Der Women on Top Award entwickelt sich weiter. Was als konkrete Förderung junger Frauen begann, die für ihre Ausbildung finanzielle Risiken eingegangen sind, wird 2026 um eine zweite Säule erweitert: Gemeinsam mit der Bayernwerk Akademie fördern Nena Brockhaus und Franca Lehfeldt künftig neben Studentinnen auch angehende Handwerksmeisterinnen.
"Master ist wie Meister – und ein Studium ist nicht mehr wert als eine Meisterschule", sagte Brockhaus beim fünften Women on Top Award in Düsseldorf. In den vergangenen fünf Jahren wurden über Women on Top Media bereits sechs Studienkredite in Höhe von insgesamt 180.000 Euro zurückgezahlt. Das Ziel bleibt größer: "Wir wollen eine Million Euro an Studienkrediten zurückzahlen."
Vom Hörsaal in die Werkhalle
Mit der Bayernwerk Akademie erhält die Initiative einen Partner, der die berufliche Bildung stärker sichtbar machen soll. Sabrina Hanna, Geschäftsführerin der Bayernwerk Akademie, sprach von einem bewussten Perspektivwechsel: "Heute öffnen wir gemeinsam den Blick vom Hörsaal in die Werkhalle." Der Fachkräftemangel lasse sich nicht allein über neue Einstellungen lösen. Entscheidend sei, vorhandene Talente weiterzuqualifizieren.
Die erste ausgezeichnete "Zukunftsmeisterin" ist Lena Widenmayer. Nach ihrer Ausbildung zur Elektrikerin entschied sie sich für den Meistertitel. Ihr Interesse an Technik habe sie früh entdeckt: "Ich war schon als Kind von Technik begeistert." Wichtig sei die Unterstützung ihres Elternhauses gewesen: "Meine Eltern haben immer gesagt: Geh den Weg, den du gehen möchtest." Ihre Botschaft an junge Frauen: "Geht euren Weg, verfolgt eure Ziele – egal in welche Richtung."
Rückschläge, Leistung und neue Wege
Dass Karrierewege selten geradlinig verlaufen, zeigte das Gespräch mit Nathalie Thelen-Sattler und Frank Thelen. Das Unternehmerpaar übernimmt in diesem Jahr den Studienkredit der Medizinstudentin Samira, die kurz vor ihrem Zweiten Staatsexamen steht und Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe werden möchte. Nathalie Thelen-Sattler erinnerte daran, dass sie für ihre Facharztausbildung nach eigenen Angaben "33 Absagen von Kliniken" erhielt. Statt aufzugeben, ging sie in die USA. "Ich wusste nicht, ob ich drei Tage, drei Wochen oder drei Jahre bleiben würde."
Rückblickend sei diese Entscheidung prägend gewesen: "Ich habe irgendwann festgestellt: Wenn man irgendwo hinwill und Einsatz bringt, dann funktioniert das." Frank Thelen sprach über seinen unternehmerischen Antrieb: "Bei mir kommt die Leidenschaft über die Technologie. Ich wollte Dinge bauen und ausprobieren." Erfolg messe er jedoch nicht nur an Unternehmen oder Investitionen. "Ich glaube, eine Beziehung ist Arbeit. Man muss Aufmerksamkeit investieren." Gemeinsam mit seiner Frau reserviere er bis heute einen Abend pro Woche ausschließlich füreinander – ohne Handy. "Geld verdienen ist einfach. Eine glückliche Beziehung über 20 Jahre zu führen, ist deutlich schwieriger."
Freiheit und Selbstbestimmung
Auch Anna Loos und Jan Josef Liefers verbanden ihre Unterstützung für die Initiative mit persönlichen Erfahrungen. Loos sprach über ihre Entscheidung, mit 17 Jahren die DDR zu verlassen. "Ich war nicht mutig. Ich war eine Mischung aus naiv und wütend", sagte sie. Sie habe ihr Leben selbst gestalten wollen: "Ich lasse mir von niemandem sagen, wie ich mein Leben gestalte." Auf die Frage, was wichtiger sei – Frieden oder Freiheit –, antwortete sie ohne zu zögern: "Freiheit."
