Nächste Weltausstellung
Expo 2027: Deutschland bereitet sich vor

| Redaktion 
| 13.10.2026

Deutschland packt seine Innovationskraft in eine Kiste, die in Belgrad zum begehbaren Erlebnis werden soll: Unter dem Titel "Germany! Out of the Box." entsteht für die Expo 2027 ein Pavillon, der Sport, Musik und technische Neuerungen spielerisch vermitteln möchte. Für den Auftritt der Bundesrepublik in Serbien zeichnen vor allem die Messe Düsseldorf und die Kölner Agentur facts and fiction verantwortlich.

Die Weltausstellung ist ein Schaufenster für Fortschritt: Seit der ersten World Expo 1851 in London nutzen Staaten, Unternehmen und Erfinder das internationale Großereignis, um technische Neuerungen, kulturelle Errungenschaften und Visionen für die Zukunft zu präsentieren.

Aus dem einstigen Wetteifern um industrielle Leistungsfähigkeit ist längst eine Plattform für Fragen geworden, die die gesamte Menschheit angehen; die Gastgeber wollen internationale Begegnungen ermöglichen und bleibende Impulse für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft setzen.

Auf deutschem Boden ereignete sich das globale Zusammentreffen zuletzt im Rahmen der Expo 2000 in Hannover, von der bis heute mehr als die Erinnerungen an einen adligen Urin-Skandal geblieben sind: Die Expo Plaza, die Exponale-Fußgängerbrücke oder das markante Holzdach am Hermessee gehören weiterhin zum Stadtbild, während ehemalige Länderpavillons heute als Büros, Veranstaltungsorte oder Unternehmenssitze genutzt werden.

Nach Osaka: Die nächste Expo spezialisiert sich

Die jüngste Weltausstellung wiederum endete vor genau einem Jahr im japanischen Osaka, das vorher sechs Monate lang die Nationen der Erde empfangen hat. So versammelte die Expo 2025 158 Länder unter dem Motto "Designing Future Society for Our Lives" und konnte zwischen April und Oktober insgesamt rund 29 Millionen Besucher anlocken – deutlich mehr als die 18 Millionen, die es vor 26 Jahren nach Hannover zog.

Nächster Austragungsort einer "großen" Weltausstellung ist das saudi-arabische Riad im Jahre 2030, doch schon im kommenden Frühling hostet das serbische Belgrad eine sogenannte spezialisierte Expo.

Diese konzentriert sich drei Monate lang auf ein vorab festgelegtes Thema, sodass die teilnehmenden Länder und Organisationen ihre Beiträge entsprechend konkreter darauf ausrichten.

Auch der Rahmen fällt etwas kleiner aus: Während eine klassische World Expo keine festgelegte Obergrenze für das Ausstellungsgelände aufweist, ist die spezialisierte Expo auf maximal 25 Hektar begrenzt.

Westbalkan als Treffpunkt der Wirtschaft

Kommendes Jahr gebührt das Rampenlicht insbesondere Sport, Musik und ihrer verbindenden Kraft in einer komplexen Welt: Unter dem Motto "Play for Humanity – Sport and Music for All" lädt Belgrad vom 15. Mai bis 15. August zur Expo 2027.

Diese "ist eine Chance für die gesamte Region", betont Igor Kovačević, der Chief Operations Officer (COO) und Direktor der Abteilung für internationale Teilnehmer der Expo 2027.

"Als erste spezialisierte Weltausstellung auf dem Westbalkan wird sie Unternehmen, Institutionen und Tourismusfachleute aus der ganzen Region zusammenbringen, um zusammenzuarbeiten, Know-how auszutauschen und neue Geschäftsmöglichkeiten zu entwickeln."

"Wir möchten, dass Unternehmen in der gesamten Region die Ausstellung als Plattform verstehen, um sich mit Partnern zu vernetzen und von den Chancen zu profitieren, die sie schafft, jetzt und in den kommenden Jahren", so Kovačević weiter.

Belgrad verbindet Expo und Stadtentwicklung

Im inhaltlichen Mittelpunkt steht diesmal die Frage, wie spielerische Kreativität, sportliche Aktivität und Musik unterschiedliche Menschen zusammenbringen und Gesellschaften widerstandsfähiger machen können.

Drei thematische Schwerpunkte strukturieren das Programm: "Power of Play" beleuchtet das Potenzial des Spielens für Heilung und Nachhaltigkeit, "Play for Progress" dessen Bedeutung für Innovation und Vorstellungskraft und "Play Together" die Rolle gemeinsamer Aktivitäten für Verständigung, Frieden und Inklusion.

Das Ausstellungsgelände macht sich die genehmigten 25 Hektar vollumfänglich zunutze und ist als Begegnungsort mit Länderpavillons, Themenbereichen und Flächen für Unternehmen und bewährte Praxisbeispiele konzipiert. Nach Angaben der Veranstalter haben bereits mehr als 130 internationale Teilnehmer zugesagt; erwartet werden während der 93-tägigen Laufzeit über vier Millionen Besucher.

Die Expo ist zugleich Teil eines größeren Stadtentwicklungsprojekts: In der Umgebung entstehen unter anderem ein neues Nationalstadion, ein Aquatics-Zentrum und das sogenannte Expo Village, wobei die Anlagen auch hier lange nach dem Ende der Ausstellung genutzt werden und so einen dauerhaften Nutzen für Belgrad schaffen sollen.

Messe Düsseldorf organisiert den deutschen Auftritt

Bei der großen Variante der Weltausstellung haben Länder die Möglichkeit, von Grund auf eigene Pavillons zu errichten. Im spezialisierten Belgrader Fall stellt der Veranstalter dagegen die Strukturen, die Teilnehmer anschließend individuell gestalten können – und auch Deutschland macht sich das Angebot zunutze.

Marius Berlemann, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf (Bild: Messe Düsseldorf / Andreas Wiese)
Marius Berlemann, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf (Bild: Messe Düsseldorf / Andreas Wiese)

Die organisatorische Gesamtverantwortung dafür liegt bei der Messe Düsseldorf GmbH, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) im Mai mit der operativ-technischen Umsetzung beauftragt hat. Wertvolle Expertise in puncto Expo bringt die Messegesellschaft aus früheren Weltausstellungen in Brüssel, Sevilla, Hannover und Shanghai mit.

"Wir freuen uns über das Vertrauen, das uns vom Bundesministerium mit diesem Auftrag entgegengebracht wird, und gehen die damit verbundene Aufgabe mit großer Sorgfalt an", versichert Marius Berlemann, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf.

"Die Expo 2027 in Belgrad ist für uns ein besonderes internationales Projekt, bei dem wir unsere Erfahrung in der Organisation und Umsetzung komplexer Veranstaltungsformate einbringen können."

Deutscher Pavillon zeigt "Germany! Out of the Box."

Für das inhaltliche Konzept und das Kulturprogramm des deutschen Pavillons ist die Kölner Agentur facts and fiction zuständig.

Auch in Osaka 2025 verantwortete sie bereits den deutschen Auftritt, der 2026 beim ADC-Wettbewerb mit einem Grand Prix in der Kategorie "Spatial Experience" ausgezeichnet wurde. In Belgrad übernimmt das Büro neben dem Ausstellungskonzept zudem die Gestaltung des Gebäudes.

Concept Art zum deutschen Pavillon (Bild: facts and fiction / SDE)
Concept Art zum deutschen Pavillon (Bild: facts and fiction / SDE)

Unter dem Titel "Germany! Out of the Box." möchte der deutsche Auftritt dabei das Spielen als Kulturtechnik und Ausgangspunkt für Innovation vermitteln. Die bekannte Aufforderung "Think out of the box" wird zum gestalterischen Prinzip, indem der Pavillon wie ein geschlossener Körper wirken soll, aus dem Elemente in den deutschen Nationalfarben herauswachsen.

Im Inneren erwartet die Besucher ein "Playground of Innovation", auf dem deutsche Neuerungen rund um Sport und Musik spielerisch erlebbar werden. Jede der gestalterischen Boxen widmet sich einer Innovation, einem Thema und einer Interaktion. Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen liefern die inhaltlichen Impulse; Persönlichkeiten aus Sport, Musik und Wissenschaft sollen die Themen vermitteln.

facts and fiction gestaltet Deutschland und Österreich

"Mit 'Germany! Out of the Box.' wollen wir ganz bewusst ein modernes, dynamisches Deutschland-Bild zeichnen. Wir zeigen ein Land, das neue Perspektiven wagt und Lust auf Zukunft macht: offen, nahbar und spielerisch", beschreibt Marco Hückel, geschäftsführender Gesellschafter bei facts and fiction.

Der Pavillon ist mit einer Bruttogrundfläche von 972 Quadratmetern geplant, auf der neben der Ausstellung unter anderem eine Lounge, ein Restaurant, ein Souvenirshop und Funktionsräume vorgesehen sind. Den architektonischen Entwurf verantwortet das Studio for Designed Environments (SDE).

Übrigens ist die Arbeit für facts and fiction damit längst noch nicht getan: Auch Österreich verlässt sich beim eigenen Pavillon für die Expo 2027 auf die erfahrenen Fachleute vom Rhein.

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