Gedenken nach tödlichem Angriff
Deutsche Bahn zieht Sicherheitsbilanz

| Redaktion 
| 15.09.2026

Mehr als ein halbes Jahr nach dem Sicherheitsgipfel im Februar will die Deutsche Bahn sichtbar machen, was aus den angekündigten Konsequenzen – Bodycams, Trainings, Schutzausrüstung, mehr Personal und neue Formen der Videoüberwachung – geworden ist. Am Freitag verbindet der Konzern die Zwischenbilanz mit dem Gedenken an Serkan Çalar, der im Februar während einer Fahrkartenkontrolle tödlich verletzt wurde.

Morgens geht es hier um den ersten Kaffee und den Weg zur Arbeit, mittags um den knapp verpassten Anschlusszug und abends um die letzte Verbindung nach Hause: Am Bahnhof treffen Menschen aufeinander, die sich sonst vermutlich nie begegnen würden – Pendler, Reisende, Fans, Feiernde und auch all jene, die ihn aus gänzlich anderen Gründen aufsuchen.

Die Deutsche Bahn muss diesen Mikrokosmos täglich am Laufen halten und dabei deutlich mehr im Blick behalten als Pünktlichkeit: Wo viele Menschen zusammenkommen, entstehen (zumindest im derzeitigen Gesellschaftsklima scheinbar zwangsläufig) Konflikte.

Bereits im Februar kündigte der Konzern umfassende Maßnahmen in Reaktion auf den gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters an, der Deutschland seinerzeit in Schock versetzte. Nun zieht die Bahn Zwischenbilanz und verbindet diese mit der Erinnerungen an den getöteten Kollegen.

Gedenken an Serkan Çalar am Freitag

So ist am Freitag, anlässlich des sogenannten "Tag des Respekts", eine Gedenkaktion für Serkan Çalar geplant – der DB-Mitarbeiter, der vor sieben Monaten während seiner Arbeit aus dem Leben gerissen wurde. Bahnchefin Evelyn Palla, Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, Familienmitglieder, Freunde und Kollegen werden dazu eine Gedenktafel am Mannheimer Hauptbahnhof einrichten.

Vor dem Landgericht Zweibrücken wurde eine von der Staatanwaltschaft erhobene Mordanklage nicht zugelassen. Der 26-Jährige Täter, der Çalar im Februar bei einer Fahrkartenkontrolle tödlich verletzt hat, wurde im Juli stattdessen wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Schutzhelme im Testeinsatz bei der Mobilen Unterstützungsgruppe (MUG) der DB Sicherheit (Bild: Deutsche Bahn AG / Dominic Dupont)
Schutzhelme im Testeinsatz bei der Mobilen Unterstützungsgruppe (MUG) der DB Sicherheit (Bild: Deutsche Bahn AG / Dominic Dupont)

"Die Nachricht vom Tod Serkans hat uns alle tief erschüttert. Sein Tod darf nicht vergessen werden. Er verpflichtet uns, unsere Mitarbeitenden und Fahrgäste bestmöglich zu schützen", kommentiert DB-Personalvorstand Martin Seiler.

"Viele Kolleginnen und Kollegen haben uns gesagt, wie sehr sie dieses Ereignis bewegt. Wir hören ihnen genau zu, nehmen ihre Sorgen ernst und arbeiten konsequent daran, die Sicherheit vor Ort weiter zu stärken – das zeigen die zahlreichen Maßnahmen, die wir auf den Weg gebracht haben", so Seiler weiter.

Zwischenbilanz bei den Sicherheitsmaßnahmen

Seit dem Sicherheitsgipfel im Februar hat die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht oder bereits umgesetzt. Im Mittelpunkt stehen dabei Beschäftigte mit Kundenkontakt und der Schutz vor gewaltsamen Übergriffen.

  • Bodycams: Mehr als 90 Prozent der Mitarbeitenden von DB Regio sind für den Einsatz geschult. Seit Sommer kommen die Kameras auch im Fernverkehr und an Personenbahnhöfen zum Einsatz. Ab Montag, 05. Oktober testet DB Regio Mitte zudem Audioaufzeichnungen.

  • Deeskalation und Selbstschutz: Für alle Beschäftigten mit Kundenkontakt sind entsprechende Trainings verpflichtend. Ergänzend gibt es bei DB Regio "Selbstbehauptung im Zug" und bei DB Fernverkehr "Selbstschutztraining".

  • Schutzausrüstung: DB Sicherheit testet bis Ende des Jahres Schutzhelme für ihre Mobilen Unterstützungsgruppen. Seit Juli erprobt DB Regio zudem stichhemmende Westen, die unter der Dienstkleidung getragen werden können.

  • Mehr Personal: Auf ausgewählten Strecken laufen bis Ende des Jahres Pilotprojekte mit doppelter Besetzung sowie Teams aus Kundenbetreuern und Sicherheitskräften. Auch größere Kontrollgruppen mit sechs bis acht Beschäftigten werden getestet.

  • Alkoholverbot: Bis Donnerstag, 15. Oktober soll an allen rund 5400 DB-Bahnhöfen bundesweit ein Alkoholkonsumverbot gelten. Nach DB-Angaben zeigen Modellprojekte, dass dadurch Gewalt, Konflikte und Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss zurückgehen.

  • Videoüberwachung: Über die neue "Video-Security-Cloud" soll die Bundespolizei künftig bundesweit standardisiert auf Live- und gespeicherte Videodaten ausgewählter DB-Regio-Züge zugreifen können.

  • GemeinsamSicher-App: Ab Freitag, 18. September können sich DB-Beschäftigte freiwillig gegenseitig unterstützen, wenn es in einem Zug zu einer kritischen Situation kommt.

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