Für das jüngste, hauseigene Ranking der besten Ruhestandsziele 2026 hat Forbes insgesamt 96 Orte in 24 Ländern auf fünf Kontinenten untersucht. Im Mittelpunkt standen dabei nicht etwa einzelne Städte, sondern nationale Rahmenbedingungen, die einen langfristigen Aufenthalt für US-Rentner attraktiv machen.
Zu den wichtigsten Bewertungskriterien gehören die Lebenshaltungskosten mit besonderem Blick auf Wohnen und Gesundheitsversorgung, da beide Posten in vielen Ländern deutlich günstiger ausfallen als in den Vereinigten Staaten.
Da die US-Krankenversicherung Medicare im Ausland nicht genutzt werden kann, bewertet Forbes sowohl die Gesundheitsstandards als auch die Kosten für Behandlungen und Versicherungen vor Ort. Zudem flossen das jeweilige Steuersystem oder die allgemeine finanzielle Planbarkeit eines Ruhestands in die jeweilige Landeswertung ein.
So bewertet Forbes mögliche Ruhestand-Locations
Faktoren wie Sicherheit, politische Stabilität und die gesellschaftliche Integration wurden ebenso Beachtung geschenkt – etwa darauf bezogen, inwiefern Sprachbarrieren den Alltag erschweren können und wie weit Englischkenntnisse verbreitet sind.
Unter der Annahme, dass regelmäßige Besuche bei Familie und Freunden eingeplant sind, wurde auch die Erreichbarkeit der USA berücksichtigt.
Ebenso bewertet wurde die Aufenthalts- und Einwanderungspolitik; sprich wie einfach oder kompliziert es für ausländische Ruheständler ist, Visa, Aufenthaltsgenehmigungen oder einen dauerhaften Wohnsitz zu erhalten.
Deutschland nicht dabei
Wie eingangs erwähnt haben es 24 Nationen auf die aktuelle Forbes-Liste geschafft, doch die Bundesrepublik gehört nicht dazu. Gemessen an den Kriterien überrascht das nicht sonderlich: Politische Stabilität, Sicherheit, Infrastruktur und medizinische Versorgung schneiden im internationalen Vergleich passabel ab, allerdings tun sich in mehreren zentralen Kategorien deutliche Nachteile gegenüber vielen Konkurrenzstandorten auf.

Schade: Das derzeit von Bundeskanzler Friedrich Merz regierte Deutschland stellt sich für Rentner nicht sonderlich attraktiv dar – wobei es diesmal um US-amerikanische Ruheständler geht (Bild: Brauer Photos / O. Walterscheid)
Der wichtigste Faktor dürften die Kosten sein, schließlich gehört Deutschland weder bei Mieten noch bei Immobilienpreisen oder alltäglichen Ausgaben zu den günstigen Ruhestandszielen. Für US-Rentner, die gezielt ihre Lebenshaltungskosten senken möchten, bieten Länder wie Portugal, Griechenland, Albanien oder Thailand deutlich größere finanzielle Vorteile.
Darüber hinaus hat sich die steuerliche Komplexität weit über unsere Grenzen hinaus rumgesprochen: Deutschland gilt international als anspruchsvoller Standort für Auswanderer, insbesondere, wenn Einkünfte aus mehreren Ländern zusammenkommen. Auch die Bürokratie und Aufenthaltsverfahren sind im globalen Vergleich eher aufwändig als einladend.
Keine positiven Alleinstellungsmerkmale in der BRD
Bei der Integration spricht Deutschland ebenfalls nicht für jeden US-Rentner. Obwohl in vielen Städten Englisch gesprochen wird, bleiben gewisse Deutschkenntnisse im Alltag und bei Behördengängen hilfreich oder notwendig. Länder mit englischer Amtssprache oder einer starken Expat-Community sind hier im Vorteil.
Bittere Erkenntnis: Auf der Gegenseite fehlt Deutschland ein attraktives Alleinstellungsmerkmal, das mögliche Nachteile aufwiegt. Forbes sucht jedoch vor allem nach Orten, die Rentnern einen spürbaren Mehrwert gegenüber einem Verbleib in den USA bieten.
