Wie zufrieden Beschäftigte mit ihrem Arbeitgeber sind, entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte. Dabei geht es nicht nur um Gehalt oder Karrierechancen. Auch die Wahrnehmung des Arbeitsumfelds und die Erfahrungen bestehender sowie ehemaliger Mitarbeiter:innen prägen das Bild eines Unternehmens als Arbeitgeber.
Der aktuelle Zufriedenheitsatlas von kununu zeigt nun, wie sich diese Einschätzung in Deutschland entwickelt hat. Grundlage der Untersuchung sind 472.018 Arbeitgeberbewertungen, die zwischen dem 30. Juni 2025 und dem 30. Juni 2026 abgegeben wurden. Berücksichtigt wurden Bewertungen aktueller und ehemaliger Mitarbeiter:innen. Bewerber:innen und Auszubildende flossen nicht in die Kernanalyse ein.
Jobzufriedenheit sinkt seit drei Jahren
Als zufrieden gelten in der Untersuchung Beschäftigte, die ihren Arbeitgeber mit mindestens vier von fünf möglichen Sternen bewertet haben. Deutschlandweit liegt dieser Anteil 2026 bei 52,1 Prozent.
Der Vergleich mit den Vorjahren macht den Abwärtstrend deutlich. 2023 lag die Zufriedenheitsquote noch bei 56,3 Prozent. 2024 sank sie auf 54,0 Prozent und 2025 auf 53,1 Prozent. Innerhalb von drei Jahren hat die Quote damit 4,2 Prozentpunkte verloren.
kununu-CEO Nina Zimmermann sieht darin ein Signal für Unternehmen. "Die Arbeitgeberzufriedenheit in Deutschland ist leicht rückläufig. Dieser Trend ist ein Signal, das Arbeitgeber ernst nehmen sollten", sagt Zimmermann.
Welche Unternehmen bei aktuellen und ehemaligen Mitarbeiter:innen besonders gut abschneiden, zeigt auch das aktuelle Ranking zu Deutschlands besten Arbeitgebern. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie unterschiedlich Beschäftigte ihre Arbeitgeber bewerten.
Stuttgart hat die zufriedensten Beschäftigten
Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Blick auf die deutschen Großstädte. Stuttgart erreicht eine Zufriedenheitsquote von 57,9 Prozent und übernimmt damit die Spitze des Rankings. Die baden-württembergische Landeshauptstadt hatte bereits 2024 den ersten Platz belegt.
Düsseldorf folgt mit 57,2 Prozent auf Rang zwei und verbessert sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozentpunkte. Bonn erreicht 56,2 Prozent und rückt auf den dritten Platz vor.
Vorjahressieger Bielefeld fällt hingegen auf Rang vier zurück. Dort sinkt die Zufriedenheitsquote um 2,7 Prozentpunkte auf 55,9 Prozent. Auch Hannover verliert Positionen und rutscht vom dritten auf den achten Rang.
Insgesamt verbessert sich die Jobzufriedenheit nur in sechs der 20 untersuchten Großstädte. In 14 Städten geht sie zurück.
Eine besonders positive Entwicklung verzeichnet Leipzig. Dort steigt die Zufriedenheitsquote um 1,4 Prozentpunkte auf 53,1 Prozent. Die Stadt verbessert sich damit vom letzten Platz im Vorjahr auf Rang 16.
Den stärksten Rückgang gibt es in Mannheim. Dort fällt die Quote um 3,9 Prozentpunkte auf 53,6 Prozent. Am unteren Ende des Städterankings liegen Essen, Duisburg und Wuppertal. Wuppertal bildet mit einer Zufriedenheitsquote von 49,6 Prozent das Schlusslicht.
Berlin führt bei den Bundesländern
Auch zwischen den Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede. Berlin erreicht mit 54,4 Prozent die höchste Zufriedenheitsquote. Dahinter folgen Baden-Württemberg mit 53,4 Prozent und Hamburg mit 53,3 Prozent.
Hamburg hatte im Vorjahr noch die Spitzenposition inne. Bayern fällt vom dritten auf den vierten Rang zurück.
Insgesamt sinkt die Zufriedenheit in zehn der 16 Bundesländer. Sechs Länder entwickeln sich dagegen positiv.
Besonders deutlich fällt der Rückgang in Hamburg aus. Dort sinkt die Zufriedenheitsquote um 1,9 Prozentpunkte. Baden-Württemberg verliert 1,3 Prozentpunkte. In Bayern und Nordrhein-Westfalen geht der Wert jeweils um rund 1,2 Prozentpunkte zurück.
Gegen den bundesweiten Trend entwickeln sich unter anderem das Saarland und Sachsen-Anhalt. Beide Bundesländer legen um jeweils 1,1 Prozentpunkte zu. Mecklenburg-Vorpommern verbessert sich um einen Prozentpunkt.
Arbeitgeberattraktivität wird wichtiger
Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Zufriedenheit regional unterschiedlich entwickelt. Gleichzeitig weist der bundesweite Trend seit mehreren Jahren nach unten. Für Unternehmen stellt sich damit verstärkt die Frage, wie sie Beschäftigte langfristig halten und zugleich neue Fachkräfte für sich gewinnen können.
Arbeitgeberbewertungen spielen dabei eine besondere Rolle. Sie machen Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag öffentlich sichtbar und können damit auch die Wahrnehmung eines Unternehmens durch potenzielle Bewerber:innen beeinflussen.
"Zufriedenheit ist längst keine weiche Kennzahl mehr, sondern ein wichtiger Faktor für Arbeitgeberattraktivität und Bindung", sagt Zimmermann.
Welche Bedeutung solche Bewertungen für Recruiting und Arbeitgebermarken haben, erläuterte die kununu-CEO auch in einem Interview über Arbeitgeberbewertungen und den Wettbewerb um Fachkräfte. Gerade vor dem Hintergrund des Wettbewerbs um qualifizierte Mitarbeiter:innen gewinnt die Wahrnehmung eines Unternehmens als Arbeitgeber damit zusätzlich an Bedeutung.
Der Zufriedenheitsatlas 2026 liefert dafür eine umfangreiche Datengrundlage. Die Ergebnisse zeigen allerdings statistische Zusammenhänge. Direkte Ursache-Wirkungs-Beziehungen lassen sich aus den Daten nicht ableiten.
Klar erkennbar ist dagegen die Entwicklung der Bewertungen: Die bundesweite Jobzufriedenheit ist das dritte Jahr in Folge gesunken. Gleichzeitig zeigen Städte wie Stuttgart und einzelne Bundesländer, dass die Entwicklung regional keineswegs einheitlich verläuft.
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