WoMen on Top in Köln
Mäurer & Wirtz: Tradition allein ist noch kein Geschäftsmodell

| Redaktion 
| 08.11.2026

Tradition genießt in der Wirtschaft einen guten Ruf: Sie stiftet Identität, schafft Wiedererkennungswert und fördert Kundenbindung. Gleichzeitig kann es fatal sein, sich auf ihr auszuruhen. Der jüngste WoMen on Top Table wollte deshalb ergründen, wie sich historisches Markenverständnis erfolgreich mit zeitgemäßer Expansion verbinden lässt – und Mäurer & Wirtz-CEO Stephan Kemen konnte aus erster Hand berichten.

Die beiden Journalistinnen Nena Brockhaus (hier im Leadersnet-Interview) und Franca Lehfeldt stehen hauptverantwortlich hinter WoMen on Top, eine inzwischen fünf Jahre alte Medienplattform, die sich für Chancengleichheit und eine meritokratische Arbeitswelt stark macht.

Diese Bemühungen umfassen verschiedene Veranstaltungsformate, zu den auch die sogenannten WoT Tables zählen: Events in vergleichsweise intimem Rahmen, die "persönliche Begegnungen, offene Diskussionen und den unmittelbaren Austausch mit führenden Persönlichkeiten" ermöglichen.

Nachdem WoMen on Top letzten Monat in Hamburg aus eher besorgniserregendem Anlass zusammengefunden hat, waren die Vorzeichen am Donnerstag in Köln deutlich positiver.

Köln wittert den "Duft des Erfolgs"

Wie viele junge Männer wollte Stephan Kemen früher einmal Profi-Fußballer werden, allerdings war der sportliche Zenit seinerzeit bereits bei Alemania Aachen erreicht. Glücklicherweise ist die Zweitkarriere gelinde gesagt geglückt – schließlich schaut Kemen heute auf eine fast siebenjährige Ära als CEO von Mäurer & Wirtz zurück, seit deren Anfang das Familienunternehmen ein Umsatzplus von gut 75 Prozent verbuchen konnte.

Im Kölner Dufthaus 4711 fanden sich Kemen und Franca Lehfeldt dementsprechend ein, um unter dem Titel "Der Duft des Erfolgs: Vom Traditionshaus zum Inkubator. Wie in Familienunternehmen wirtschaftliche Transformation gelingt" über das bislang ausgesprochen ertragreiche Jahrzehnt von Deutschlands größtem produzierenden Dufthersteller zu sprechen.

Empfang im Dufthaus 4711 (Bild: Luisa Esch)
Empfang im Dufthaus 4711: Nena Brockhaus, Stephan Kemen und Franca Lehfeldt (Bild: Luisa Esch)

"Hätten wir uns nicht breiter aufgestellt, wären wir heute deutlich abhängiger von einzelnen Marken und Märkten. Ein Unternehmen mit 180 Jahren Geschichte kann es sich nicht leisten, nur von seiner Vergangenheit zu leben. Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass Mäurer & Wirtz auch in Zukunft erfolgreich ist", gab Stephan Kemen in Köln zu Protokoll.

Aus rund 160 Millionen Euro Jahresumsatz (2020) sind unter seiner Führung 280 Millionen Euro im vergangenen Jahr geworden, die sich der Diversifikation durch zusätzliche Marktsegmente, Vertriebskanäle und Geschäftsfelder zuschreiben lassen.

Vor der passenden Kulisse des historischen Dufthaus 4711 ging es im Gespräch mit Franca Lehfeldt zudem darum, wann Tradition ein Wettbewerbsvorteil ist und wann sie zum Hindernis werden kann.

Creator Economy: Reichweite ungleich Markenbildung

Wichtiger Baustein der Wachstumsstrategie ist die Creator Economy, in die sich Mäurer & Wirtz bereits vor fünf Jahren mit dem Fashion-Creator Justin Fuchs und dessen Marke Orodion wagte. Der erste Duft war nach 17 Stunden ausverkauft, der zweite bereits innerhalb eines Tages – das Fundament für eine ganze Reihe vergleichbarer Kooperationen, die inzwischen mit Gina Sandrin, Joline Elisa oder zuletzt Zah1de umgesetzt wurden.

Trotzdem handelt es sich bei der Zusammenarbeit mit bekannten Namen keineswegs um garantierte Selbstläufer, wie Kemen zu bedenken gibt: "Reichweite kann den ersten Flakon verkaufen. Für den zweiten braucht es eine starke Marke."

Franca Lehfeldt im Gespräch mit Stephan Kemen (Bild: Luisa Esch)
Franca Lehfeldt im Gespräch mit Stephan Kemen (Bild: Luisa Esch)

Zusätzliche Kompetenzen im Luxus- und Nischenduftmarkt hat Mäurer & Wirtz Ende 2025 durch die Übernahme von Classic Parfums und The Nose Behind erschlossen, sodass heute sowohl eigene Brands als auch Lizenzmarken, internationale Distribution und der Aufbau neuer Duftmarken zum eigenen Portfolio gehören.

Und das Geschäft soll selbstverständlich weiter wachsen: Bis 2030 will Mäurer & Wirtz zu den zehn weltweit führenden Duftunternehmen zählen.

Standort Deutschland: Stammsitz wird "nicht nur aus Nostalgie" betrieben

Dabei soll weiterhin auf die über Generationen aufgebaute industrielle Kompetenz gesetzt werden, die für das Traditionsunternehmen offenbar untrennbar mit dem Stammsitz in Stolberg verknüpft ist – obwohl er durch hohe Energie- und Arbeitskosten, Bürokratie und internationalen Wettbewerbsdruck keine selbstverständliche Wahl mehr darstellt.

"Wir produzieren hier vor Ort nicht nur aus Nostalgie, sondern weil es uns schneller macht", so Kemen. "Hier ist alles an einem Ort, hier läuft alles Hand in Hand", sagte er mit Verweis auf die Bündelung aller Fachbereiche; sei es die Marken- und Produktentwicklung, die Produktion, das Qualitätsmanagement oder Marketing und Vertrieb.

Franca Lehfeldt im Gespräch mit Stephan Kemen (Bild: Luisa Esch)
Franca Lehfeldt im Gespräch mit Stephan Kemen (Bild: Luisa Esch)

Transparenz, kurze Abstimmungswege, direkte Steuerungsmöglichkeiten und die Unabhängigkeit von externen Fertigungspartnern sind demnach weitere Wettbewerbsvorteile, die angesichts flächendeckend hoher Standortkosten einen entscheidenden Unterschied machen können.

Ans Live-Interview fügte sich ein Roundtable mit Raum für Fragen aus den Reihen der geladenen Presseleute und Unternehmer an, ehe ein Dinner den Abend geschmackvoll abschloss. Weitere visuelle Eindrücke vermittelt unsere Galerie aus Köln!

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV