IW-Studie zur Einkommensverteilung
Ab wann ist man reich? Diese Nettoeinkommen reichen für Deutschlands Top vier Prozent

| Redaktion 
| 20.10.2026

6.050 Euro netto für Alleinlebende, 9.070 Euro für Paare: Eine neue IW-Auswertung zeigt, wo in Deutschland Einkommensreichtum beginnt. Viele Gutverdiener sehen sich trotzdem in der Mittelschicht. Entscheidend ist allerdings mehr als der Betrag auf dem Gehaltszettel.

Gut verdienen und sich reich fühlen sind zwei verschiedene Dinge. Wer im Freundeskreis vor allem Akademiker, Führungskräfte und Doppelverdiener kennt, kann das eigene Einkommen für ziemlich gewöhnlich halten. Im Vergleich mit der gesamten Bevölkerung ergibt sich mitunter ein anderes Bild.

Nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gehörten Alleinlebende mit mehr als rund 6.050 Euro netto monatlich zu den einkommensreichsten vier Prozent der Bevölkerung. Die Ökonomen Judith Niehues und Maximilian Stockhausen sprechen von "relativ Einkommensreichen". Ihre Berechnungen beziehen sich auf das Einkommensjahr 2024.

Ab welchem Nettoeinkommen gilt man als reich?

Die Grenze hängt davon ab, wie viele Menschen von dem Haushaltseinkommen leben. Für die unterschiedlichen Haushalte ergeben sich nach der IW-Methodik folgende gerundete Schwellen:

  • Alleinlebende: rund 6.050 Euro netto im Monat
  • Paare ohne Kinder im Haushalt: rund 9.070 Euro netto im Monat
  • Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren: rund 7.860 Euro netto im Monat
  • Paare mit einem Kind unter 14 Jahren: rund 10.890 Euro netto im Monat
  • Paare mit zwei Kindern unter 14 Jahren: rund 12.700 Euro netto im Monat

Die Beträge gelten jeweils für den gesamten Haushalt. Bei einem Paar müssen also nicht beide Partner einzeln 9.070 Euro netto erreichen.

Als relativ einkommensreich gilt nach der IW-Abgrenzung, wer über mehr als das Zweieinhalbfache des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens verfügt. Dieser Median lag 2024 bei monatlich 2.419 Euro. Er teilt die Bevölkerung in zwei gleich große Gruppen: Die eine Hälfte liegt darüber, die andere darunter.

Warum das Gehalt allein nicht entscheidet

In die Berechnung fließen neben Löhnen und Einkünften aus selbstständiger Arbeit auch Renten, Zinsen, Mieteinnahmen und staatliche Leistungen wie Kindergeld ein. Maßgeblich ist das Einkommen nach Steuern und Sozialabgaben.

Damit Haushalte unterschiedlicher Größe vergleichbar werden, gewichten die Forscher deren Bedarf. Der erste Erwachsene zählt mit dem Faktor eins, jedes weitere Haushaltsmitglied ab 14 Jahren mit 0,5 und jedes jüngere Kind mit 0,3.

Dahinter steht ein einfacher Gedanke: Zwei Menschen benötigen gemeinsam nicht zwei Küchen, zwei Waschmaschinen und zwei Wohnzimmer. Ein Paar braucht nach dieser Berechnung deshalb das 1,5-Fache des Single-Einkommens, um einen vergleichbaren Lebensstandard zu erreichen.

Warum sich Gutverdiener trotzdem zur Mittelschicht zählen

Die eigene finanzielle Position wird häufig am unmittelbaren Umfeld gemessen. Wer ähnlich verdient wie Kollegen und Freunde, empfindet sich schnell als Durchschnitt. Diese Vergleichsgruppe bildet jedoch nicht zwangsläufig die Bevölkerung ab.

Besonders deutlich zeigt sich das bei Doppelverdienerpaaren ohne Kinder im Haushalt: Knapp zwölf Prozent erreichten die für sie geltende Reichtumsschwelle. Damit war Einkommensreichtum in dieser Gruppe fast dreimal so verbreitet wie im Bevölkerungsdurchschnitt.

Auch Hochschulabsolventen sind unter den Spitzenverdienern stark vertreten. Mehr als zwei Drittel der relativ Einkommensreichen hatten einen Hochschulabschluss. Bildung, Erwerbstätigkeit und Haushaltszusammensetzung prägen gemeinsam die Position in der Einkommensverteilung.

Hohes Einkommen ist nicht dasselbe wie großes Vermögen

Die Schwellen beantworten die Frage, wer über ein vergleichsweise hohes laufendes Einkommen verfügt. Sie zeigen nicht, wie viel jemand besitzt.

Eine abbezahlte Immobilie, ein großes Depot oder eine Erbschaft können finanziell absichern, ohne dass das monatliche Einkommen die Reichtumsgrenze überschreitet. Umgekehrt sagt ein hohes Einkommen wenig darüber aus, welche Rücklagen bereits vorhanden sind.

 

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