EZB gibt grünes Licht
Commerzbank vor Übernahme: UniCredit rückt an die Macht

| Redaktion 
| 15.10.2026

Die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit scheint bevorzustehen: Am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank dem italienischen Institut grünes Licht gegeben, seine Beteiligung an der größten deutschen Privatbank ohne Obergrenze auszubauen. Damit greift UniCredit-Chef Andrea Orcel entschlossener denn je nach der Kontrolle über das Frankfurter Geldhaus – noch dieses Jahr soll es soweit sein.

Was einst als strategische Option gehandelt wurde, ist längst ein offener Machtkampf um eine der wichtigsten Privatbanken Deutschlands: Seit September 2024 baut UniCredit ihre Beteiligung an der Commerzbank systematisch aus. Damals stieg das italienische Institut zunächst mit rund neun Prozent ein, erhöhte sein Engagement über Finanzinstrumente und kam Ende des Jahres bereits auf 28 Prozent.

Im März folgte das offizielle Übernahmeangebot, das im Juli abgeschlossen wurde und UniCredit den Zugriff auf insgesamt rund 48 Prozent der Anteile verschaffte. Der Widerstand der Commerzbank-Führung und der Bundesregierung hat den Vorstoß bislang nicht gestoppt – und nun rückt die tatsächliche Kontrolle in greifbare Nähe.

Wie Unicredt am Donnerstagabend mitteilte, haben die Italiener von der Europäischen Zentralbank (EZB) die Genehmigung erhalten, ihren Anteil ohne Obergrenze weiter zu erhöhen.

UniCredit strebt Kontrolle bis zum Jahresende an

"Die Entscheidung stellt einen wichtigen Meilenstein bei der Übernahme der Commerzbank durch UniCredit dar und unterstreicht die positive Bewertung der Transaktion durch die EZB sowie das Vertrauen in die soliden Fundamentaldaten und die starke Position von UniCredit innerhalb des europäischen Bankensektors", heißt es seitens des Unternehmens.

Bei Unicredt geht man davon aus, dass die verbleibenden aufsichtsrechtlichen Verfahren und Bedingungen für den Abschluss des Angebots gegen Jahresende erfüllt werden.

"Zu diesem Zeitpunkt wird UniCredit über rund 50 Prozent der Stimmrechte der Commerzbank verfügen und die Kontrolle über die Bank übernehmen können", stellt das Statement der zweitgrößten italienischen Bank unmissverständlich klar.

Wie viel Commerzbank bleibt unter italienischer Führung?

UniCredit-Chef Andrea Orcel, ein erfahrener Investmentbanker, will das Frankfurter Institut nach dem Vorbild seines eigenen Hauses umbauen, wobei ihm schlankere Führungsstrukturen, weniger zentrale Verwaltung und ein stärkerer Fokus auf ertragsbringende Geschäfte zugunsten der Profitabilität vorschweben.

Dafür fasst UniCredit ins Auge, die jährliche Kostenbasis der Commerzbank um rund 1,3 Milliarden Euro zu reduzieren – etwa ein Fünftel des bisherigen Volumens. Eine vollständige Fusion mit der deutschen UniCredit-Tochter HypoVereinsbank wird für das Ende das Jahrzehnts anvisiert.

Auf politischer Ebene ist der Vorstoß nicht frei von Brisanz: Die Bundesregierung hält rund 13 Prozent der Commerzbank-Anteile und möchte, dass das Institut eigenständig am Kapitalmarkt notiert bleibt, seinen Hauptsitz in Frankfurt behält und seine Rolle als Finanzierer des deutschen Mittelstands nicht einbüßt. Auch der Schutz der Arbeitsplätze gehört zu den zentralen Forderungen Berlins.

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