NIQ-Studie zu 42 Ländern
Kaufkraft-Ranking 2026: Wo die Menschen mehr Geld haben als in Deutschland

| Redaktion 
| 02.11.2026

Deutschland bleibt im europäischen Kaufkraft-Ranking auf Platz neun – knapp hinter Österreich und deutlich hinter der Schweiz. Norwegen macht gleich fünf Plätze gut. Die neue NIQ-Auswertung zeigt allerdings auch, warum steigende Einkommen nicht automatisch mehr Spielraum beim Einkaufen bedeuten.

261 Euro pro Jahr trennen Deutschland von Österreich. So klein ist der Abstand bei der durchschnittlichen Pro-Kopf-Kaufkraft, die das Marktforschungsunternehmen NielsenIQ für 2026 ausweist. Während Österreich mit 31.454 Euro Rang acht erreicht, bleibt Deutschland mit 31.193 Euro auf Platz neun. Zum europäischen Durchschnitt von 21.153 Euro besteht dagegen ein deutlicher Vorsprung: Der deutsche Wert liegt rund 47,5 Prozent darüber.

Das geht aus der am 29. Oktober veröffentlichten Studie NIQ Kaufkraft Europa 2026 hervor. Sie untersucht 42 Länder und beziffert deren gesamte Kaufkraft auf rund 14,5 Billionen Euro. Pro Einwohner ergibt sich gegenüber dem revidierten Vorjahreswert ein nominaler Zuwachs von 4,4 Prozent.

Die Schweiz liegt weit vor Deutschland

Innerhalb des DACH-Raums bleibt die Schweiz eine Klasse für sich: Mit 54.730 Euro je Einwohner liegt ihre nominale Kaufkraft rund 75 Prozent über dem deutschen Wert. Europaweit reicht das für Platz zwei. An der Spitze steht erneut Liechtenstein mit 78.520 Euro pro Kopf.

Die größte Verschiebung innerhalb der Top Ten verzeichnet Norwegen. Das Land steigt von Rang zehn auf fünf und erreicht 35.947 Euro je Einwohner. Island verdrängt Luxemburg vom dritten Platz. Das Vereinigte Königreich fällt dagegen von Rang sechs auf zehn zurück.

Kaufkraft in Europa: die Top Ten 2026

Die Beträge bezeichnen die durchschnittliche Kaufkraft pro Einwohner und Jahr.

  1. Liechtenstein: 78.520 Euro – Rang 1 im Vorjahr
  2. Schweiz: 54.730 Euro – Rang 2 im Vorjahr
  3. Island: 44.692 Euro – Rang 4 im Vorjahr
  4. Luxemburg: 43.840 Euro – Rang 3 im Vorjahr
  5. Norwegen: 35.947 Euro – Rang 10 im Vorjahr
  6. Dänemark: 34.344 Euro – Rang 5 im Vorjahr
  7. Irland: 31.930 Euro – Rang 7 im Vorjahr
  8. Österreich: 31.454 Euro – Rang 8 im Vorjahr
  9. Deutschland: 31.193 Euro – Rang 9 im Vorjahr
  10. Vereinigtes Königreich: 29.921 Euro – Rang 6 im Vorjahr

Berlin bleibt unter dem deutschen Durchschnitt

Wie begrenzt die Aussagekraft nationaler Mittelwerte für einzelne Standorte ist, zeigt der Blick auf die Hauptstädte. In Berlin beträgt die Pro-Kopf-Kaufkraft 30.178 Euro. Damit fehlen der Hauptstadt 1.015 Euro zum deutschen Durchschnitt.

Anders sieht es etwa in Rumänien aus: Die Hauptstadtregion Bukarest erreicht 22.941 Euro je Einwohner und damit mehr als das Doppelte des Landeswerts von 11.283 Euro. Auch Prag, Budapest, Bratislava, Sofia und Lissabon liegen laut NIQ jeweils mindestens 25 Prozent über ihrem nationalen Durchschnitt. Für Unternehmen, die Filialen oder Absatzgebiete planen, lohnt deshalb der Blick unterhalb der Länderebene.

25 Länder bleiben unter dem europäischen Mittelwert

Insgesamt übertreffen 17 der 42 untersuchten Länder den europäischen Durchschnitt, 25 bleiben darunter. Unter den Aufsteigern finden sich Ungarn, das mit 15.105 Euro von Platz 30 auf 27 vorrückt, und Tschechien: Mit 17.785 Euro gewinnt das Land zwei Plätze und erreicht Rang 21.

Am unteren Ende stehen die Ukraine, der Kosovo und Moldawien. Schlusslicht ist die Ukraine mit 3.456 Euro je Einwohner – rund 16 Prozent des europäischen Durchschnitts.

Mehr Kaufkraft heißt nicht automatisch mehr Konsum

Für die Einordnung ist entscheidend, was NIQ unter Kaufkraft versteht: das verfügbare Einkommen nach Steuern und Sozialabgaben, einschließlich staatlicher Transferleistungen. Davon müssen unter anderem Wohnen, Energie, Lebensmittel, Mobilität, Versicherungen und private Altersvorsorge bezahlt werden. Die 31.193 Euro für Deutschland sind somit kein frei verfügbares Shoppingbudget.

Zudem sind die Werte nicht inflationsbereinigt. Das nominale Plus von 4,4 Prozent in Europa bedeutet deshalb nicht, dass die Menschen entsprechend mehr Waren und Dienstleistungen kaufen können. Auch unterschiedliche Preisniveaus zwischen den Ländern werden durch die Rangliste nicht ausgeglichen.

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