Autonomes Fahren
Milliardenrennen um Robotaxis: Diese Städte sollen zu Europas Testlaboren werden

| Natalie Oberhollenzer 
| 01.06.2026

Der Wettlauf um das autonome Fahren erreicht Europa. Während in London gleich mehrere Technologiekonzerne um die Vorherrschaft bei Robotaxis kämpfen, soll auch Deutschland schon bald zum Testfeld für fahrerlose Mobilität werden.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht derzeit London. Dort wollen mit Waymo, Wayve und Baidu gleich drei Schwergewichte der Branche den europäischen Markt erobern. Die Google-Schwester Waymo gilt dabei als klarer Marktführer. Das Unternehmen wickelt in den USA bereits mehr als zwei Millionen bezahlte Robotaxi-Fahrten pro Monat ab und wird inzwischen mit rund 126 Milliarden US-Dollar bewertet. Noch im Laufe dieses Jahres soll – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen – ein vollständig fahrerloser Dienst in der britischen Hauptstadt starten, wie das manager magazin berichtet.

Die Herausforderer aus Europa und China

Herausgefordert wird Waymo unter anderem vom britischen KI-Start-up Wayve. Das Unternehmen sammelte zuletzt 1,2 Milliarden US-Dollar von Investoren wie Mercedes-Benz, Nissan, Stellantis, Microsoft, Nvidia und Uber ein. Die Bewertung stieg auf 8,6 Milliarden US-Dollar. Das Ziel: autonome Fahrzeuge, die ohne aufwendige Kartierung in unterschiedlichsten Städten weltweit eingesetzt werden können.

Auch der chinesische Technologiekonzern Baidu bringt sich in Stellung und bereitet den Markteintritt seiner Robotaxis in Europa vor. Damit treffen erstmals die führenden Anbieter aus den USA, Europa und China direkt aufeinander.

München als deutsches Tech-Epizentrum

Doch der Wettbewerb beschränkt sich längst nicht mehr auf Großbritannien. Deutschland rückt zunehmend in den Fokus der Branche. Am Montag kündigten Uber und das israelische KI-Unternehmen Autobrains auf der Technologiekonferenz GTC in Taipeh an, in München eine Robotaxi-Flotte der Stufe 4 aufzubauen. Die bayerische Landeshauptstadt soll als weltweite "Launch City" dienen. Ausschlaggebend für die Standortwahl seien neben der Nähe zu BMW, Audi und Mercedes-Benz vor allem die vergleichsweise fortschrittlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen für autonomes Fahren, berichtet das Handelsblatt.

Während Waymo auf eigene Robotaxi-Flotten setzt, verfolgen neue Anbieter zunehmend andere Strategien. Wayve etwa will seine Technologie künftig nicht nur für fahrerlose Taxis, sondern auch als Fahrassistenzsystem für Millionen Serienfahrzeuge vermarkten. Mit Nissan wurde bereits ein erster Großkunde gewonnen. Ab 2027 soll die Technologie in rund 90 Prozent der Fahrzeuge des japanischen Herstellers eingesetzt werden. Branchenbeobachter rechnen damit, dass weitere Hersteller nachziehen könnten.

Systemwechsel für die Automobilbranche

Für die Automobilindustrie steht damit weit mehr auf dem Spiel als ein neues Mobilitätsangebot. Der Robotaxi-Markt entwickelt sich zunehmend zum nächsten großen Technologiefeld nach Elektromobilität und Software-defined Vehicles. Gleichzeitig geraten etablierte Zulieferer für Fahrerassistenzsysteme unter Druck, da neue KI-basierte Plattformen immer mehr Funktionen übernehmen.

Noch sind viele Fragen offen. Behörden müssen Genehmigungen erteilen, Sicherheitsnachweise erbracht und Geschäftsmodelle bewiesen werden. Doch eines zeichnet sich bereits ab: Der Kampf um die Mobilität der Zukunft wird nicht mehr nur im Silicon Valley entschieden. Mit London und München entstehen gerade die ersten europäischen Testlabore eines Milliardenmarktes, der die Autoindustrie grundlegend verändern könnte.

DAS ROBOTAXI-RENNEN IN ZAHLEN

  • 126 Mrd. US-Dollar: Aktuelle Bewertung der Google-Schwester Waymo.
  • 2 Mio. Fahrten: Wickelt Waymo bereits monatlich als bezahlte Robotaxi-Dienste in den USA ab.
  • 8,6 Mrd. US-Dollar: Marktwert des britischen KI-Start-ups Wayve.
  • 1,2 Mrd. US-Dollar: Frisches Kapital für Wayve von Investoren wie Mercedes-Benz, Nissan, Stellantis, Nvidia, Microsoft und Uber.
  • 90 Prozent: Anteil der Nissan-Fahrzeuge, die ab 2027 mit der Technologie von Wayve ausgestattet werden sollen.
  • 3 Kontinente: Die USA (Waymo), Europa (Wayve) und China (Baidu) kämpfen direkt auf dem europäischen Markt um die Vorherrschaft.
  • London & München: Die britische Hauptstadt wird zum ersten großen Testmarkt, während München als weltweite „Launch City“ von Uber und Autobrains fungiert.
  • Level 4 Standard: Bedeutet vollständig fahrerloses Fahren ohne die erforderliche Aufmerksamkeit eines Menschen in einem digital definierten Einsatzgebiet.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

DAS ROBOTAXI-RENNEN IN ZAHLEN

  • 126 Mrd. US-Dollar: Aktuelle Bewertung der Google-Schwester Waymo.
  • 2 Mio. Fahrten: Wickelt Waymo bereits monatlich als bezahlte Robotaxi-Dienste in den USA ab.
  • 8,6 Mrd. US-Dollar: Marktwert des britischen KI-Start-ups Wayve.
  • 1,2 Mrd. US-Dollar: Frisches Kapital für Wayve von Investoren wie Mercedes-Benz, Nissan, Stellantis, Nvidia, Microsoft und Uber.
  • 90 Prozent: Anteil der Nissan-Fahrzeuge, die ab 2027 mit der Technologie von Wayve ausgestattet werden sollen.
  • 3 Kontinente: Die USA (Waymo), Europa (Wayve) und China (Baidu) kämpfen direkt auf dem europäischen Markt um die Vorherrschaft.
  • London & München: Die britische Hauptstadt wird zum ersten großen Testmarkt, während München als weltweite „Launch City“ von Uber und Autobrains fungiert.
  • Level 4 Standard: Bedeutet vollständig fahrerloses Fahren ohne die erforderliche Aufmerksamkeit eines Menschen in einem digital definierten Einsatzgebiet.

leadersnet.TV