Robert Pattinson als Chris Hansen
Primetime: Die wahre Geschichte hinter dem Thriller und seiner Eskalation

| Redaktion 
| 07.08.2026

"Basierend auf einer wahren Geschichte" gehört zu den wirkungsvollsten Werbeslogans des Kinos – schließlich ist es oft umso immersiver, wenn eine Handlung nicht allein der Fantasie entspringt. Mit "Primetime" greift A24 einen Fall auf, der vor allem in den USA für Schlagzeilen sorgte: TV-Reporter Chris Hansen und seine Jagd auf mutmaßliche Sexualstraftäter, die Millionen Zuschauer fesselte und in einem beispiellosen Fiasko mündete.

Robert Pattinson ist ein gefragter Mann: Allein in diesem Jahr war er bereits in "Das Drama" und "Die Odyssey" auf der großen Leinwand zu sehen, ehe sich im Winter mit dem dritten "Dune"-Teil ein weiterer Blockbuster anschließen dürfte.

Dazwischen übernimmt er die Hauptrolle in "Primetime", wobei er eine real existierende Person verkörpert – namentlich Chris Hansen, der ab 2004 als Gesicht von "To Catch a Predator" auf Dateline NBC bekannt wurde.

In dem Reality-Format haben Hansen und sein Team mutmaßliche Pädophile mit Lockvögeln in Fallen gelockt und anschließend vor laufender Kamera bloßgestellt. Weit über den moralischen Antrieb hinaus nahm Hansen die Show mit wachsendem Erfolg als Karrierevehikel wahr und suchte fieberhaft nach einem "Wal", also einem besonders aufsehenerregenden Fall. Diesen sollte er 2006 finden…

"Primetime" ist unter der Regie von Lance Oppenheim entstanden und zeigt Robert Pattinson als Mann, "dessen Streben nach Gerechtigkeit zunehmend von Ehrgeiz und wahnhafter Obsession überschattet wird", wie es beim für den Vertrieb zuständigen Studio Leonine heißt. In der A24-Produktion sind außerdem Anna Faris, Skyler Gisondo und Bokeem Woodbine in tragenden Rollen zu sehen.

Seine Weltpremiere feiert "Primetime" im Wettbewerb der 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig, die ab Mittwoch, 02. September in Italien über die Bühne gehen. Bis zum bundesweiten Kinostart ist anschließend nicht viel Geduld erforderlich: Hierzulande läuft der auf wahren Begebenheiten beruhende Thriller am Donnerstag, 24. September im Kino an.

Spoiler-Warnung: So endet "Primetime" wahrscheinlich

Vorweg: Wer mit den Geschehnissen um "To Catch a Predator" nicht vertraut ist und im September zunächst einen möglichst spannungsreichen Kinobesuch genießen will, sollte an dieser Stelle lieber nicht weiterlesen.

Am 5. November 2006 eskalierte Chris Hansens Jagd auf einen "Wal": Bill Conradt Jr., ein erfahrener Staatsanwalt aus Texas, hatte online explizite Nachrichten und Fotos mit einem Lockvogel ausgetauscht, der sich als 13-jähriger Junge ausgab.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Verdächtigen erschien er jedoch nie wie verabredet im Köderhaus. Mit Haft- und Durchsuchungsbefehl, SWAT-Einheit und den Kameras von Dateline NBC rückten Polizei und Filmcrew anschließend vor Conradts Haus vor. Als sie sich Zutritt verschafften, nahm sich der Verdächtige mit einem Kopfschuss das Leben.

Filmposter von "Primetime" (Bild: A24 / Leonine Studios)
Filmposter von "Primetime" (Bild: A24 / Leonine Studios)

Der Vorfall löste eine Grundsatzdebatte über die Grenzen zwischen Journalismus, Polizeiarbeit und Unterhaltung aus. Conradts Schwester Patricia verklagte NBC auf 105 Millionen Dollar, da sie dem Sender vorwarf, die Polizei zu einem unnötig spektakulären Zugriff gedrängt und damit eine Situation geschaffen zu haben, in der der Suizid ihres Bruders vorhersehbar gewesen sei.

Chris Hansen sieht keine Schuld beim Format

Im Februar 2008 ließ ein Bundesrichter zentrale Teile der Klage zu, kritisierte das Vorgehen und stellte fest, dass NBC möglicherweise auf Maßnahmen gedrängt hat, die allein für dramatischeres Fernsehmaterial erforderlich gewesen sein könnten. Nur wenige Monate später einigten sich der Sender und Patricia Conradt allerdings außergerichtlich, wobei über die Details Stillschweigen vereinbart wurde.

"To Catch a Predator" war zu diesem Zeitpunkt längst von Bildschirmen verschwunden. Chris Hansen, der seitdem mehrere ähnliche Formate moderiert hat, sieht sich für Bill Conradt Jrs. Tod derweil nicht in der Verantwortung: Er verweist in Interviews zur Sache darauf, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass der Verdächtige überhaupt von der Anwesenheit seines Teams wusste.

Zudem sei bei der späteren Durchsuchung seiner Computer kinderpornographisches Material gefunden worden, das zu weiteren Verurteilungen führte. Die Polizei habe die Haft- und Durchsuchungsbefehle darüber hinaus vollkommen eigenständig beantragt.

Im Trailer zu "Primetime" ist zu sehen, wie sich eine SWAT-Einheit auf ihren Einsatz vorbereitet. Ob der Film dabei eins zu eins auf die verhängnisvollen Ereignisse eingeht oder sich – womöglich auch aus juristischen Gründen – künstlerische Freiheiten erlaubt, wird sich im September zeigen.

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