Vom 11. bis 14. Oktober hatte Schauspielerin und Unternehmerin Vivien Wulf zur zweiten Ausgabe der New Perspective Days in den Lanserhof Sylt eingeladen. Mit dabei waren unter anderem PUMA-Chef Arthur Höld, Medienunternehmerin Verona Pooth, Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki, Unternehmerin und Investorin Tijen Onaran, FC-Basel-Präsident David Degen, der frühere Regierungssprecher Béla Anda sowie Psychologe und Mentalcoach Jens Corssen. Über das Konzept und die Teilnehmer hatte LEADERSNET bereits im Vorfeld berichtet.
Erst die Gespräche zeigten, welche persönlichen Erfahrungen, schwierigen Entscheidungen und überraschenden Einsichten sich hinter den bekannten Erfolgsgeschichten verbergen.
26 Jahre lang arbeitete Arthur Höld für Adidas. So lange, dass ihn selbst Familie und Freunde mit der Marke identifizierten. Als er zum Konkurrenten PUMA wechselte, bedeutete das deshalb mehr als einen neuen Job. Es ging auch darum, sich von einer beruflichen Identität zu lösen, die über Jahrzehnte gewachsen war.
"Wenn du so lange bei einem Unternehmen bist und dich so stark mit der Marke identifizierst, sehen dich alle – deine Kinder, deine Freunde – als Mr. Adidas. 26 Jahre stellst du nicht einfach weg. Das ist Teil des Lebens und wird es immer sein."
PUMA-Chef Arthur Höld: Karriere braucht Begegnungen
Höld nutzte das Gespräch auch, um seine Haltung zum Homeoffice deutlich zu machen. Aus seiner Sicht braucht berufliche Entwicklung den persönlichen Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten.
"Im Sport würdest du nie auf die Idee kommen zu sagen: Ich komme am Freitag zum Abschlusstraining, Montag bis Donnerstag bin ich im Homeoffice. Sport ist Austausch, Business ist Austausch. Wie willst du Karriere machen, wenn du niemanden kennenlernst?"
Dass Führungskräfte mit ihren Entscheidungen auch andere beeinflussen, wurde ihm nach eigener Darstellung bei seiner zweimonatigen Elternzeit während seiner Adidas-Jahre bewusst. Erst im Rückblick habe er erkannt, welche Signalwirkung dieser Schritt für andere Beschäftigte hatte.
Verona Pooth: "Erwachsene müssen ja nicht immer nur Erfolg vorweisen"
Verona Pooth erzählte auf Sylt von einer Zeit, in der sie ihre beruflichen Ziele nahezu allem anderen unterordnete. Zehn bis 15 Jahre lang habe sie höchstens fünf Stunden pro Nacht geschlafen, um ihre Karriere voranzutreiben. "Das ging eigentlich nur, indem ich aus einem Tag zwei gemacht habe", erinnerte sich die Unternehmerin.
Heute betrachtet Pooth ihren damaligen Ehrgeiz mit mehr Abstand. Sie stellt infrage, ob sich der eigene Wert tatsächlich an beruflichen Leistungen bemessen lassen sollte.
"Erwachsene müssen ja nicht immer nur Erfolg vorweisen, um jemand zu sein. Das ist ja nicht das höchste Streben, immer erfolgreich zu sein."
Entscheidend sei für sie inzwischen ein Leben, in dem berufliche Ziele und persönliche Bedürfnisse im Gleichgewicht stehen.
Sabine Lisicki: "Erfolg misst sich nicht nur an Titeln"
Wie unterschiedlich die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere sein können, schilderte Sabine Lisicki. Die frühere Wimbledon-Finalistin berichtete von den finanziellen Schwierigkeiten ihrer Familie. Rund 250.000 Kilometer legte sie mit ihren Eltern in einem Nissan Micra zurück, um an Tennisturnieren teilzunehmen. Manche Turniere musste sie absagen, weil das Geld für die Anreise fehlte.
Als Lisicki 2008 zu den Australian Open reisen wollte, war sie bereits Deutschlands Nummer eins. Trotzdem konnte sich ihre Familie den Flug nicht leisten. Ihr Vater suchte nach Unterstützung, bis schließlich jemand bereit war, ihm das Geld zu leihen.
Lisicki qualifizierte sich für das Turnier und besiegte die damalige Nummer 15 der Weltrangliste. Doch auch danach blieb ihr Weg schwierig. Eine schwere Verletzung warf sie 2010 auf Platz 230 der Weltrangliste zurück. An ein Comeback glaubten damals nur wenige.
