Der frühere Miele-Geschäftsführer Peter Christian Zinkann ist tot. Wie das Familienunternehmen am Montag, dem 19. Oktober 2026, mitteilte, starb der Unternehmer am selben Tag im Alter von 98 Jahren. Zinkann gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten in der Geschichte des Gütersloher Hausgeräteherstellers. Von 1957 bis Ende 2004 war er im Unternehmen tätig und bestimmte über Jahrzehnte dessen wirtschaftliche und technologische Entwicklung mit.
Gemeinsam mit seinem langjährigen Geschäftspartner Rudolf Miele, der 2004 verstarb, entwickelte Zinkann das Unternehmen international weiter. In seine Zeit als geschäftsführender Gesellschafter fielen zahlreiche Produktinnovationen, darunter die erste vollautomatische Frontlader-Waschmaschine von Miele, Europas erster elektronisch gesteuerter Trockner und die Entwicklung der Miele-Schontrommel. Sein Sohn Reinhard Zinkann vertritt die Gründerfamilie bereits seit 1999 in der Geschäftsleitung.
Peter Christian Zinkann prägte Miele über Jahrzehnte
Peter Christian Zinkann wurde am 17. September 1928 in Bremen geboren. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zog er mit seinen Eltern und seiner Schwester nach Gütersloh. Die ostwestfälische Stadt blieb bis zu seinem Tod sein Lebensmittelpunkt.
Nach dem Schulabschluss studierte er Maschinenbau an der Technischen Hochschule Darmstadt sowie an der Handelshochschule St. Gallen. 1954 schloss er sein Ingenieurstudium ab. Rund eineinhalb Jahre später folgte die Promotion in Wirtschaftswissenschaften.
Nach einem beruflichen Aufenthalt in den USA und einer Weltreise trat Zinkann 1957 in das Familienunternehmen ein. Sein Großvater Reinhard Zinkann hatte Miele 1899 gemeinsam mit Carl Miele senior gegründet.
In den folgenden Jahrzehnten führte Peter Christian Zinkann das Unternehmen zusammen mit Rudolf Miele. Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte er als geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensleitung an. Auch nach seinem Ausscheiden blieb er dem Hausgerätehersteller eng verbunden.
Seit 1958 war Zinkann mit Karin Zinkann verheiratet. Sein Sohn Reinhard Zinkann übernahm 1999 die Vertretung der Familie Zinkann in der Geschäftsleitung. Damit setzte sich die unternehmerische Verantwortung innerhalb der Gründerfamilie fort.
Mehr als 130 Patente und wichtige Innovationen
Ein wesentlicher Teil von Zinkanns unternehmerischem Wirken galt der technischen Weiterentwicklung von Haushaltsgeräten. Während seiner Tätigkeit brachte Miele mehrere Produkte auf den Markt, die das Sortiment des Herstellers nachhaltig beeinflussten.
Zu den wichtigsten Entwicklungen zählt die 1958 vorgestellte erste vollautomatische Frontlader-Waschmaschine von Miele. Acht Jahre später folgte 1966 Europas erster elektronisch gesteuerter Trockner.
Weitere Meilensteine waren die Einführung der Miele-Besteckschublade im Jahr 1986 und die Miele-Schontrommel 2001. Beide Entwicklungen stehen für den Anspruch des Unternehmens, bestehende Haushaltsgeräte durch technische Verbesserungen weiterzuentwickeln.
Zinkann beschäftigte sich auch persönlich intensiv mit technischen Fragestellungen. Während seiner aktiven Zeit und darüber hinaus meldete er mehr als 130 Patente an beziehungsweise erhielt entsprechende Schutzrechte. Weitere Patente kamen nach seinem Eintritt in den Ruhestand hinzu.
Seine Leistungen fanden auch wissenschaftliche Anerkennung. Die Universität Bonn zeichnete ihn für sein Lebenswerk und seine Verdienste um die Haushaltstechnik mit der Carl-Heinrich-Dencker-Ehrennadel aus.
2004 ernannte ihn die Universität Paderborn zum Ehrensenator. Damit würdigte die Hochschule insbesondere seinen Einsatz für eine praxisorientierte Ingenieursausbildung.
Unternehmerische Verantwortung und soziales Engagement
Neben technischen Innovationen legte Zinkann großen Wert auf eine langfristige Unternehmensführung. Zu seinen zentralen Prinzipien gehörten finanzielle Solidität, Bodenständigkeit und unternehmerisches Denken über Generationen hinweg.
Nach seinem Verständnis sollte wirtschaftliches Handeln nicht ausschließlich dem Unternehmenserfolg dienen. Ebenso wichtig waren ihm die Interessen der Beschäftigten, die Bedürfnisse der Kundschaft sowie gesellschaftliche Verantwortung und der Schutz natürlicher Lebensgrundlagen.
Diese Haltung spiegelte sich auch in seinem Engagement außerhalb des Unternehmens wider. Über viele Jahre unterstützte Zinkann soziale und kulturelle Einrichtungen in Gütersloh.
2003 ernannte ihn die Stadt zum Ehrenbürger. Zu seinen jüngeren Förderprojekten gehörte die grundlegende Restaurierung der Orgel in der Gütersloher Stadthalle. Das Instrument hatte bereits sein Vater Kurt Christian Zinkann rund 40 Jahre zuvor gestiftet.
Für seine Verdienste in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur erhielt Zinkann 2006 das Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Auch über Miele hinaus war er in der deutschen Wirtschaft aktiv. Er gehörte unter anderem Gremien von Viessmann, TÜV Rheinland, Krupp, ThyssenKrupp Steel und weiteren Industrieunternehmen an. Seine Mandate erstreckten sich teilweise über mehrere Jahrzehnte.
Miele-Geschäftsleitung würdigt früheren Seniorchef
Die Geschäftsleitung des Familienunternehmens reagierte mit einer Würdigung auf den Tod des langjährigen Geschäftsführers.
„Mit dem Tod von Dr. Peter Christian Zinkann verlieren Miele, die Industrie und das Land eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit, die Familie ihren großmütigen Patriarchen, die Stadt einen engagierten Ehrenbürger – und die Belegschaft von Miele ihren hochverehrten Seniorchef”, erklärte die Unternehmensleitung.
Zinkanns Tod markiert einen weiteren Generationenwechsel in der Geschichte der beiden Gründerfamilien. Die operative Verantwortung liegt bereits seit vielen Jahren bei der nachfolgenden Generation. Sein Sohn Reinhard Zinkann gehört seit 1999 der Geschäftsleitung an.
Das Unternehmen befindet sich auch 127 Jahre nach seiner Gründung im Besitz der Familien Miele und Zinkann. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Hausgerätehersteller mit rund 23.000 Beschäftigten einen Umsatz von 5,16 Milliarden Euro.
Zum internationalen Unternehmensnetzwerk gehören nach Angaben von März 2026 insgesamt 19 Produktionsstandorte sowie 49 Service- und Vertriebsgesellschaften. Der Hauptsitz befindet sich weiterhin in Gütersloh.
Für Bürger:innen, Beschäftigte und Wegbegleiter wurde vor dem Miele Museum in Gütersloh ein öffentlich zugänglicher Kondolenzraum eingerichtet. Dort besteht die Möglichkeit, Abschied zu nehmen und persönliche Anteilnahme auszudrücken.
Weitere Informationen zur Beisetzung will das Unternehmen zeitnah bekannt geben.
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