EZB verkündet
Leitzins steigt zum zweiten Mal in diesem Jahr

| Redaktion 
| 10.09.2026

Nach einer längeren Phase vorsichtiger geldpolitischer Lockerung dreht sich der Wind im Euroraum wieder. Die Inflation zieht an, die Energiepreise stehen unter Druck und die Europäische Zentralbank sieht sich vor diesem Hintergrund zu einem Schritt veranlasst, der für Kreditnehmer, Sparer und Unternehmen gleichermaßen relevant ist: Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird der Leitzins erhöht.

Geld kostet etwas – zumindest, wenn man es sich leiht. Genau hier kommt der Leitzins ins Spiel: Er gibt vor, zu welchem Zinssatz sich Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld beschaffen können. Je höher der Leitzins, desto teurer ist das geliehene Geld für die Banken, was sich wiederum bis zu deren Kunden durchziehen kann.

Wie hoch der Leitzins ist, entscheidet die in Frankfurt am Main ansässige EZB, die zur Bewertung vor allem auf die Preisentwicklung und die wirtschaftliche Lage im Euroraum blickt. Steigt die Inflation stark, kann sie die Zinsen erhöhen, um die Nachfrage zu bremsen und den Preisanstieg einzudämmen. Ist die Wirtschaft dagegen schwach und die Inflation gering, kann sie die Zinsen senken, um Investitionen und Konsum anzukurbeln.

Unterm Strich betrifft der Leitzins damit fast jeden, der Geld leiht, spart oder investiert. Entsprechend flächendeckend wurde am Donnerstagmittag erwartet, welche geldpolitischen Beschlüsse präsentiert würden.

EZB reagiert auf neuen Inflationsdruck

Die Entscheidung: Alle drei Leitzinssätze werden um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Der für die Geldpolitik besonders wichtige Einlagenzins steigt damit zum kommenden Mittwoch auf 2,5 Prozent; der Satz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte auf 2,65 Prozent und jener für die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 2,9 Prozent.

Die letzte Erhöhung erfolgte erst im Juni, nachdem der Leitzins vorher fast drei Jahre unangetastet blieb.

Christine Lagarde am Donnerstag mit Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank (Bild: EZB / Maria Rita Quitadamo)
Christine Lagarde am Donnerstag mit Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank (Bild: EZB / Maria Rita Quitadamo)

Hinter dem Schritt steht vor allem der erneute Inflationsdruck. Im August stiegen die Verbraucherpreise im Euroraum um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – deutlich über dem mittelfristigen EZB-Ziel von zwei Prozent.

Besonders stark legten die Energiepreise zu. Der Konflikt im Nahen Osten und die damit verbundenen Verwerfungen an den Energiemärkten haben den Preisdruck zuletzt zusätzlich verschärft; der Ölpreis für die Nordseesorte Brent lag zeitweise wieder über 100 Dollar je Barrel.

Kein Zinspfad im Voraus

Auch für die kommenden Jahre rechnet die Notenbank mit einer hartnäckigeren Teuerung als noch im Juni. In ihren neuen Projektionen erwartet sie eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,0 Prozent für 2026, 2,5 Prozent für 2027 und 2,1 Prozent für 2028. Die Prognosen für die beiden kommenden Jahren wurden damit nach oben korrigiert.

Gleichzeitig fällt der Blick auf die Konjunktur weniger düster aus: Fürs laufende Jahr erwartet die EZB ein Wachstum von 0,9 Prozent, für nächstes 1,4 Prozent und für übernächstes 1,5 Prozent. Darin spiegele sich wider, "dass die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft des Euroraums stärker ist als erwartet."

Mit Blick in die Zukunft erinnert die EZB daran, dass sich ihr Fachrat ausdrücklich "nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad" festlegt. Die Bestimmung des geldpolitischen Kurses hänge von der Datenlage ab und erfolge "von Sitzung zu Sitzung". Versichert wird allerdings: "Mit dem heutigen Beschluss ist der EZB-Rat weiterhin gut positioniert, um die durch den Konflikt verursachte Unsicherheit zu bewältigen."

Die neuen EZB-Leitzinsen

  • Einlagenzins: 2,50 Prozent
  • Hauptrefinanzierungssatz: 2,65 Prozent
  • Spitzenrefinanzierungssatz: 2,90 Prozent
  • Erhöhung: Jeweils um 0,25 Prozentpunkte
  • Gültig ab: Mittwoch, 16. September 2026

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Die neuen EZB-Leitzinsen

  • Einlagenzins: 2,50 Prozent
  • Hauptrefinanzierungssatz: 2,65 Prozent
  • Spitzenrefinanzierungssatz: 2,90 Prozent
  • Erhöhung: Jeweils um 0,25 Prozentpunkte
  • Gültig ab: Mittwoch, 16. September 2026

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