"Jeder sollte für sich entscheiden, was Erfolg ist. Mein Weg war deutlich länger, steiler und schwieriger als der von Spielerinnen, die einen Tennisplatz im Garten hatten. Und ich habe es trotzdem geschafft. Erfolg misst sich nicht nur an Titeln."
Tijen Onaran: "Das haben wir in Deutschland vergessen"
Tijen Onaran lenkte den Blick auf eine andere Frage: Welche Möglichkeiten bietet Deutschland Menschen, die beruflich aufsteigen wollen? Die Unternehmerin kritisierte die aus ihrer Sicht verbreitete pessimistische Stimmung.
"Wir sind momentan in einer Lethargie gefangen, die uns allen das Gefühl gibt, Deutschland sei das schlimmste Land auf Erden. Ich finde, es ist das schönste Land der Welt – weil ich die Möglichkeit hatte, meine Aufstiegsgeschichte zu schreiben. Das haben wir in Deutschland vergessen."
Ihre soziale Herkunft betrachtet Onaran dabei nicht als Nachteil, sondern als Stärke. "Ich finde, die soziale Herkunft ist die absolute Superpower. Menschen, die sich vieles selbst erarbeitet haben, haben einen ganz anderen Elan."
David Degen: "Wenn es nicht läuft, gehört die Verantwortung mir"
Was Erfolg für jemanden bedeutet, der nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich ist, erläuterte David Degen. Der frühere Fußballprofi und heutige Präsident des FC Basel kennt den Druck, unter dem sportliche Entscheidungen stehen.
"Wenn wir gewinnen, gehört der Erfolg der Mannschaft. Wenn es nicht läuft, gehört die Verantwortung mir. So verstehe ich meine Rolle."
Dabei gehe es ihm nicht allein um Ergebnisse. Erfolg bedeute für ihn auch, Menschen im Verein mitzunehmen und gemeinsam etwas zu erreichen.
Bela Anda: "Nach zwei Monaten habe ich gedacht, das ist kaputt"
Wie schnell sich das eigene Umfeld verändern kann, berichtete der frühere Regierungssprecher Béla Anda. Während seiner Zeit im Kanzleramt klingelte sein Telefon ununterbrochen. Nach seinem Ausscheiden blieb es plötzlich still.
"Am Anfang konnte ich das gar nicht verstehen: Mein Telefon hat 24/7 geklingelt – und dann klingelt es überhaupt nicht mehr. Nach zwei Monaten habe ich gedacht, das ist kaputt."
Beim anschließenden Wechsel in die Wirtschaft musste Anda neue Kontakte aufbauen und sich beruflich neu positionieren. Entscheidend war für ihn, dass sein Leben auch nach dem Ende seiner politischen Tätigkeit neue Möglichkeiten bot.
Jens Corssen: "Ich will mehr als überleben – ich will auch erleben"
Jens Corssen beschäftigte sich mit einer anderen Begleiterscheinung beruflichen Erfolgs: der Schwierigkeit, überhaupt noch zur Ruhe zu kommen. Nach Beobachtung des Psychologen und Mentalcoachs befinden sich viele Führungskräfte in einem Zustand dauerhafter Anspannung.
"Viele Manager und Unternehmer sind nur im Überlebensmodus. Die können nicht mal mehr im Urlaub entspannen. Ich will mehr als überleben – ich will auch erleben."
Dabei reiche es nicht, die eigenen Verhaltensmuster zu erkennen. "Veränderung ist eine Funktion von Dringlichkeit und nicht von Einsicht", erklärte Corssen.
Auch die Gesundheit war Thema der Gespräche. Kardiologe Dr. Jan Stritzke warnte vor pauschalen Empfehlungen zur Selbstoptimierung. Zahnärztin Dr. Kristin Arp erläuterte, welche Bedeutung Mundgesundheit für das allgemeine Wohlbefinden hat. Bastienne Früh, Geschäftsführerin von Podstars by OMR, sprach über persönliche Beziehungen im Podcast-Geschäft und den Wert unterschiedlicher Perspektiven in Führungsgremien.
Gastgeberin Vivien Wulf formulierte eine Beobachtung, die viele der Persönlichkeiten miteinander verband: "Je höher man steigt, desto leiser wird der Widerspruch."
Wie viel ein beruflicher Erfolg tatsächlich wert ist, lässt sich nicht allein an Positionen, Ergebnissen oder Auszeichnungen ablesen. Manchmal wird es erst deutlich, wenn jemand offen darüber spricht, was auf dem Weg dorthin nötig war – oder was sich danach verändert hat.
Unterstützt wurden die New Perspective Days 2026 von Dyson, Schwarzkopf Professional, Avea, Hanro, ByNacht und Gisada. Die Fotos zum Event sehen Sie in unserer Fotogalerie.
Kommentar veröffentlichen