Zwischen Klima und KI
Nestlé Zukunftsstudie: So essen wir 2040

Die Nestlé Zukunftsstudie zeigt, wie stark sich unsere Ernährung bis 2040 verändern könnte. Neue Technologien, veränderte Lebensbedingungen und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein stellen Lebensmittelhersteller und Handel vor neue Fragen. Besonders spannend: Bei einigen Entwicklungen zeigen sich die Deutschen überraschend offen – bei anderen ziehen sie klare Grenzen.

Wie werden wir in Deutschland im Jahr 2040 essen? Die neue Nestlé Zukunftsstudie "Wie is(s)t Deutschland 2040?" untersucht, welche Entwicklungen unsere Ernährung künftig prägen könnten. Für Lebensmittelhersteller und Handel liefert sie zugleich Hinweise darauf, wie sich die Zukunft der Ernährung auf Produkte, Rohstoffe, Lieferketten und Einkaufsentscheidungen auswirken könnte.

Für die Studie entwickelte Nestlé gemeinsam mit der Marktforschungsagentur Bonsai Research und Zukunftsforscher Peter Wippermann fünf mögliche Zukunftsbilder. 14 Fachleute aus Trendforschung, Ernährung, Gesundheit, Landwirtschaft, Handel und Gesellschaft sowie Verbraucher:innen wurden in die Entwicklung einbezogen. Im April 2026 bewerteten anschließend 1.581 Menschen in Deutschland die Szenarien im Rahmen einer laut Nestlé repräsentativen Online-Befragung.

Drei Kräfte könnten die Ernährung 2040 besonders prägen: Klimawandel, individuelle Gesundheitsvorsorge und Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die Bereitschaft zur Veränderung Grenzen hat. 92 Prozent der Befragten betrachten Essen als wichtige Quelle von Genuss. 81 Prozent sagen, Essen sei am schönsten mit anderen. Und 78 Prozent sind überzeugt, dass es auch in Zukunft gut schmecken muss.

Klimawandel verändert die Versorgung

Besonders konkret wird der Wandel bei der Lebensmittelversorgung. 65 Prozent erwarten, dass Klimawandel und Krisen Lebensmittel knapper und teurer machen und die Gefahr von Lieferengpässen erhöhen werden.

Das könnte etablierte Konsumgewohnheiten verändern. 55 Prozent rechnen damit, dass Menschen ihre Ernährung an Klimafolgen und Verfügbarkeiten anpassen müssen. 43 Prozent könnten sich vorstellen, auf Alternativen auszuweichen, wenn klassische Rohstoffe wie Kaffee, Kakao oder Getreide knapp werden. Ebenso viele zeigen sich offen für Lebensmittel aus neuen Rohstoffen, darunter fermentierte Proteine oder Algen.

Dass Unternehmen bereits nach Alternativen zu klimaabhängigen Rohstoffen suchen, zeigt etwa die Entwicklung von zellbasiertem Kakao als Alternative zum klassischen Anbau. Solche Ansätze könnten vor allem dann an Bedeutung gewinnen, wenn etablierte Rohstoffe schwieriger verfügbar werden.

Für die Lebensmittelbranche verbindet sich die Versorgungssicherheit mit der Preisfrage. 68 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass sich nachhaltige Ernährung nur durchsetzen wird, wenn entsprechende Angebote bezahlbar, verfügbar und attraktiv sind. 71 Prozent sehen Möglichkeiten für neue, nachhaltigere Wege in der Landwirtschaft.

Auch Klimaresilienz und effiziente Lieferketten in der Lebensmittelindustrie rücken damit stärker in den Fokus. Nestlé selbst leitet aus den Studienergebnissen einen stärkeren Fokus auf widerstandsfähige Landwirtschaft und stabile Lieferketten ab. Nach Unternehmensangaben stammen weltweit 20,7 Prozent der zentralen Rohstoffe des Konzerns bereits von Betrieben, die regenerative Praktiken anwenden.

Personalisierte Ernährung gewinnt an Bedeutung

Ein zweiter Treiber ist die persönliche Gesundheitsvorsorge. 67 Prozent der Befragten sagen bereits heute, sie sollten sich gesünder ernähren. 68 Prozent erwarten, dass mentale Gesundheit künftig weiter an Bedeutung gewinnt. 44 Prozent gehen davon aus, dass viele Menschen ihre Ernährung im Jahr 2040 gezielt darauf ausrichten werden, körperlich und mental leistungsfähig zu bleiben.

Damit treffen die Studienergebnisse auf Entwicklungen, die bereits im Markt sichtbar sind. Bei Food Trends rund um funktionale und personalisierte Ernährung spielen unter anderem funktionale Lebensmittel, pflanzenbasierte Proteinquellen und Fermentation eine Rolle.

