content, die Strategie, den Funnel. Wir verstehen Micro-Themen wie Tracking. Aber übergeordnet ist es tatsächlich so: Wir performen. Schwarz auf weiß bringen wir Umsatz. Wir kosten den Partner:innen und Kund:innen kein Geld, sondern bringen ihnen Geld. Das ist auch immer unser Pitch. Die Kund:innen sind nicht nur bei uns, weil wir sympathisch sind, sondern weil wir ihnen verlässlich, nachweislich viel Geld bringen. Das ist der Haupttreiber für die Zusammenarbeit und das, was uns unterscheidet.

LEADERSNET: In einer Welt, in der Algorithmen und KI den Media-Einkauf zunehmend automatisieren: Worin bestehen heute die entscheidenden 20 Prozent der menschlichen Arbeit bei NYBA Media, die den wirklichen Hebel für den Erfolg Ihrer Kund:innen ausmachen?

Markus Hetzenegger: Ganz klar: Kreativität und echtes Zielgruppenverständnis. Workflows, Setups, Reportings – das lässt sich alles automatisieren. Aber zu verstehen, warum ein bestimmter TikTok-Trend funktioniert, warum Menschen emotional reagieren, warum sie ein Ticket kaufen – das kann keine KI.

Wir schreiben unsere Werbetexte selbst. Wir denken in Motiven, nicht in Formaten. Wir versuchen nicht, tausend Creatives blind zu testen, sondern die zugrunde liegende Motivation der Menschen zu verstehen. Das ist der Hebel.

LEADERSNET: Welche strukturellen Nachteile spüren Gründer:innen ohne ‚Goldrand-Biografie‘ heute noch – und welche Stärken bringt genau dieser unkonventionelle Weg mit sich?

Markus Hetzenegger: Objektiv hatte ich alle Nachteile. Keine reichen Eltern, kein Netzwerk, keine Mentor:innen, keine Abkürzungen. Aber genau das war mein größtes Geschenk. Ich habe einen Drive entwickelt, den ich sonst nie gehabt hätte.

Wir mussten alles selbst denken. Alles hinterfragen. Warum zum Kund:innen fahren? Warum Hierarchien? Warum Bürozwang? Heute arbeiten wir international, remote, mit flachen Strukturen. Es geht immer um Effizienz und Ergebnis – nicht um Ego oder Status. Ich glaube, gerade weil ich nie "Corporate geprägt“ war, konnten wir vieles neu erfinden.

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