Befragung von Tieto Germany
Schatten-KI in Deutschland: Wenn Beschäftigte ihre eigenen Regeln machen

| Redaktion 
| 26.10.2026

In vielen Unternehmen gibt es für Software feste Beschaffungsprozesse oder klar definierte Zugriffsrechte auf bestimmte Daten. Allerdings fühlt sich die Entwicklung der digitalen Arbeitswelt nicht an Organigramme und altbewährte Dienstwege gebunden: Wenn neue Technologien schneller Einzug halten als konkrete Regeln, entsteht eine Grauzone, in der manche Beschäftigte kurzerhand selbst Fakten schaffen.

Eine E-Mail formulieren, Infos für ein Meeting recherchieren, Zahlen sortieren oder aus einem Berg von Informationen die entscheidenden Punkte herausfiltern: Man muss keineswegs tief in der Tech-Branche verankert sein, um sich am Arbeitsplatz tagtäglich auf die Hilfe von KI-Anwendungen zu verlassen.

Was früher Zeit und Konzentration kostete, lässt sich heute mitunter in wenigen Sekunden erledigen. Zumindest, wenn man weiß, welches digitale Werkzeug man dafür bemüht und die Nutzung vom Arbeitsgeber gestattet wird – oder sich notfalls über limitierende Vorgaben von oben hinwegsetzt.

Eine von Tieto Germany und TQS Research & Consulting hat untersucht, wie es diesbezüglich um den Status Quo bestellt ist. Von insgesamt 1000 Befragten in Deutschland geben 40 Prozent dabei an, Künstliche Intelligenz grundsätzlich im Job zu nutzen, wobei sich zwei ausbalancierte Lager ergeben:

Während eine Hälfte (20 Prozent) ausschließlich auf vom Arbeitgeber autorisierte KI-Tools zurückgreift, kommen entsprechende Mittel bei der anderen Hälfte (20 Prozent) auch dann zum Einsatz, wenn die Chefetage nicht zugestimmt hat oder gar nicht erst davon weiß.

Schatten-KI: Produktivitätsgewinn mit Risiken

Bei Tieto ist beim Fünftel ohne konkrete Genehmigung von "Schatten-KI" die Rede. Diese "ist ein Damoklesschwert für Unternehmen", warnt Robert Kaup, Head of Tieto Tech Consulting Central Europe.

"Sie treibt die Produktivität, riskiert aber Datenschutzverletzungen, sobald Mitarbeitende vertrauliche Firmendaten in öffentliche KI-Plattformen eingeben. Wer jetzt keine klaren Regeln schafft, verliert die Kontrolle."

Robert Kaup (Bild: Thomas Unterberger)
Robert Kaup (Bild: Thomas Unterberger)

Statt rebellischer Neigungen unter Angestellten identifiziert Tieto vor allem den Mangel an klaren Richtlinien in deutschen Unternehmen als Grund für Schatten-KI. Auf der anderen Seite verzichten 24 Prozent der Befragten deshalb komplett auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, womit sie den größten Teil unter den Nicht-Usern ausmachen – weitere 16 Prozent vertrauen der Technik nicht ausreichend, während 15 Prozent zumindest mit einer baldigen Nutzung liebäugeln.

Grundsätzlich sinkt mit dem Alter sowohl die Häufigkeit von KI-Verwendung als auch das Vorkommen ihrer Schatten-Variante: Von den 54 Prozent der Menschen zwischen 16 und 29, die mit KI arbeiten, tun es deutlich mehr "im Dunkeln" (36 Prozent) als rundum offiziell (18 Prozent). Bei den Befragten über 50 dagegen überwiegt die genehmigte Nutzung (20) klar gegenüber der verschwiegenen (13 Prozent).

Nutzung von genehmigter KI gegenüber Schatten-KI nach Altersgruppen (Grafik: Tieto)
Nutzung von genehmigter KI gegenüber Schatten-KI nach Altersgruppen (Grafik: Tieto)

"Der KI-Einsatz im Job schreitet schneller voran, als Arbeitgeber mithalten können. Beschäftigte wollen ihre gewohnte private KI-Nutzung auch beruflich einsetzen, um produktiver zu arbeiten. Doch bei den technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen hinken deutsche Unternehmen hinterher", betont Robert Kaup.

Dass KI-Assistenten "oft durch die Hintertür" in Deutschlands Betrieben Einzug halten, stellt für ihn ein Warnsignal dar. Kaup fordert: "Beschäftigte brauchen klare Richtlinien, genehmigte KI-Tools und gezielten Kompetenzaufbau. Nur so wird KI zum Produktivitätsfaktor statt zum unkontrollierten Risiko."

Tieto Germany hat anschließend an die hier behandelte Befragung auch die Ansichten von über 200 deutschen KI-Verantwortliche in Mittel- und Großunternehmen eingeholt. Mit Prävention in Form von klaren Richtlinien und erlaubten KI-Werkzeugen (47 Prozent) sowie technischer Kontrolle (45 Prozent) befasst sich knapp die Hälfte – 27 Prozent wiederum nehmen die Existenz von Schatten-KI in ihrem Haus bislang schlichtweg in Kauf.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV