Claude glaubt
In zehn Jahren werden wir bereuen, keine eigene KI zu besitzen

| Redaktion 
| 04.11.2026

Wer heute mit Künstlicher Intelligenz arbeitet, leiht sich meist die Rechenleistung und das Wissen großer Technologiekonzerne. Das funktioniert bequem, schafft aber auch Abhängigkeiten: Wer seine beruflichen Abläufe und Entscheidungen auf externe Dienste stützt, ist auf deren Wohlwollen angewiesen. Ein Plädoyer für die eigene KI-Emanzipation kommt ausgerechnet von Claude.

Beim alltäglichen Scrollen bekommen wir meist mehr Meinungen, Nachrichten und Zukunftsprognosen serviert, als ein menschlicher Verstand auf einmal aufnehmen sollte. Trotzdem bleiben manche Postings deutlich länger hängen als andere – sei es wegen einer ungewohnten Perspektive, einer infrage gestellten Selbstverständlichkeit oder durch eine erschreckend einleuchtend wirkende Empfehlung.

In letztere Kategorie fällt ein Beitrag von Alex Veremeyenko, der es kürzlich in die redaktionelle Twitter-Timeline geschafft hat. Online ist Veremeyenko vor allem unter dem Namen Alex Prompter bekannt und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den praktischen Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz.

Verteilt über zwei Accounts erreicht der Content Creator allein auf X rund 380.000 Follower, denen er regelmäßig neue KI-Anwendungen, Open-Source-Projekte und technische Entwicklungen vorstellt. Wöchentlich veröffentlicht er den Newsletter AI Superpowers.

Claude benennt "die eigentliche Trennlinie"

Besonders intensiv scheint sich Alex Prompter dabei mit Claude zu befassen. Der KI aus dem Hause Anthropic hat er kürzlich die Frage gestellt, was die Menschen in zehn Jahren am meisten bereuen werden, nicht zu besitzen.

Hier das Originalposting, gefolgt von einer deutschen Übersetzung:

"Ihre eigene KI. Gegenwärtig mieten fast alle ihre Intelligenz bei drei oder vier Unternehmen – ganz ähnlich, wie Menschen früher Musik und Filme gemietet haben und damit zufrieden waren, bis ihre Lizenz auslief. Der Unterschied besteht darin, dass diesmal das gemietet wird, was bestimmt, wie man arbeitet, schreibt, recherchiert und Entscheidungen trifft.

Wer das jeweilige Modell betreibt, kann die Preise erhöhen, die Regeln ändern, mitlesen, was man ihm schickt, oder einem den Zugang sperren – und niemand muss vorher um Erlaubnis fragen.

Ein leistungsfähiges Open-Source-Modell, das auf dem eigenen Laptop läuft, kostet heute nichts und lässt sich an einem Nachmittag einrichten. In zehn Jahren werden nahezu alle Menschen KI nutzen. Die eigentliche Trennlinie wird dann zwischen denen verlaufen, die eine eigene KI besitzen, und denen, die dafür um Erlaubnis bitten müssen", schlussfolgert Claude.

Plädoyer mit ironischer Note

Natürlich birgt Claudes Empfehlung zur digitalen Emanzipation eine gewisse Ironie, immerhin darf man Anthropic durchaus zu den "drei oder vier Unternehmen" zählen, von deren Geschäftsmodellen, Zugangsbedingungen und technischen Entscheidungen sich viele Menschen momentan abhängig machen. Das geschieht zwangsläufig, wenn man zentrale Teile seiner geistigen Arbeit an externe Dienste auslagert.

Keine grundsätzlich schlechte Sache, wenn man bedenkt, wie Cloud-Dienste, Streamingplattformen oder Software-Abonnements unseren Alltag erleichtern können.

Gleichzeitig liegt zwischen der bequemen Nutzung eines Werkzeugs und der vollständigen Abhängigkeit von seinem Anbieter ein bedeutsamer Unterschied – und am Ende des Monats wiegen tagelang eingeschränkte Arbeitsmöglichkeiten deutlich schwerer als ein Netflix-Ausfall bei längst eingemottetem BluRay-Player.

Eine eigene, leistungsfähige KI stellt insofern einen starken Vorstoß in Richtung digitale Selbstbestimmung in Aussicht, sodass nach eigener Vorstellung aufgezogene Sprachmodelle künftig weit mehr als nur tüftelbegeisterte Tech-Enthusiasten beschäftigen könnten. Sollten?

Zehn elementare Schritte, die man auf diesem Weg machen kann, hat Alex "Prompter" Veremeyenko in einem separaten Posting geteilt. Eine deutsche Übersetzung bietet die Infobox anbei.

Zehn Schritte zur KI-Emanzipation

  1. Lernen Sie, ein offenes Modell auf Ihrem Computer auszuführen.

  2. Bewahren Sie Kopien Ihrer Daten an einem Ort auf, der nicht von einem Unternehmen kontrolliert wird.

  3. Lassen Sie niemals zu, dass ein einziges KI-Unternehmen Ihren gesamten Arbeitsablauf kontrolliert.

  4. Überprüfen Sie jede KI-Antwort, bevor Sie entsprechend handeln.

  5. Denken Sie zuerst selbst nach, bevor Sie die KI befragen.

  6. Gewähren Sie Agenten nur den geringsten Zugriff, der zur Erledigung der Aufgabe erforderlich ist.

  7. Behandeln Sie Ihren Arbeitsspeicher, Ihre GPUs und Ihren Speicherplatz als Vermögenswerte.

  8. Bauen Sie Fähigkeiten auf, die Ihre Hände, Ihr Urteilsvermögen oder Ihr Vertrauen erfordern.

  9. Bezahlen Sie für Tools, auf die Sie verzichten können.

  10. Lesen Sie die Nutzungsbedingungen, bevor Sie Ihre Stimme, Ihr Gesicht oder Ihre Dateien weitergeben.

Quelle: Alex Veremeyenko

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Zehn Schritte zur KI-Emanzipation

  1. Lernen Sie, ein offenes Modell auf Ihrem Computer auszuführen.

  2. Bewahren Sie Kopien Ihrer Daten an einem Ort auf, der nicht von einem Unternehmen kontrolliert wird.

  3. Lassen Sie niemals zu, dass ein einziges KI-Unternehmen Ihren gesamten Arbeitsablauf kontrolliert.

  4. Überprüfen Sie jede KI-Antwort, bevor Sie entsprechend handeln.

  5. Denken Sie zuerst selbst nach, bevor Sie die KI befragen.

  6. Gewähren Sie Agenten nur den geringsten Zugriff, der zur Erledigung der Aufgabe erforderlich ist.

  7. Behandeln Sie Ihren Arbeitsspeicher, Ihre GPUs und Ihren Speicherplatz als Vermögenswerte.

  8. Bauen Sie Fähigkeiten auf, die Ihre Hände, Ihr Urteilsvermögen oder Ihr Vertrauen erfordern.

  9. Bezahlen Sie für Tools, auf die Sie verzichten können.

  10. Lesen Sie die Nutzungsbedingungen, bevor Sie Ihre Stimme, Ihr Gesicht oder Ihre Dateien weitergeben.

Quelle: Alex Veremeyenko

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