Rekorde an Zapfsäule und Teststrecke
Sprit so teuer wie nie: VW zeigt E-Auto der Zukunft

Während die Spritpreise in Deutschland Rekordstände erreichen, zeigt Volkswagen mit dem Mission Efficiency, wie wenig Energie ein Elektroauto künftig benötigen könnte. Der Prototyp stellte nach Angaben des Konzerns drei Weltrekorde auf und kam bei einer dokumentierten Fahrt auf 6,89 kWh pro 100 Kilometer ohne Ladeverluste. Noch ist das Fahrzeug ein Prototyp – doch seine Technik ist teilweise bereits seriennah.

Während die Kosten für individuelle Mobilität steigen, wächst zugleich der Druck auf Hersteller, Fahrzeuge effizienter zu machen. Besonders bei Elektroautos entscheidet längst nicht nur die Größe der Batterie über Reichweite und Verbrauch. Aerodynamik, Gewicht und der Umgang mit Energie werden zu zentralen Entwicklungsfeldern.

Volkswagen setzt genau dort mit dem Mission Efficiency an. Der Prototyp soll zeigen, wie weit sich der Energiebedarf eines Elektroautos mit seriennaher Technik und gezielten Optimierungen senken lässt. Die dabei erzielten Rekordwerte machen das Fahrzeug vor allem als Technologieträger interessant – und als möglichen Hinweis darauf, wie künftige E-Autos konstruiert sein könnten.

1.278 Kilometer mit niedrigem Verbrauch

Bei einer dokumentierten Verbrauchsfahrt legte der Mission Efficiency 1.278,36 Kilometer zurück. Die Route führte vom Volkswagen-Entwicklungszentrum in Wolfsburg über Poznań in Polen und Olmütz in Tschechien bis nach Wien.

Dabei kam der Prototyp laut Volkswagen auf einen Verbrauch von 6,89 kWh pro 100 Kilometer ohne Ladeverluste. Werden diese einbezogen, waren es 7,51 kWh. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 67,72 km/h, maximal erreichte das Fahrzeug 138 km/h.

Die Batterie verfügt über eine Nettokapazität von 54,9 kWh und wurde auf der Strecke einmal geladen. In Wien angekommen, zeigte der Bordcomputer noch eine Restreichweite von 164 Kilometern an. Unter Idealbedingungen – bei konstant 68 km/h, ohne Steigungen und mit ausgeschalteten Nebenverbrauchern wie der Klimaanlage – sank der Verbrauch laut Hersteller auf 6,48 kWh pro 100 Kilometer.

Gerade vor dem Hintergrund der derzeit hohen Kraftstoffpreise rückt damit auch die Frage stärker in den Fokus, wie stark der Spritpreis-Schock das Interesse an Elektroautos verändern könnte.

Der Volkswagen Mission Efficiency auf dem Testgelände in Ehra-Lessien nach dem zweiten Weltrekord, der sogenannten Idealfahrt. © Volkswagen AG

Aerodynamik macht den Unterschied

Einen wesentlichen Anteil daran hat die Form des Fahrzeugs. Volkswagen gibt für den Mission Efficiency einen cW-Wert von 0,158 an und beansprucht damit einen neuen Bestwert für straßenzugelassene Automobile. Die Stirnfläche liegt bei 2,08 Quadratmetern.

Um den Luftwiderstand zu reduzieren, setzt der Hersteller unter anderem auf eine tropfenförmige Karosserie, aktive Kühlluftklappen, abgedeckte Hinterräder und einen vollständig verkleideten Unterboden. Hinzu kommen rahmenlose Scheiben und in die Karosserie integrierte Türgriffe.

Auch Räder und Reifen spielen eine Rolle. Laut Volkswagen entstehen dort zwischen 25 und 30 Prozent des aerodynamischen Widerstands eines Autos. Spezielle Felgendeflektoren und aerodynamische Radabdeckungen sollen Luftverwirbelungen reduzieren. Continental entwickelte für den Prototyp zudem einen Konzeptreifen auf Basis des EcoContact 7 mit besonders niedrigem Rollwiderstand.

Was von den drei Weltrekorden in die Serie kommen könnte

Interessant wird der Mission Efficiency vor allem dort, wo sich Prototyp und bestehende Technik überschneiden. Der 99 kW beziehungsweise 135 PS starke Elektromotor und die Hochvoltbatterie stammen aus dem ID. Polo. Technische Basis ist die MEB+-Architektur mit Frontantrieb, die auch beim ID. Polo und ID. Cross zum Einsatz kommt. Mit dem ID. EVERY1 arbeitet Volkswagen zugleich an einem weiteren Elektroauto für den Massenmarkt.

Daneben erprobt Volkswagen neue Lösungen. An der Hinterachse arbeitet erstmals eine gemeinsam mit AUMOVIO entwickelte elektromechanische Bremse. Sie soll Reibungsverluste reduzieren und eine effizientere Rekuperation ermöglichen. Eine Photovoltaikanlage mit 370 Watt Leistung im Glasdach und in der Heckklappe versorgt außerdem Verbraucher im Bordnetz. Abhängig von Jahreszeit, Region und Wetter sollen dadurch laut Volkswagen bis zu 30 Kilometer zusätzliche Reichweite pro Tag möglich sein.

Auch beim Innenraum wurde auf Gewichtsreduktion geachtet. Eine mobile Bluetooth-Box ersetzt ein klassisches Lautsprechersystem, Smartphone oder Tablet können als Infotainment-Display dienen. Trotz der konsequenten Ausrichtung auf Effizienz bietet der 4,775 Meter lange 2+2-Sitzer laut Hersteller 481 Liter Kofferraumvolumen.

Der Innenraum des Volkswagen Mission Efficiency folgt ebenfalls dem Effizienzgedanken und setzt auf eine reduzierte Ausstattung. © Volkswagen AG

Noch ist der Mission Efficiency ein Prototyp. Welche der erprobten Lösungen Volkswagen tatsächlich in künftige Serienmodelle übernehmen wird, bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Das Projekt zeigt, dass sich die Effizienz von Elektroautos nicht nur über größere Batterien steigern lässt. Entscheidend sind ebenso Aerodynamik, Gewicht, Rollwiderstand und ein möglichst sparsamer Umgang mit Energie.

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