Um in die aktuelle Liste der 400 reichsten US-Amerikaner aufgenommen zu werden, ist ein Vermögen von mindestens 4,4 Milliarden Dollar erforderlich. Gleich sieben Unternehmer unter 40 Jahren haben diese Schwelle erstmals überschritten. Sie alle kommen aus der KI-Branche.
Vier der sieben Neuzugänge gründeten 2021 gemeinsam Anthropic: Daniela Amodei und Tom Brown, beide 39, Jack Clark, 37, sowie Sam McCandlish, 36. Ihr Vermögen wird von Forbes jeweils auf 15,5 Milliarden Dollar geschätzt. Anthropic entwickelt das KI-Modell Claude und wurde von früheren OpenAI-Mitarbeitern gegründet.
Ebenfalls neu in der Gruppe sind OpenAI-Mitgründer Greg Brockman, 37, Surge-AI-Gründer Edwin Chen, 38, und Steven Hao. Der 30-jährige Mitgründer und Technologiechef von Cognition ist das jüngste Mitglied der diesjährigen Forbes 400. Cognition entwickelt mit Devin einen KI-Agenten, der Programmcode schreiben und reparieren kann.
Fast alle haben ihr Vermögen selbst aufgebaut
Von den zehn jüngsten Mitgliedern der Forbes 400 hat nur einer sein Vermögen geerbt: Walmart-Nachkomme Lukas Walton. Mit geschätzten 44,4 Milliarden Dollar ist der 39-Jährige zugleich der Reichste der Gruppe. Daneben finden sich Robinhood-Mitgründer Vlad Tenev und Anduril-Gründer Palmer Luckey im Ranking.
Zusammen besitzen die zehn unter 40-Jährigen laut Forbes ein geschätztes Vermögen von 169 Milliarden Dollar.
Ein auffälliger Unterschied zu Europa
Der US-Trend steht im Kontrast zu Europa, wo sehr junge Milliardenvermögen weiterhin häufig aus Unternehmensbeteiligungen innerhalb wohlhabender Familien stammen. Auf der weltweiten Forbes-Liste der jüngsten Milliardäre finden sich etwa mehrere deutsche Erben, darunter die 26-jährige Katharina von Baumbach. Ihr Vermögen geht auf den Pharmakonzern Boehringer Ingelheim zurück.
Das Ranking macht sichtbar, wie stark sich die Wertschöpfung rund um künstliche Intelligenz derzeit in den USA konzentriert. Während Europa noch über Rechenzentren, Regulierung und geeignete Geschäftsmodelle diskutiert, hat der amerikanische KI-Boom eine neue Klasse von Multimilliardären hervorgebracht.
Die sieben neuen KI-Milliardäre unter 40
Greg Brockman, OpenAI: 25,5 Milliarden Dollar
Greg Brockman ist Mitgründer und Präsident von OpenAI. Der 37-Jährige verantwortet die technische Infrastruktur hinter den KI-Modellen und leitet inzwischen auch das Produktgeschäft. Der Wert seiner Beteiligung wurde im Rechtsstreit zwischen OpenAI und Elon Musk bekannt. Zuvor arbeitete Brockman als Technologiechef des Zahlungsdienstleisters Stripe.
Edwin Chen, Surge AI: 18 Milliarden Dollar
Edwin Chen gründete Surge AI im Jahr 2020, nachdem er unter anderem für Google, Facebook und Twitter gearbeitet hatte. Das Unternehmen beschäftigt Menschen, die Trainingsdaten kennzeichnen sowie KI-generierte Antworten bewerten und korrigieren. Zu den Kunden gehören Google und Anthropic. Chen soll rund 75 Prozent des Unternehmens besitzen, das ohne Risikokapital einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar erreicht hat.
Daniela Amodei, Anthropic: 15,5 Milliarden Dollar
Daniela Amodei arbeitete zunächst beim Zahlungsdienstleister Stripe und später bei OpenAI, wo sie für Sicherheit und Unternehmenspolitik zuständig war. 2021 gründete sie gemeinsam mit ihrem Bruder Dario und fünf weiteren ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern Anthropic. Heute ist die 39-Jährige Präsidentin und Vorsitzende des Verwaltungsrats. Sie verantwortet unter anderem Forschung, Entwicklung, Produkte und das kommerzielle Geschäft.
Tom Brown, Anthropic: 15,5 Milliarden Dollar
Tom Brown gehörte zu den ersten 20 Mitarbeitern von OpenAI. Der Informatiker war Hauptautor jener wissenschaftlichen Arbeit, mit der 2020 das Sprachmodell GPT-3 vorgestellt wurde. Ein Jahr später verließ er OpenAI und gründete mit sechs Kollegen den Konkurrenten Anthropic. Dort ist Brown für die Recheninfrastruktur verantwortlich, auf der das KI-Modell Claude trainiert wird.
Jack Clark, Anthropic: 15,5 Milliarden Dollar
Bevor Jack Clark in die KI-Branche wechselte, berichtete er als Journalist für Bloomberg über künstliche Intelligenz. Anschließend leitete er bei OpenAI den Bereich Politik und Regulierung. Heute führt der 37-Jährige den internen Thinktank von Anthropic, der die gesellschaftlichen Folgen der Technologie untersucht. Clark gehört zudem zu den prominentesten Befürwortern staatlicher KI-Regeln in den USA.
Sam McCandlish, Anthropic: 15,5 Milliarden Dollar
Sam McCandlish promovierte in theoretischer Physik an der Stanford University. Bei OpenAI forschte er an Skalierungsgesetzen, die beschreiben, wie KI-Systeme durch zusätzliche Daten und Rechenleistung leistungsfähiger werden. Nach der Gründung von Anthropic übernahm er zunächst den Posten des Technologiechefs. Inzwischen verantwortet er als Chefarchitekt die Entwicklung und das Training der Modelle.
Steven Hao, Cognition: 5,8 Milliarden Dollar
Steven Hao ist mit 30 Jahren der jüngste Neuzugang in den Forbes 400. Der frühere Entwickler beim Datenunternehmen Scale AI gründete 2023 gemeinsam mit zwei Partnern das KI-Start-up Cognition. Dessen bekanntestes Produkt ist Devin, ein KI-Agent, der selbstständig Programmcode schreiben und Fehler beheben kann. Nach einer Finanzierungsrunde über zwei Milliarden Dollar wurde Cognition mit 48 Milliarden Dollar bewertet.
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