Palm Jumeirah, Luxushotels, Privatstrände, klimatisierte Shoppingmalls: Dubai hat viel dafür getan, möglichst weit weg von den Konflikten des Nahen Ostens zu wirken – zumindest gefühlt. Dann schlug eine iranische Drohne in einem Hotel auf der künstlichen Palmeninsel ein.
Auch das Burj al Arab wurde getroffen und musste für Renovierungsarbeiten geschlossen werden. Im Atlantis-Resort auf Palm Jumeirah verloren nach Kriegsbeginn laut einem Bericht des Wall Street Journal mehr als 700 Beschäftigte ihren Job.
Der Krieg trifft die Stadt ausgerechnet dort, wo sie sich über Jahrzehnte einen entscheidenden Standortvorteil aufgebaut hat: beim Ruf als sicherer Hafen in einer politisch instabilen Region.
Vom Boom zum Einbruch in wenigen Wochen
Noch 2025 kamen rund 19,6 Millionen internationale Übernachtungsgäste nach Dubai. Am Flughafen Dubai International wurden 95,2 Millionen Passagiere abgefertigt.
Auch Anfang 2026 deutete wenig auf einen Einbruch hin. Im Januar lagen die durchschnittlichen Hotelzimmerpreise nach Zahlen des Immobilien- und Hoteldatenanbieters CoStar noch 12,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dann kam der Absturz.
Im April lagen die Zimmerpreise 60,5 Prozent unter dem Vorjahreswert, die Auslastung brach um 57,1 Prozent ein. Von März bis Mai waren weniger als die Hälfte der Hotelzimmer belegt. Rund 5.400 Zimmer wurden im April vorübergehend komplett vom Markt genommen.
Moody's sprach laut manager magazin zeitweise von einer faktischen Stilllegung großer Teile des Gastgewerbes. Deutschland sprach eine Reisewarnung aus, Veranstalter sagten Reisen ab oder ermöglichten kostenlose Umbuchungen.
Es geht um viel mehr als Hotels
Das Problem reicht allerdings weit über leere Hotelbetten hinaus. Dubai und die Vereinigten Arabischen Emirate versuchen seit Jahren, ihre Wirtschaft unabhängiger vom Öl zu machen. Tourismus, Luftverkehr, Handel, Dienstleistungen und Immobilien bilden die Säulen dieses Modells. Gerade die Reisebranche gehörte laut Moody's zuletzt zu den wachstumsstärksten Nicht-Öl-Sektoren der Region.
Dabei hängen die einzelnen Branchen eng zusammen. Touristen werden zu regelmäßigen Besuchern, manche zu Immobilienkäufern, Investoren oder neuen Einwohnern. Genau dieser Kreislauf ist ins Stocken geraten.
Das Wall Street Journal berichtet, dass der Immobilienmarkt zwischenzeitlich um 80 Prozent eingebrochen sei. Vor dem Krieg entfiel mehr als die Hälfte der Projekte auf sogenannte Off-Plan-Immobilien – Wohnungen und Häuser, die Investoren kaufen, bevor sie fertiggestellt sind. Diese Projekte seien zwischenzeitlich vollständig zum Erliegen gekommen.
Dubai hat Krisen bisher erstaunlich gut überstanden
Unterschätzen sollte man die Widerstandsfähigkeit der Wüstenmetropole dennoch nicht. Während des Arabischen Frühlings profitierte Dubai davon, dass Kapital und wohlhabende Zuwanderer einen vermeintlich sicheren Hafen suchten. Auch nach der Pandemie gehörte die Stadt zu jenen Destinationen, deren Tourismus besonders schnell zurückkehrte.
Hinzu kommt eine enorme finanzielle Feuerkraft. Die Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate verfügen laut dem Bericht über Vermögenswerte von mehr als 1,8 Billionen Dollar und können Unternehmen im Krisenfall unterstützen.
Erste Zeichen einer Erholung gibt es bereits. Reiseveranstalter berichten wieder von steigenden kurzfristigen Buchungen und weniger Stornierungen. Dabei dürften auch die deutlich gesunkenen Preise eine Rolle spielen.
Doch diesmal ist etwas anders
Frühere Krisen trafen Dubai wirtschaftlich. Diese Krise trifft auch das Image. Die Metropole hat ihren Aufstieg auf einem besonderen Versprechen aufgebaut: geografisch mitten im Nahen Osten zu liegen und sich gleichzeitig von dessen Konflikten abzukoppeln. Millionen Touristen, Expats und Investoren sollten Dubai als stabile, internationale Oase wahrnehmen.
Doch dieses Versprechen scheint nicht mehr zu gelten. Entsprechend vorsichtig fallen die Prognosen aus. CoStar erwartet eine schrittweise Erholung der Hotelauslastung ab dem vierten Quartal 2026 und im Jahr 2027. Das Vorkrisenniveau könnte jedoch erst 2028 wieder erreicht werden, bei den Zimmerpreisen sogar erst 2029.
Auch die Kreuzfahrtbranche hält Abstand: Aida hat seine Orientreisen für die Wintersaisons 2026/27 und 2027/28 abgesagt. Die Golfregion mit Dubai und Abu Dhabi fällt damit vorerst aus dem Programm.
Dubai kann neue Hotels bauen, Flugverbindungen eröffnen und Besucher mit günstigen Preisen zurück locken. Schwieriger dürfte es werden, jenes Versprechen wiederherzustellen, auf dem ein beträchtlicher Teil des Aufstiegs der Stadt beruht: dass die Krisen des Nahen Ostens überall stattfinden – nur nicht hier.
Kommentar veröffentlichen