Sechs deutsche Werke betroffen
Rolls-Royce-Zulieferer Paragon meldet Insolvenz an

Beim Rolls-Royce-Zulieferer Paragon spitzt sich die Lage zu: Drei deutsche Gesellschaften haben Insolvenz angemeldet. Auslöser ist nach Unternehmensangaben eine zugesagte Millionenfinanzierung, die nicht geflossen ist. Nun steht für 552 Beschäftigte an sechs deutschen Standorten viel auf dem Spiel – obwohl Paragon zugleich auf volle Auftragsbücher und ein profitables operatives Geschäft verweist.

Der Autozulieferer Paragon hat für drei deutsche Gesellschaften Insolvenz beantragt – betroffen sind 552 Beschäftigte an sechs Standorten.

Seit Ende November 2025 hatte die Geschäftsführung mit einem indischen Privatinvestor beziehungsweise dessen amerikanischer Holding Tejascore Techsystems Inc. verhandelt. Nach monatelangen Gesprächen und einer Due-Diligence-Prüfung wurde am 19. Juni 2026 ein verbindliches Termsheet unterzeichnet. Parallel sagte Tejascore laut Paragon ein Darlehen über zwölf Millionen Euro zu.

Paragon-Insolvenz betrifft sechs deutsche Standorte

Die Insolvenzanträge betreffen die paragon GmbH & Co. KGaA sowie die Tochtergesellschaften paragon electronic GmbH und paragon movasys GmbH. Betroffen sind die Standorte Delbrück, Suhl, Landsberg am Lech, Limbach, Nürnberg und St. Georgen.

Insgesamt geht es um 552 Arbeitsplätze, darunter nach Unternehmensangaben 21 Auszubildende und Praktikant. Die Paragon-Gesellschaften in Kroatien und China sind nicht Teil des Insolvenzverfahrens.

Die Geschäftsführung verweist zugleich darauf, dass Paragon profitabel sei und über einen erheblichen Auftragsbestand großer Automobilhersteller verfüge. Nach Unternehmensangaben ist Paragon bei Kunden, mit denen rund 94 Prozent des Umsatzes erzielt werden, Alleinlieferant.

Die Insolvenz fällt in eine Phase, in der deutsche Autozulieferer zunehmend unter Druck stehen. Für Paragon kommt erschwerend hinzu, dass die Finanzierung zur Reduzierung der Lieferantenverbindlichkeiten nach Unternehmensangaben nicht wie vereinbart zustande kam.

Paragon entwickelte Mechanismus für Rolls-Royce-Kühlerfigur

Zu den Anwendungen des Zulieferers gehört auch Technik für Rolls-Royce. In einer eigenen Unternehmenspräsentation führt Paragon die berühmte Kühlerfigur "Spirit of Ecstasy“, auch "Emily“ genannt, als Beispiel aus dem Bereich Karosserie-Kinematik auf.

Die "Spirit of Ecstasy“ ist das weltbekannte Markenzeichen von Rolls-Royce. Paragon entwickelte den elektrischen Versenkmechanismus für die Kühlerfigur. © drei kubik/Unsplash

Paragon entwickelte nach eigenen Angaben einen elektrischen Versenkmechanismus für die Kühlerfigur. Dieser ermöglicht es, die "Spirit of Ecstasy“ elektrisch zu versenken. Die Mechanik verfügt laut Unternehmen zudem über einen integrierten Diebstahl- und Frontschutz.

Damit steckt Paragon-Technik hinter einem der bekanntesten Markenzeichen von Rolls-Royce. Das zeigt zugleich, wie spezialisiert der Zulieferer innerhalb der automobilen Lieferkette arbeitet.

Zwölf Millionen Euro blieben laut Paragon aus

Die zugesagte Finanzierung sollte Paragon helfen, Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten zu reduzieren. Laut Unternehmensmitteilung verpflichtete sich Tejascore, fünf Millionen Euro Ende Juni und weitere sieben Millionen Euro Ende Juli zu überweisen. Zusätzlich sollte ein weiteres Darlehen über sechs Millionen Euro auf ersten Abruf bereitstehen.

