Arbeitsmarkt-Analyse
Arbeitsstunden im Vergleich: Wer schuftet wie viel? Der DACH-Raum im internationalen Check

Lange Arbeitswochen in Griechenland, kurze Durchschnittszeiten in Deutschland und Österreich – und die Schweiz mit besonders langen Vollzeitwochen: Internationale Statistiken zeigen erhebliche Unterschiede. Entscheidend ist allerdings, wer mitgezählt wird. Auch bei Zweitjobs lohnt sich ein genauer Blick.

33,9 Stunden in Deutschland, 34,0 Stunden in Österreich, 39,6 Stunden in Griechenland: So unterschiedlich lang fiel die durchschnittliche Arbeitswoche 2025 nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat aus. Zwischen der Bundesrepublik und Griechenland liegt damit eine Differenz von fast sechs Stunden. Die Zahlen erfassen die tatsächlich geleistete Arbeitszeit im Hauptjob von Erwerbstätigen zwischen 20 und 64 Jahren – einschließlich Vollzeit-, Teilzeitkräften und Selbstständigen.

Wer daraus eine einfache Rangliste des Fleißes ableitet, übersieht den entscheidenden Struktureffekt: Ein Land mit vielen Teilzeitbeschäftigten kommt rechnerisch auf eine deutlich kürzere Arbeitszeit pro Kopf. Das sagt jedoch wenig darüber aus, wie lange reine Vollzeitkräfte arbeiten oder wie viel Wertschöpfung in einer einzelnen Stunde erwirtschaftet wird. Besonders deutlich zeigt sich dieser Mechanismus beim Blick in die Schweiz.

Wo die Arbeitswochen in der EU am längsten und kürzesten sind

Nach der Eurostat-Auswertung für das Jahr 2025 liegt die durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit in der Europäischen Union bei 35,9 Stunden.

Die höchsten Werte in der EU verzeichnen:

  • Griechenland: 39,6 Stunden
  • Bulgarien: 38,7 Stunden
  • Polen: 38,7 Stunden
  • Litauen: 38,4 Stunden

Die kürzesten Arbeitswochen weisen folgende Länder auf:

  • Niederlande: 31,9 Stunden
  • Deutschland: 33,9 Stunden
  • Dänemark: 33,9 Stunden
  • Österreich: 34,0 Stunden

Diese Durchschnittswerte sind keine vertraglich vereinbarten Vollzeitwochen. Sie beschreiben die reale Arbeitszeit der gesamten betrachteten Gruppe und werden entsprechend stark von der jeweiligen Arbeitsmarktstruktur beeinflusst.

Die Schweiz zeigt, wie stark die Perspektive das Ergebnis verändert

Bei den Schweizer Vollzeit-Arbeitnehmenden kommt das Bundesamt für Statistik (BFS) für 2025 im internationalen EU/EFTA-Vergleich auf 42 Stunden und 24 Minuten pro Woche. Damit sichert sich die Schweiz in dieser spezifischen Auswertung die Spitzenposition im Alpen- und Europa-Raum.

Werden dagegen sämtliche Erwerbstätigen einschließlich aller Teilzeitkräfte betrachtet, sinkt der Schweizer Durchschnitt auf 35 Stunden und 14 Minuten. Das liegt sehr nahe am allgemeinen EU-Mittelwert derselben Erhebung.

Die beiden Ergebnisse widersprechen sich nicht: Lange Vollzeitwochen und ein hoher Teilzeitanteil können in einer Volkswirtschaft problemlos gleichzeitig bestehen. Die Schweizer Vergleichsreihe verwendet zudem eine andere methodische Abgrenzung als die oben genannte Eurostat-Auswertung für die 20- bis 64-Jährigen; ihre Werte sollten deshalb nicht zu einer gemeinsamen Rangliste zusammengefügt werden. Für den internationalen Vergleich werden in der Schweizer Berechnung zudem Personen ausgeklammert, die während der gesamten Referenzwoche abwesend waren.

