Börsen Kurzsturz
Infineon, Aixtron, Nasdaq: Sieben Fakten zum Ausverkauf der Tech-Aktien

| Redaktion 
| 15.10.2026

Zinssorgen setzen KI- und Halbleiteraktien unter Druck: Infineon und Aixtron verlieren deutlich, Südkoreas Kospi erlebt einen heftigen Einbruch. Der DAX zeigt sich widerstandsfähiger. Was Anleger am 15. Oktober über Kursverluste, US-Inflation und die überraschend starken TSMC-Zahlen wissen müssen.

Der Technologiesektor steht unter Verkaufsdruck. Nach Kursverlusten an der Wall Street hat die Verkaufswelle die asiatischen Börsen und deutsche Halbleiterwerte erfasst. Im Mittelpunkt stehen höhere Finanzierungskosten und Zweifel daran, ob die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz die Erwartungen der Anleger erfüllen können. Ein bereits feststehendes Ende des KI-Booms lässt sich daraus nicht ableiten. Sieben Punkte erklären die aktuelle Lage.

1. Infineon-Aktie: Deutliche Verluste nach schwachem Handelsstart

Die Infineon-Aktie gehört am Donnerstag zu den auffälligen Verlierern im deutschen Technologiesektor. Im frühen Handel meldete dpa-AFX einen Rückgang um rund neun Prozent. Eine anschließend abrufbare Kursanzeige von wallstreetONLINE wies für 10.06 Uhr 50,99 Euro und ein Minus von 6,78 Prozent gegenüber dem Vortag aus.

Damit hatte die Aktie einen Teil der anfänglichen Verluste aufgeholt. Für die Einordnung ist der Zeitbezug entscheidend: Die zeitweise beobachteten neun Prozent Minus beschreiben keinen unveränderlichen Tagesstand.

2. Aixtron-Aktie: Auch deutsche Chipausrüster geraten unter Druck

Die Aixtron-Aktie verzeichnet ebenfalls erhebliche Verluste. Eine Kursmeldung von wallstreetONLINE nennt für 10.23 Uhr 32,43 Euro, entsprechend einem Rückgang um 7,21 Prozent.

Der Druck reicht über einzelne Unternehmen hinaus: Auch Elmos, Siltronic, Suss Microtec und Jenoptik verloren im frühen Handel deutlich. Die Bewegung betrifft damit mehrere deutsche Unternehmen entlang der Halbleiter-Wertschöpfungskette.

3. DAX: Der deutsche Leitindex hält sich besser als die Techwerte

Starke Verluste bei Chipaktien bedeuten nicht automatisch einen ebenso starken DAX-Rückgang. In einem Bericht zum frühen Handel meldete dpa-AFX den deutschen Leitindex bei 25.301,37 Punkten und damit nahezu unverändert gegenüber dem Vortag. Ein minutengenauer Kurszeitpunkt wird dort nicht genannt.

Der vergleichsweise geringe Anteil an Technologieunternehmen begrenzt die unmittelbaren Auswirkungen des Tech-Ausverkaufs auf den DAX. Der MDAX lag in derselben Meldung mit rund 29.960 Punkten etwa 0,3 Prozent im Minus.

4. Kospi und Nikkei: In Asien fällt die Korrektur besonders heftig aus

An der südkoreanischen Börse schloss der Kospi mit minus 7,57 Prozent bei 5.554,22 Punkten. Das war der niedrigste Schlussstand seit April. Zwischenzeitlich hatte der Index 9,29 Prozent verloren. Eine automatische Handelsunterbrechung setzte den Börsenhandel für 20 Minuten aus.

Auch japanische Aktien gerieten stark unter Druck. Reuters berichtete für den Nikkei 225 von einem zwischenzeitlichen Verlust von 5,4 Prozent. Dieser Wert beschreibt den Handelsverlauf, keinen hier bestätigten Schlussstand.

5. Nasdaq und US-Inflation: Warum Zinssorgen Tech-Aktien treffen

Die Verkaufswelle folgte auf einen schwachen Mittwoch an der Wall Street: Der Nasdaq Composite verlor am 14. Oktober 1,9 Prozent, der S&P 500 gab um 1,1 Prozent nach. Das sind die Veränderungen des US-Vortages, keine heutigen Handelsstände.

Auslöser waren unter anderem die US-Verbraucherpreise: Die Inflationsrate lag im September bei 3,7 Prozent, gegenüber erwarteten 3,6 Prozent. Das verstärkte die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Federal Reserve. Eine solche Entscheidung ist damit jedoch nicht vorweggenommen.

Bei KI-Investitionen rückt besonders die Finanzierung von Rechenzentren in den Blick. Anleger überprüfen, welchen Preis sie für erwartetes Wachstum bezahlen wollen, wenn Kapital teuer bleibt.

6. TSMC-Zahlen: Rekordgewinn trotz Börsenturbulenzen

Die Geschäftszahlen von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, kurz TSMC, liefern ein Gegenargument zur pauschalen These eines zusammenbrechenden KI-Geschäfts. Nach Angaben der Financial Times steigerte der Chipfertiger seinen Quartalsgewinn um 69 Prozent auf 763,1 Milliarden Taiwan-Dollar. Das Unternehmen erzielte damit erneut einen Rekordgewinn, gestützt durch die Nachfrage nach KI-Infrastruktur.

Für Anleger sind deshalb zwei Fragen auseinanderzuhalten: Wächst das Geschäft eines Unternehmens? Und rechtfertigt dieses Wachstum den Aktienkurs? Gute Geschäftszahlen schließen Kursverluste nicht aus.

7. Börsenausblick: Diese US-Daten werden am Nachmittag wichtig

Neue Impulse könnten am 15. Oktober um 14.30 Uhr deutscher Zeit aus den USA kommen. Auf der Agenda stehen:

  • US-Erzeugerpreise für September: ein weiterer Hinweis auf den Preisdruck.
  • US-Einzelhandelsumsätze für September: ein Gradmesser für die Konsumnachfrage.
  • Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe: ein aktuelles Signal vom Arbeitsmarkt.

Nach der Inflationsüberraschung dürften Anleger besonders darauf achten, ob diese Daten die Erwartung einer strafferen US-Geldpolitik stützen. Die nächste Bewegung bei DAX, Nasdaq und Halbleiteraktien könnte damit stärker von Zinsaussichten als von einzelnen Unternehmensmeldungen geprägt sein.

 

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