Liefers beschrieb seine DDR-Erfahrung mit einem Satz: "Man lernte sehr früh, dass es zwei Sprachen gibt – die für zu Hause und die für draußen." Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Debatten warb er für mehr Streitkultur: "Wir müssen wieder lernen, vernünftig zu streiten."
Verantwortung für Chancen
Wie unterschiedlich Bildungs- und Lebenswege verlaufen können, zeigte auch das abschließende Wirtschaftsgespräch. Investorin Sibylle Wilhelm, selbst Tochter türkischer Gastarbeiter, traf auf Familienunternehmer Heinrich Deichmann. Trotz ihrer unterschiedlichen Biografien verband beide die Überzeugung, dass Bildung, Eigenverantwortung und gesellschaftlicher Zusammenhalt die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg sind.
Der Familienunternehmer Heinrich Deichmann, dessen christlicher Glaube sein Handeln prägt, machte deutlich, dass wirtschaftlicher Erfolg für ihn untrennbar mit persönlicher Verantwortung verbunden ist. "Mein Glaube ist meine geistige Lebensgrundlage", sagte er. "Er gibt mir Orientierung, Halt und beantwortet für mich die Sinnfrage." Aus dieser Überzeugung leite sich für ihn auch seine Verantwortung als Unternehmer ab.
Für Deichmann ist Bildung der entscheidende Schlüssel für die Zukunft des Landes. "Bildung ist für Deutschland von enormer Bedeutung", sagte er. "Unser Wohlstand lässt sich nur mit hervorragend ausgebildeten Menschen erhalten." Zugleich warnte er davor, Mädchen und Jungen oder unterschiedliche Bildungswege gegeneinander auszuspielen. "Wenn Kinder in schwierigen Familien aufwachsen, haben sie es deutlich schwerer." Deshalb müsse jedes Kind erleben, "dass es ernst genommen wird und wichtig ist".
Als Beispiel für gelebte Integration verwies Deichmann auf sein eigenes Unternehmen: "Wir beschäftigen in Deutschland Mitarbeitende aus mehr als 100 Nationen." Vielfalt sei dort gelebter Alltag. "Unser Unternehmen ist eine große integrierende Kraft." Mit Blick auf den Wirtschaftsstandort Deutschland forderte er außerdem: "Deutschland muss deregulieren und entbürokratisieren." Gleichzeitig seien "Investitionen in Bildung und Innovation entscheidend für unsere Zukunft".
Zu den weiteren Gästen des Abends zählten unter anderem Wolfram und Alexa Kons, Isabell Werth mit Sohn Frederik Werth, Herbert Reul, Roman Weidenfeller, Paul Ronzheimer, Benjamin "Ben" Berndt, Mary Abdelaziz-Ditzow, Caspar Brockhaus, Jana Azizi, Valentina Maceri, Tabea Heynig, Dieter Könnes, Carsten Puschmann, Stephan Kemen, Charlene Kocyba, Alain Midzic, Tessa Saueressig, Kira Ortmann, Thomas Seith und Silvio Rahr.
Zum Charakter des Women on Top Awards gehört seit Jahren auch seine unverwechselbare Gestaltung. Für das florale Konzept zeichnet erneut Floristikmeister Thomas Seith verantwortlich, der mit seinen Arrangements die visuelle Identität der Veranstaltung maßgeblich prägt. Gemeinsam mit zahlreichen Partnern – darunter Dreissigacker, Hoffmann's Ballonshop, Hunnenberg, Hotel Kö59 Düsseldorf, Laavents, Private Lane, Schillings im Schauspielhaus, Same Eden und Veuve Clicquot – entstand ein Abend, der nicht nur inhaltlich, sondern auch atmosphärisch Akzente setzte. Die besten Eindrücke und Bilder des Abends finden Sie in unserer Galerie.
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