Energieversorgung
Gasspeicher nur zu 56 Prozent gefüllt: Reicht Deutschlands Gas für den Winter?

| Redaktion 
| 17.09.2026

Deutschlands Gasspeicher sind so schwach gefüllt wie seit Beginn der Aufzeichnungen nicht. Für einen normalen Winter reicht das Gas. Bei extremer Kälte warnt der Speicherverband INES ab Januar 2027 vor Engpässen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will nun die Einlagerung fördern.

Deutschlands Gasspeicher sind Mitte September zu rund 56 Prozent gefüllt. Anfang September hatte die Initiative Energien Speichern (INES) 53 Prozent gemeldet – den niedrigsten Wert zu diesem Zeitpunkt seit 15 Jahren. Ein Jahr zuvor waren es 71 Prozent.

Eine akute Gasmangellage besteht nicht. Laut Bundesnetzagentur lagern rund 136 Terawattstunden Gas in den Speichern. Im gesamten vergangenen Winter wurden 134 Terawattstunden entnommen.

Deutschland bezieht zudem Pipelinegas aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Hinzu kommen die LNG-Terminals an Nord- und Ostsee. Sie speisten 2025 laut Bundesnetzagentur 106 Terawattstunden ein und deckten gut zehn Prozent der Gasimporte.

Kalter Winter könnte Reserven aufzehren

INES hält bis zum 1. November einen Füllstand von 77 Prozent für technisch erreichbar. Dafür müssten Händler deutlich mehr Gas einspeichern. Gebucht sind Kapazitäten für 83 Prozent. Ob sie genutzt werden, hängt von den Preisen ab.

Bei normalen Temperaturen reichen 77 Prozent laut INES. In einem Winter wie 2010 könnten ab Januar 2027 Unterdeckungen entstehen.

Das bedeutet nicht, dass Privathaushalten sofort das Gas abgestellt wird. Zunächst würden die Großhandelspreise steigen. Industrieunternehmen müssten sparen, Brennstoffe wechseln oder ihre Produktion drosseln. Besonders betroffen wären Chemie, Stahl, Glas, Keramik, Papier und Lebensmittelproduktion.

Industrie und Gewerbe verbrauchen rund 60 Prozent des Erdgases in Deutschland. Insgesamt lag der Verbrauch 2025 laut Bundesnetzagentur bei 864 Terawattstunden.

Warum Händler kaum Gas einlagern

Das Problem ist der Preis. Händler speichern Gas, wenn sie es im Sommer günstiger kaufen und im Winter teurer verkaufen können. Derzeit ist dieser Preisabstand zu klein. Einlagerung, Finanzierung und Risiko rechnen sich kaum.

Die Folge: Obwohl Speicherplatz gebucht ist, bleibt er teilweise ungenutzt.

Reiche will Einlagerung fördern

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will deshalb sogenannte Long Term Options ausweiten. Das berichtete Reuters unter Berufung auf Regierungskreise. Eine Entscheidung über das Volumen soll bis zum 21. September fallen.

Über diese Optionen sichert Trading Hub Europe Gas für spätere Engpässe. Händler erhalten Geld dafür, vereinbarte Mengen bereitzuhalten. Im Bedarfsfall müssen sie liefern. Das soll zusätzliche Einlagerungen auslösen.

Einen direkten staatlichen Gaseinkauf wie 2022 lehnt Reiche ab. Auch die bundeseigenen Energiekonzerne Uniper und Sefe sollen mehr Gas speichern. Beide entscheiden jedoch nach wirtschaftlichen Kriterien.

Europa fehlen Gasreserven

Europas Speicher waren Mitte September laut Reuters zu 67 Prozent gefüllt. Der EU-Zielwert liegt bei 80 Prozent.

Zugleich fehlt LNG aus dem Nahen Osten. Durch den Krieg mit Iran und Störungen an der Straße von Hormus sind laut Reuters rund 36 Millionen Tonnen Flüssigerdgas aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgefallen.

Europa konkurriert deshalb mit Asien um Lieferungen. Die asiatischen Spotmarktpreise lagen zuletzt bei rund 26 Dollar je Million British Thermal Units. Bei einem kalten Winter halten Marktbeobachter 40 Dollar für möglich.

Droht Deutschland eine Gasmangellage?

Bei normalen Temperaturen: nein. Bei extremer Kälte: möglicherweise. Das größere Risiko sind hohe Preise. Ein kalter Januar, Lieferausfälle oder ein verschärfter Wettbewerb um LNG könnten Gas verteuern und energieintensive Unternehmen belasten. Deutschland dürfte im Winter nicht plötzlich ohne Gas dastehen. Die Versorgung könnte aber teuer werden.

 

 

Deutschlands Gasspeicher in Zahlen

  • 56 Prozent: Füllstand Mitte September 2026
  • 71 Prozent: Füllstand ein Jahr zuvor
  • 136 Terawattstunden: gespeicherte Gasmenge
  • 134 Terawattstunden: Entnahme im vergangenen Winter
  • 77 Prozent: bis 1. November technisch erreichbar
  • Ab Januar 2027: Engpassrisiko bei extremer Kälte
  • 864 Terawattstunden: deutscher Jahresverbrauch 2025
  • 67 Prozent: Speicherstand in Europa

Quellen: Bundesnetzagentur, Initiative Energien Speichern, Reuters zu Reiches Speicherplan, Reuters zum LNG-Markt

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Deutschlands Gasspeicher in Zahlen

  • 56 Prozent: Füllstand Mitte September 2026
  • 71 Prozent: Füllstand ein Jahr zuvor
  • 136 Terawattstunden: gespeicherte Gasmenge
  • 134 Terawattstunden: Entnahme im vergangenen Winter
  • 77 Prozent: bis 1. November technisch erreichbar
  • Ab Januar 2027: Engpassrisiko bei extremer Kälte
  • 864 Terawattstunden: deutscher Jahresverbrauch 2025
  • 67 Prozent: Speicherstand in Europa

Quellen: Bundesnetzagentur, Initiative Energien Speichern, Reuters zu Reiches Speicherplan, Reuters zum LNG-Markt

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