Was der Blick über die Grenzen Europas hinaus zeigt

Auch bei den jährlichen Arbeitszeiten ergeben sich globale Kontraste. Die OECD weist für 2024 beispielsweise 2.219 Stunden je Erwerbstätigen in Kolumbien, 2.215 in Mexiko und 2.149 in Costa Rica aus. In Deutschland waren es 1.334 Stunden, in Österreich 1.435 Stunden und in der Schweiz 1.519 Stunden.

Diese Werte liefern jedoch keine belastbare weltweite Rangfolge. Zum einen umfasst die OECD nur einen Teil der Staaten. Zum anderen warnt die Organisation selbst davor, die Jahresstunden wegen unterschiedlicher nationaler Datenquellen und Berechnungsmethoden direkt miteinander zu vergleichen. Die Datenserie eignet sich vor allem dazu, langfristige Entwicklungen innerhalb eines einzelnen Landes zu verfolgen.

Für einen breiteren internationalen Vergleich stellt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf Wochenarbeitszeitdaten bereit. Aber auch dort gilt: Berichtsjahr, Personengruppe und Datenart müssen exakt zusammenpassen. Eine nationale Erhebung aus einem älteren Jahr lässt sich nicht ohne Weiteres neben eine aktuelle Modellschätzung stellen.

Warum weniger Stunden nicht automatisch weniger Leistung bedeuten

Die reine Arbeitszeit misst lediglich den zeitlichen Einsatz. Die Arbeitsproduktivität beschreibt dagegen, wie viel Wertschöpfung je Arbeitsstunde generiert wird. Maschinen, Software, die Qualifikation der Beschäftigten, die Infrastruktur sowie die Branchenstruktur einer Volkswirtschaft beeinflussen maßgeblich, was in dieser Zeit produziert werden kann.

Ein kurzer Stundendurchschnitt allein belegt deshalb weder eine besondere Effizienz noch eine mangelnde Leistungsbereitschaft. Bei den Jahressummen spielen neben Teilzeit auch Urlaubsansprüche, Feiertage und sonstige Abwesenheiten eine Rolle. Unbezahlte Tätigkeiten wie Kinderbetreuung, Pflege und Hausarbeit bleiben in den hier erfassten Erwerbsarbeitsstunden ohnehin außen vor.

Mehrere Jobs: In Österreich betrifft das mehr als jeden Zwanzigsten

Eine zweite zentrale Frage betrifft die Mehrfachbeschäftigung: Wie viele Menschen verteilen ihre Erwerbsarbeit auf mehrere Tätigkeiten? Nach Angaben von Statistik Austria hatten 2025 in Österreich rund 255.300 Erwerbstätige mindestens einen zusätzlichen Job. Das entspricht einem Anteil von 5,7 Prozent.

Bemerkenswert ist die Verteilung nach Bildungsabschluss: Unter Hochschulabsolventen betrug die Quote in Österreich 9,9 Prozent, unter Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss hingegen 1,9 Prozent. Drei oder mehr Tätigkeiten übten rund 23.500 Menschen aus, was 0,5 Prozent aller Erwerbstätigen entspricht. Die Daten belegen: Mehrfachbeschäftigung ist keineswegs ausschließlich ein Phänomen gering qualifizierter Arbeit.

Für Deutschland nennt das Statistische Bundesamt (Destatis) in seiner veröffentlichten Übersicht für 2024 eine Zweitjobquote von 4,7 Prozent. Gut zwei Millionen Erwerbstätige gingen dort mindestens einer weiteren Tätigkeit nach. Im Nebenjob arbeiteten sie durchschnittlich 7,9 Stunden pro Woche. Wegen der unterschiedlichen Berichtsjahre ergibt sich daraus noch kein zeitgleicher Direktvergleich zwischen Österreich und Deutschland.

Auch der Blick in die Vereinigten Staaten zeigt ein differenziertes Bild: In den USA hatten nach einer Analyse der Federal Reserve Bank of Richmond im Juli 2026 rund 5,5 Prozent der Erwerbstätigen mehrere Jobs. Die im September veröffentlichte Untersuchung beschreibt unterschiedliche Motive: Zusätzliche Arbeit kann wirtschaftlichen Druck widerspiegeln, genauso gut aber auch eine gezielte, attraktive Verdienstmöglichkeit darstellen.

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