Die Zahlungen seien jedoch trotz mehrfacher Aufforderung ausgeblieben. Paragon erklärt, dass das Unternehmen ohne diese Mittel die Zusagen aus Vereinbarungen mit Lieferanten nicht mehr einhalten konnte. Dies habe schließlich zur Stellung der Insolvenzanträge geführt.

Nach eigener Einschätzung wäre Paragon bei Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen durch Tejascore bis Ende 2028 durchfinanziert gewesen.

Der Fall reiht sich damit in eine Entwicklung ein, bei der Insolvenzen in der Autobranche zuletzt verstärkt in den Fokus gerückt sind. Im konkreten Fall führt Paragon den Insolvenzantrag allerdings ausdrücklich auf die ausgebliebene Finanzierung zurück.

Paragon erhebt Vorwürfe gegen Tejascore

Im Zusammenhang mit der ausgebliebenen Finanzierung erhebt Paragon Vorwürfe gegen den potenziellen Investor.

Nach Darstellung des Unternehmens hatte der CEO und Mehrheitsaktionär von Tejascore zugesichert, in den USA über Finanzmittel von mehr als 100 Millionen US-Dollar sowie über weitere Mittel in Indien zu verfügen. Diese Zusicherungen seien ein wesentlicher Faktor für den Abschluss der Vereinbarungen gewesen.

Paragon erklärt, diese Angaben hätten sich später als nicht zutreffend erwiesen. Das Unternehmen vertritt zudem die Auffassung, dass die benötigten Mittel stattdessen erst durch Aktienemissionen an der New Yorker Börse beschafft werden sollten und dies nicht gelungen sei.

Die Anwälte von Paragon gehen nach Unternehmensangaben von einer arglistigen Täuschung aus; zudem bestehe der Verdacht des Betrugs. Dabei handelt es sich ausdrücklich um die Darstellung und die Vorwürfe von Paragon beziehungsweise dessen Rechtsvertretern.

Frers: "Ich bin extrem enttäuscht“

Paragon-Gründer Klaus Dieter Frers erklärt in der Unternehmensmitteilung, bereits durch finanzielle Beiträge und Verzichte in Millionenhöhe versucht zu haben, die Situation in den Griff zu bekommen.

"Ich bin extrem enttäuscht von dem potenziellen Partner, der am Ende nur leere Versprechungen gemacht hat“, sagt Frers.

Er wolle sich dafür einsetzen, den Schaden für die Stakeholder zu minimieren. Paragon nennt dabei unter anderem Aktionäre, Anleihengläubiger, Kunden, Lieferanten, Finanzierer und Beschäftigte.

Paragon verweist auf schwarze Zahlen und Auftragsbestand

Trotz der Insolvenzanträge beschreibt Paragon das operative Geschäft als grundsätzlich tragfähig. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen seine Verschuldung in den vergangenen Jahren um mehr als 64 Prozent reduziert und trotz gesunkener Umsätze die Ergebnisse verbessert.

Für das Geschäftsjahr 2025 meldete Paragon vorläufig einen Umsatz von 110,9 Millionen Euro. Das EBITDA lag demnach bei 14,9 Millionen Euro, das EBIT bei 5,2 Millionen Euro. Als vorläufiges Konzernergebnis wurden positive 1,2 Millionen Euro ausgewiesen. Beim Automotive-Auftragseingang meldete das Unternehmen 215 Millionen Euro.

Vor diesem Hintergrund geht die Geschäftsführung davon aus, dass die Geschäftstätigkeit nach Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters fortgeführt werden kann. Welche Perspektive sich daraus für die drei betroffenen Gesellschaften und die sechs deutschen Standorte ergibt, ist derzeit noch offen.

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