Frasers erreicht Aktienmehrheit
Hugo Boss: Der Machtwechsel wird besiegelt

| Redaktion 
| 25.10.2026

Deutsche Tradition unter britischer Kontrolle: Hugo Boss steht nach mehr als einem Jahrhundert vor einem neuen Kapitel seiner bewegten Unternehmensgeschichte. Mit der am Freitag erreichten Aktienmehrheit besiegelt die Frasers Group die Neuordnung der Kräfteverhältnisse, die in den letzten Monaten für Unruhe beim Metzinger Modekonzern gesorgt hat.

Die britische Frasers Group ist ein internationaler Einzelhandelskonzern, zu dem unter anderem Sports Direct, Flannels und House of Fraser gehören. Ihr CEO ist Michael Murray, während Gründer Mike Ashley weiterhin maßgeblicher Anteilseigner ist. Vor sechs Jahren hat die Gruppe erste Anteile an Hugo Boss erworben, der inzwischen 102 Jahre alten Modeikone aus dem süddeutschen Metzingen.

Im Mai letzten Jahres wurde Michael Murray mit einem Sitz im Aufsichtsrat versehen, während sein Unternehmen anteilstechnisch die 20-Prozent-Schwelle durchbrach und damit erheblich an Einfluss gewann.

Dass die Briten statt einer langfristigen Beteiligung eine Übernahmeoffensive ins Auge fassen, wurde diesen Juni schließlich überdeutlich: Hugo Boss berichtete, dass Fraser ein Angebot an die Aktionäre zum Erwerb aller Unternehmensanteile unterbreitet hat, das nicht mit Hugo Boss selbst abgestimmt wurde – Umstände, die der Commerzbank bestens vertraut sind. Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen ihren Aktionären einstimmig, die Offerte abzulehnen.

Von der Beteilung zur Übernahme

Den Verantwortlichen befanden seinerzeit, dass das Angebot von 38 Euro pro Aktie weder die eigenständigen Zukunftsaussichten noch das Wertsteigerungspotenzial der beiden Marken angemessen abbildet. Frasers scheiterte mit dem Schritt fürs Erste, stieß jedoch erkennbar auf Gehör: Nach Ablauf der zusätzlichen Annahmefrist im August verfügte die Gruppe bereits über knapp 48 Prozent der Aktien und Stimmrechte.

Damit rückte die Mehrheit zumindest in greifbare Nähe, während der Druck auf die bisherige Unternehmensführung entsprechend zunahm. Mit personellen Veränderungen als Folge: Mitte letzten Monats kündige Stephan Sturm seinen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender und Mitglied des Kontrollgremiums an.

Sturm und Frasers hätten sich dabei auf einen geordneten Übergang verständigt. Zugleich kündigten die Briten an, mit Robert Palmer einen weiteren Vertreter in den Aufsichtsrat entsenden zu wollen. Besagtes Gremium brauchte derweil einen neuen Vorsitzenden – und als Reaktion "auf die jüngsten Veränderungen in der Aktionärsstruktur" wurde Frasers-CEO Michael Murray in diese Rolle gewählt.

34,5 Millionen Aktien in Frasers-Hand

Kaum einen Monat später ist es Frasers am Freitag gelungen, die 50-Prozent-Schwelle zu überschreiten und damit zum Mehrheitseigentümer von Hugo Boss zu werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters wenig später vermeldet hat.  

Durch den Erwerb von 198.666 Hugo-Boss-Aktien im Wert von rund 7,6 Millionen Euro halte Frasers nun 34,5 Millionen der Aktien und damit 50,08 Prozent am weltberühmten Modeunternehmen. Einem Sprecher von Hugo Boss nach habe das Unternehmen die jüngste Aufstockung der Beteiligung durch Frasers "zur Kenntnis genommen" und gleichzeitig betont, dass die neuen Verhältnisse "keine wesentlichen Auswirkungen" haben werde.

Damit dürfte er sich in erster Linie auf das operative Tagesgeschäft beziehen, das weiterhin von CEO Daniel Grieder angeführt wird, während Frasers als Mehrheitsaktionär und mit Murray an der Spitze des Aufsichtsrats seinen Einfluss geltend machen kann. Bilanziell wird Hugo Boss damit allerdings zur Tochtergesellschaft von Frasers, sodass Umsatz, Vermögenswerte und Verbindlichkeiten künftig in dessen Konzernabschluss konsolidiert werden.

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