"You can see everything" in Deutschland
Sony sichert sich Sensations-Doku zum Theranos-Skandal

| Redaktion 
| 21.10.2026

Elizabeth Holmes versprach, mit ihrem Startup die Medizin zu revolutionieren, avancierte zur Silicon-Valley-Ikone und landete letztlich hinter Gittern. "You can see everything" begleitet die verurteilte Betrügerin vor ihrem Haftantritt hautnah und erweist sich in den USA dieser Tage als erfolgreichste Dokumentation seit Jahrzehnten. Für den bislang fehlenden Kinostart in Deutschland springt Sony nun bereitwillig in die Bresche.

Viele Dokumentationen genießen insbesondere in den Feldern, die sie behandeln, große Anerkennung – doch nur selten gelingt ihnen der große Wurf an den Kinokassen. Umso beeindruckender sind die Zahlen, die "You can see everything" seit vergangener Woche in den Vereinigten Staaten einfährt:

Trotz ihrer Spieldauer von fast drei Stunden konnte die von A24 produzierte Doku ihr Budget von unter zehn Millionen US-Dollar bisher fast doppelt wieder einspielen; seit "Fahrenheit 9/11" von Michael Moore vor 22 Jahren lief kein Streifen dieser Art erfolgreicher im Lichtspielhaus.

Hinter "You can see everything" stehen der vor allem im Comedy-Bereich bekannt gewordene Nathan Fielder und Lance Oppenheim, dessen Spielfilm "Primetime" mit Robert Pattinson als Chris Hansen erst im September im Kino startete.

Das war der Theranos-Skandal

Mit ihrem Startup Theranos wollte Elizabeth Holmes nicht weniger als die Blutdiagnostik revolutionieren: Ein paar Tropfen Blut aus der Fingerkuppe sollten genügen, um etliche medizinische Tests schneller, günstiger und unkomplizierter durchzuführen – eine Aussicht, die Investoren hellhörig werden und den Unternehmenswert von Theranos zeitweise auf rund neun Milliarden US-Dollar klettern ließ.

Recherchen des Wall Street Journal brachten jedoch gravierende Lücken in der aufgetischten Geschichte ans Licht: Theranos griff für viele Analysen auf althergebrachte Laborgeräte zurück, während Holmes die Leistungsfähigkeit der eigenen Technik übertrieben darstellte.

Wegen Betrug an den Investoren wurde sie 2022 in mehreren Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu mehr als elf Jahren Haft verurteilt; aus der gefeierten Hoffnungsträgerin des Silicon Valley wurde eine Symbolfigur für den gelegentlichen Größenwahn der Startup-Szene.

Wie viel Wahrheit kann eine Kamera effektiv einfangen?

Für Nathan Fielder und Lance Oppenheim beginnt das Projekt mit einem ungewöhnlichen Angebot im Frühjahr 2023: Holmes und ihr Partner Billy Evans gewähren den Filmemachern Zugang zu ihrem Privatleben – gut einen Monat, bevor Holmes ihre Haftstrafe antreten muss.

Das Team begleitet das Paar daraufhin ausgiebig in seinem kalifornischen Zuhause, beobachtet den Familienalltag und konfrontiert die ehemalige Unternehmerin vielseitig mit ihrer eigenen Story.

Im weiteren Verlauf wird der dabei entstehende Film selbst zum Gegenstand seiner Untersuchung, sodass sich "You can see everything" nicht nur mit der Undurchsichtigkeit von Elizabeth Holmes, sondern auch mit der Frage befasst, wie viel Wahrheit eine Kamera am Ende des Tages eigentlich wirklich sichtbar machen kann.

Kritiker und Publikum in den USA loben das psychologische Duell zwischen Fielder und Holmes, das zwischen komödiantisch und unangenehm pendelt, genauso sehr wie die überraschenden Wendungen, die Zuschauer mehr als einmal an ihrer eigenen Wahrnehmung zweifeln lassen sollen.

Sony übernimmt Deutschland-Verleih

Ausgesprochen positive Reviews und historische Einspielergebnisse haben natürlich auch unter deutschsprachigen Kinogängern Interesse geweckt – doch während "You can see everything" seinen Siegeszug in Übersee antrat, war hierzulande zunächst nicht einmal ein zuständiger Verleih in Aussicht.

Bislang jedenfalls: Wie das Branchenmagazin Deadline berichtet, konnte sich Sony Pictures Worldwide Acquisitions die Rechte an "You can see everything" für eine Vielzahl internationaler Märkte sichern; darunter auch Deutschland, Österreich, Griechenland und Skandinavien. Trotz weiterhin fehlendem Starttermin für die Sensations-Doku wird ihr Weg auf hiesige Leinwände damit nun zumindest aktiv geebnet.

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