EZB
Rücktritt von Christine Lagarde: So wird die Nachfolge bestimmt

| Redaktion 
| 29.10.2026

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss sich früher als erwartet auf die Suche nach einer neuen Person an der Spitze machen: Am Donnerstagmorgen hat Präsidentin Christine Lagarde ihren Rücktritt zum kommenden Februar verkündet. Gründe werden nicht genannt – allerdings ermöglicht sie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit ihrem vorzeitigen Abschied, bei der Nachfolgebestimmung noch ein Wörtchen mitzureden.

Mittels eines knappen Statements hat die Europäische Zentralbank verkündet, dass Christine Lagarde ihren Posten als Präsidentin offiziell zum Sonntag, 07. Februar 2027 räumen wird. Über diesen Schritt habe die Französin den EZB-Rat und den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, in den frühen Stunden des Donnerstag informiert.

Christine Lagarde übernahm das Amt im November 2019 als erste Frau überhaupt und trat damit die Nachfolge von Mario Draghi an. Vor ihrem Wechsel nach Frankfurt war sie in ihrer französischen Heimat sowohl Wirtschafts- als auch Landwirtschafts- und Handelsministerin, ehe sie acht Jahre lang geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds war.

Ihre Ära wurde von außergewöhnlichen wirtschaftlichen Verwerfungen geprägt; angefangen mit der Corona-Pandemie und ihren ökonomischen Konsequenzen. Es folgten Energiekrise und Inflationsschub, worauf die EZB ab 2022 mit einer drastischen Zinswende reagierte und die Kreditaufnahme nach länger Zeit wieder nennenswert verteuerte.

Dieser Tage steht die Notenbank erneut vor einer heiklen Phase: Erst letzten Monat erhöhte sie den Leitzins angesichts des wieder anziehenden Inflationsdrucks zum zweiten Mal in diesem Jahr. Eine weitere Anhebung im Dezember scheint gut möglich.

Wer über Lagardes Nachfolge entscheidet

Was genau Christine Lagarde zu ihrem vorzeitigen Abschied bewegt, teilten am Donnerstag weder sie selbst noch die EZB mit. Die nicht verlängerbare Präsidentschaft ist eigentlich auf acht Jahre ausgelegt, sodass die 70-jährige nur acht Monate vor dem turnusmäßigen Ende ihrer Amtszeit zurücktritt. Die Bild-Zeitung greift Gerüchte auf, dass es Lagarde in führender Funktion zum Weltwirtschaftsforum in Davos ziehen könnte.

Und die Zentralbank? "Lagardes Nachfolgerin oder Nachfolger wird vom Europäischen Rat nach dem in Artikel 283 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union festgelegten Ernennungsverfahren bestimmt", heißt es nüchtern im Statement aus Frankfurt.

Etwas konkreter beginnt die Suche bei den Regierungen der Euro-Länder, die mögliche Kandidaten vorschlagen. Anschließend beraten ihre Finanzminister in der Euro-Gruppe über die Personalie und verständigen sich auf einen Kandidaten, dessen Ernennung formal durch den Rat der EU auf den Weg gebracht wird.

Dafür kommen die Wirtschafts- und Finanzminister der Mitgliedstaaten zusammen und geben eine Empfehlung ab. Diese geht an den Europäischen Rat, in dem die Staats- und Regierungschefs sitzen – und nach Anhörung des Europäischen Parlaments und des EZB-Rats sollte hier die endgültige Entscheidung zum neuen Präsidenten oder zur neuen Präsidentin fallen.

Rücktritt aus Sorge vor Frankreichs Kurswechsel?

Der Zeitpunkt von Rücktritt und Nachfolgesuche ist nicht frei von Brisanz, da Lagardes Abschied mit einem wichtigen Wahltermin zusammenfällt: Ihre Amtszeit endet zwei Monate vor der französischen Präsidentschaftswahl im April und Mai.

Wird die Neubesetzung noch vor Jahresende beschlossen, kann Emmanuel Macron als französischer Präsident an der Personalentscheidung mitwirken, bevor sein Wahlkampf in die entscheidende Phase geht.

Viele Beobachter gehen deshalb davon aus, dass eine Entscheidung für den Mann oder die Frau nach Lagarde noch in diesem Jahr getroffen wird. Hintergrund dürfte dabei insbesondere die EZB-interne Sorge um eine verstärkte Einflussnahme von Marine Le Pen und ihrem politischen Lager sein: Sie steht der europäischen Integration kritisch gegenüber, sodass EU-Regierungen daran interessiert sind, wichtige Personalentscheidungen möglichst noch unter den gegenwärtigen Bedingungen zu treffen.

Als aussichtsreiche Anwärter auf die Nachfolge gelten derzeit der frühere niederländische Notenbankchef Klaas Knot und Pablo Hernández de Cos, der heute die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich leitet.

Auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel, EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel, der scheidende französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau oder Nadia Calviño, die Präsidentin der Europäischen Investitionsbank, werden von Medien in den Raum geworfen – offizielle Kandidaturen gibt es zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht.

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