Phrasenalarm
Am Ende des Tages: Diese Sprachfloskeln haben eine Pause verdient

| Natalie Oberhollenzer 
| 01.10.2026

Im Meeting werden Menschen abgeholt, in der Politik Dinge besser erklärt und beim Kundenservice Erfahrungen bedauert. Manche Formulierungen erledigen inzwischen ganze Gespräche, ohne viel zu sagen. Eine kleine Abrechnung – bei der wir uns selbst ausdrücklich mitmeinen.

Niemand spricht druckreif. Zum Glück. Aber zwischen einem gelegentlichen Füllwort und einem Satz, der ausschließlich aus sprachlichem Verpackungsmaterial besteht, liegt ein Unterschied. Hier kommen unsere heißesten Kandidaten für den Titel "schlimmste Sprachfloskeln in und außerhalb des Wirtschaftslebens". Ganz oben auf der Liste steht:

1. "Tatsächlich"

Es gibt Menschen, die schaffen es tatsächlich nicht mehr, einen Satz ohne das Wort tatsächlich auszusprechen.

2. "Alles gut"

Sind Sie sich da wirklich sicher?

3. "Revolutionär"

Früher wurden Verhältnisse revolutioniert, heute reicht eine neue Nudel im Discounterregal. In Werbetexten und KI-Entwürfen steht die nächste Zeitenwende meist schon im zweiten Absatz.

4. "Wir müssen die Menschen abholen und besser erklären"

Vielleicht haben die Menschen alles verstanden und sind trotzdem dagegen. Sogar Markus Lanz verlor unlängst in seiner Sendung zu Recht die Geduld, als Ralf Stegner forderte, Politik besser zu erklären: "Dieser Satz widert mich langsam an."

5. "Basically"

"Das ist basically genau das, was ich gemeint habe." Der Satz hat kurz einen Auslandsaufenthalt absolviert und ist unverändert zurückgekommen.

6. "Awareness"

"Wir müssen Awareness schaffen." Jetzt wissen alle, dass etwas ist. Was jemand dagegen unternimmt, klären wir im nächsten Workshop.

7. "Resilienz"

Eine nützliche Eigenschaft. Etwas verdächtig wird es, wenn auf chronische Unterbesetzung ein Resilienzseminar folgt. 

8. "Das nehme ich mit"

Wohin eigentlich? Und kommt es irgendwann wieder? 

9. "Das macht Sinn"

Tatsächlich ist der aus dem Englischen entlehnte Ausspruch grammatikalisch falsch - bei uns "ergibt" etwas Sinn.

10. "Am Ende des Tages"

Ein erstaunlich langer Tag: Er beginnt im Morgenmeeting und endet erst im letzten Talkshowbeitrag. Und basically ist der Spruch wieder aus dem Englischen hergeholt.

11. "Das triggert mich"

Mitunter ist schlicht gemeint: Das nervt. Besonders leistungsfähig in Kombination: "Mich triggert, dass das am Ende des Tages alles keinen Sinn macht." 

12. "Wir müssen ins Tun kommen."

Machen wäre kürzer.

13. "Fellnase"

Warum nicht einfach Hund?

14. "Ich sag’s nur"

Warum sagen Sie es "nur"?

15. "Ich will ja nichts sagen, aber …"

Sagen Sie es besser nicht.

16. "Das wird man doch noch sagen dürfen"

Nein, besser man lässt es.

17. "Grundsätzlich muss man sagen"

Nein, muss man nicht.

18. "Ich sage es in aller Klarheit"

Das sollten Sie sowieso.

19. "Da muss ich jetzt leider hineingrätschen"

Nein, das müssen Sie nicht. 

20. "Ich habe ein Attentat auf dich vor"

Nein, lassen Sie es besser.

21. "Das Momentum"

Aktuell bei Sportreportern besonders beliebt. Eben hatte die Mannschaft noch Rückenwind, jetzt verfügt sie über das Momentum. Klingt, als sei neben dem Trainer auch eine Unternehmensberatung eingewechselt worden.

22. "Händeringend gesucht"

Personal wird nicht mehr einfach gesucht. Es muss händeringend sein. 

23. "Haarscharf vorbeigeschrammt"

Die Katastrophe wird sprachlich mit einer Präzision verfehlt, die der übrige Bericht oft vermissen lässt.

24. "Erbittert gekämpft"

Um Marktanteile, Parkplätze oder den Vorsitz im Kleingartenverein: Gekämpft wird nur noch erbittert.

25. "Geld in die Hand nehmen"

Unternehmen nehmen Geld in die Hand, als würden sie gleich mit einem Bündel Scheine zum Maschinenbauer spazieren. "Investieren" wäre präziser. Ansonsten wäre auch Kartenzahlung oder Überweisung möglich.

26. "Zum Bleistift"

Sehr abgenutzt, aber inzwischen so schön retro, dass man beinahe einen Schreibtisch mit Rollkartei vor sich sieht. Darf bleiben – unter nostalgischem Bestandsschutz.

27. "Es tut mir leid, dass Sie diese Erfahrung machen mussten"

Die Bestellung fehlt, die Rechnung ist falsch, die Hotline nicht erreichbar. Bedauert wird im Zweifelsfall immer die Erfahrung. Auch die, diesen Text gerade gelesen zu haben.

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