Furuhem, Ästad Vingård, Vyn
Warum wohlhabende Reisende Südschweden wiederentdecken

Mit Furuhem hat Spitzenkoch Magnus Nilsson auf der Bjäre-Halbinsel ein ungewöhnlich unprätentiöses Gasthaus eröffnet. Es ist eines von mehreren Häusern, die für die Renaissance des schwedischen Südens stehen: hervorragendes Essen, sorgfältiges Handwerk und viel Natur – ohne demonstrativen Luxus.

Das Furuhem in Båstad wirkt nicht wie ein Ort, der um Aufmerksamkeit bittet. Ein weißes Haus, dunkelgrüne Fensterläden, ein restauriertes Ziegeldach. Im Inneren stehen eigens angefertigte Möbel neben Fundstücken, alten Teppichen und rund 200 wiederhergerichteten Leuchten. Nichts soll neu erfunden aussehen. Eher so, als wäre es über Jahrzehnte an seinen Platz gelangt.

Hinter dieser Zurückhaltung steht Magnus Nilsson. Der schwedische Koch machte das abgelegene Fäviken zu einem der einflussreichsten Restaurants der New-Nordic-Bewegung. 2019 schloss er das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Haus. Nun ist er mit einem Gegenentwurf zur klassischen Spitzengastronomie zurückgekehrt.

Furuhem ist ein Gasthaus mit 15 Zimmern, Restaurant und Bäckerei. Nilsson bezeichnet es als außergewöhnliche Pension mit einem "vollkommen gewöhnlichen" Restaurant. Gewöhnlich meint dabei nicht beliebig. Auf den Tisch kommen gute Produkte, präzises Handwerk und Gerichte, die nicht erklärt werden müssen. Mittags gibt es Speisen zu Preisen, die auch Einheimische regelmäßig bezahlen können.

Gemeinsam geführt wird das Haus von Nilsson, Köchin Frida Nilsson und der früheren Noma-Mitarbeiterin Daniella Rebelo.

Die Rückkehr in den schwedischen Süden

Furuhem ist ein Einzelstück, aber kein Einzelfall. In Skåne, auf der Bjäre-Halbinsel und im benachbarten Halland entstehen gerade Hotels und Restaurants, die Wohlstand anders übersetzen als die traditionellen Luxusziele am Mittelmeer.

Als die französische Riviera, Saint-Tropez und andere Küstenorte in den 1970er-Jahren zu Treffpunkten der Reichen und Berühmten wurden, verlor Südschweden bei wohlhabenden Skandinaviern an Bedeutung. Nun erlebt die Region eine Renaissance.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Sommer am Mittelmeer werden unangenehmer. Gleichzeitig ist in den nordischen Ländern eine Reisekultur gewachsen, die Ruhe, Herkunft und Natur in den Vordergrund stellt. Luxus zeigt sich hier in Zeit, Platz und Dingen, die gut gemacht sind.

Furuhem trifft diesen Gedanken. Die Einrichtung wurde nicht bestellt, um einem aktuellen Stil zu entsprechen. Nilsson suchte über Monate nach altem schwedischem Besteck, Leuchten und Möbeln. Die sichtbaren Gebrauchsspuren gehören zum Konzept. Das Haus soll nicht wie ein fertiges Designprojekt wirken, sondern wie ein Ort mit Vergangenheit.

Spitzenküche zwischen Weinberg und Buchenwald

Rund eine Autostunde nördlich liegt Ästad Vingård in Halland. Aus einem früheren Milchbauernhof entstand ein Weingut mit Hotel, Naturspa und dem Michelin-Restaurant Äng. Das Anwesen liegt im Naturschutzgebiet Åkulla, umgeben von Buchenwald. Eigene Bio-Weine, regionale Zutaten und acht Saunen ersetzen dort die üblichen Insignien eines Luxusresorts.

Weiter südlich, an der Küste von Österlen, betreibt Daniel Berlin das Restaurant und Hotel Vyn. Berlin hatte sein mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnetes Restaurant 2020 geschlossen. Mit Vyn kehrte er 2023 zurück. Das Haus verfügt über 15 Zimmer und Suiten mit Blick auf die Ostsee; die Küche orientiert sich konsequent an den Produkten der Region und der jeweiligen Jahreszeit.

Die Gemeinsamkeit dieser Häuser liegt nicht in einer einheitlichen Ästhetik. Es ist ihre Haltung: wenige Zimmer, eine starke Verbindung zum Ort und anspruchsvolle Küche.

Urlaub für Naturromantiker

Die Schweden seien geborene Naturromantiker, sagt Mathias Dahlgren, Michelin-Koch und eine der prägenden Figuren der schwedischen Gastronomie in Robb Report. Natur gilt hier seit jeher als Gegenpol zu Industrialisierung, Urbanisierung und modernem Stress. Dahlgren beschreibt den schwedischen Begriff von Luxus so:

"Wildblumen am Straßenrand pflücken, über offenem Feuer kochen und nackt in einem See schwimmen – das ist für uns der höchste Luxus."

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