Deutschland liefert hohe Lebensqualität – aber vergleichsweise selten zu einem Preis oder unter Bedingungen, die einen Umzug für US-Rentner zu einer verlockenden Vorstellung machen. Anders sieht es das Magazin offenbar, wenn es um die Heimat unserer Mutterseite, die unserer Chefredakteurin oder ein weiteres direktes Nachbarland geht:
- Österreich – etwa Wien, Graz, Innsbruck oder Salzburg
Forbes preist die reiche Kultur und abwechslungsreiche Landschaft der Alpenrepublik an und bezeichnet das Gesundheitssystem als "exzellent und erschwinglich".
Die Rate schwerer Straftaten sei gering und die politische Stabilität hoch – die Preise für Lebensmittel oder Restaurantbesuche im Vergleich zu den USA allerdings auch. Dafür liegen sowohl die Wohn- als auch die Gesundheitskosten unter dem amerikanischen Durchschnitt.
Auch die Steuersätze werden als vergleichsweise hoch eingeordnet, allerdings sorgt ein bestehendes Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und den USA zumindest dafür, dass Einkünfte nicht doppelt besteuert werden.
Erwähnt wird auch die in begrenzter Menge erteilte Niederlassungsbewilligung, für die "ein Paar ein jährliches Ruhestandseinkommen von rund 57.500 US-Dollar nachweisen und über grundlegende Deutschkenntnisse verfügen" müsse.
- Griechenland – etwa Athen, Korfu, Kalamata oder Thessaloniki
Das "antike Kulturjuwel im sonnigen Mittelmeerraum" schätzt Forbes vor allem für sein reichhaltiges Umfeld mit mehr als 6000 unterschiedlichen Inseln, eine geringe Rate niedriger Strafraten und seine Lebenshaltungskosten: Insbesondere außerhalb Athens würden diese ein Drittel oder mehr unter dem US-amerikanischen Durchschnitt liegen.
Eine private Krankenversicherung sei erforderlich, die Gesundheitsversorgung insgesamt aber "gut und bezahlbar".
Das laut World Population Review "schönste Land der Welt" biete ein verlängerbares Visum für finanziell unabhängige Personen an, für das ein Paar ein passives Jahreseinkommen von mindestens rund 60.000 US-Dollar nachweisen können sollte.
Wie in Österreich verhindert ein Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA die doppelte Besteuerung von Einkommen. Kehrseite der natürlichen Vielfalt: Für Auswirkungen des Klimawandels wie Waldbrände und ähnliche Notsituationen ist Griechenland anfälliger als andere Nationen.
- Frankreich – etwa Paris, Lyon, Nizza oder Pau
Unser westliches Nachbarland verspricht Forbes zufolge "europäisches Lebensgefühl wie aus dem Bilderbuch mit hervorragender Küche" sowie "eine hochwertige Gesundheitsversorgung zu vergleichsweise niedrigen Kosten."
Vergleichbar mit Griechenland liegen die Lebenshaltungskosten außerhalb der Hauptstadt auch hier fast ein Drittel unter dem US-Niveau, auf der Gegenseite stehen hohe Steuern.
Allerdings besteht zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten ebenfalls ein Doppelbesteuerungsabkommen, das laut Forbes zudem "faktisch dafür sorgt, dass Sozialversicherungsleistungen, Renten und Kapitalerträge aus US-Quellen in Frankreich nicht besteuert werden." Viele Direktflugverbindungen schaffen auf logistischer Ebene ein hohes Maß an Konnektivität für amerikanische Rentner.
Ein jährliches Ruhestandseinkommen von mindestens 37.000 US-Dollar wird bei der Beantragung eines verlängerbaren Langzeitbesuchervisums (VLS-TS Long-Stay Visitor Visa) gefordert, für das Forbes nicht zuletzt aufgrund der Sprachbarriere die Unterstützung von Fachleuten empfiehlt. Gewarnt wird ferner vor Hitzewellen, Überschwemmungen oder Waldbränden.
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