Personalisierte Ernährung könnte diesen Wandel zusätzlich beschleunigen. 37 Prozent betrachten sie als wichtiges Instrument für den Erhalt der eigenen Gesundheit. 78 Prozent empfinden eine Zukunft mit einem starken Fokus auf individuelle Prävention als fortschrittlich.

Für Hersteller entsteht daraus allerdings eine zentrale Herausforderung: Gesundheitsorientierte Ernährung muss in den Alltag passen. 40 Prozent geben an, dass ihnen häufig die Zeit fehlt, sich so zu ernähren, wie sie es gerne möchten. Zudem erwarten 54 Prozent, dass künftig mehr Menschen Spritzen oder Tabletten zur Gewichtsregulation nutzen werden.

KI wird zum Ernährungsberater

Die dritte große Veränderung findet digital statt. Künstliche Intelligenz könnte künftig Gesundheitsdaten analysieren, Ernährungsempfehlungen erstellen und Einkäufe vorbereiten oder sogar übernehmen. Aus einzelnen digitalen Anwendungen könnte so ein stärker vernetztes System rund um Ernährung, Gesundheit und Einkauf entstehen.

Ein Teil dieser Entwicklung ist bereits angekommen: 34 Prozent der Befragten nutzen KI laut Studie heute bei Kaufentscheidungen. 46 Prozent befürworten KI als persönlichen Ernährungsberater. 42 Prozent könnten die Technologie künftig nutzen, um Gesundheitsdaten auszuwerten und daraus Empfehlungen abzuleiten.

Für Lebensmittelhersteller und Handel könnte damit ein zusätzlicher digitaler Zugang zu Kund:innen entstehen. Entscheidend wäre dann nicht mehr ausschließlich, wie Produkte im Regal oder Onlineshop präsentiert werden. Produktinformationen, Rezepte und Ernährungsinformationen müssten auch von KI-Systemen korrekt verstanden und wiedergegeben werden können. Nestlé nennt dies selbst als eines der Handlungsfelder, die das Unternehmen aus der Studie ableitet.

Die Bereitschaft, Entscheidungen an Technologie abzugeben, hat allerdings Grenzen. 40 Prozent fürchten Kontrollverlust und Fremdbestimmung durch KI. 43 Prozent lehnen humanoide Roboter ab, die zu Hause selbstständig kochen. 38 Prozent möchten keine implantierten Sensoren nutzen, die dauerhaft Körperdaten erfassen.

Auch zwischen den Altersgruppen zeigen sich Unterschiede. Einen KI-Agenten für den Einkauf können sich 33 Prozent der jüngeren Befragten vorstellen, bei älteren Menschen sind es 17 Prozent.

Die Nestlé Zukunftsstudie verdichtet die unterschiedlichen Entwicklungen in fünf Szenarien. Sie sind nicht als konkurrierende Prognosen angelegt, sondern können sich überschneiden und je nach Lebenssituation unterschiedlich relevant werden:

  • Genuss & Gemeinschaft: Essen bleibt Quelle von Lebensqualität, Geschmack und sozialem Miteinander.

  • Preventive Health: Ernährung wird stärker an individuellen Gesundheitszielen und persönlichen Daten ausgerichtet.

  • Klimarealismus: Knappere Ressourcen, Preissteigerungen und veränderte Verfügbarkeiten führen zu pragmatischeren Ernährungsentscheidungen.

  • Seamless Convenience: KI und Automatisierung übernehmen zunehmend Einkauf und Alltagsorganisation.

  • Bio-Hacking: Funktionale Ernährung, Körperdaten und technologische Unterstützung rücken stärker in den Mittelpunkt.

Für die Lebensmittelwirtschaft zeichnet sich damit vor allem eines ab: Die Anforderungen könnten gleichzeitig steigen. Produkte sollen verfügbar und bezahlbar bleiben, Gesundheitsbedürfnisse berücksichtigen und sich einfach in den Alltag integrieren lassen. Technologie kann dabei unterstützen. Beim Geschmack wollen die Verbraucher:innen laut Studie jedoch kaum Abstriche machen.

Die wichtigsten Studienergebnisse

  • 65 % der Befragten erwarten knappere und teurere Lebensmittel
  • 55 % rechnen mit Anpassungen der Ernährung an Klimafolgen
  • 43 % würden bei knappen Rohstoffen Alternativen nutzen
  • 68 % sehen Bezahlbarkeit und Verfügbarkeit als Voraussetzung für nachhaltige Ernährung
  • 67 % sagen, sie sollten sich gesünder ernähren
  • 46 % befürworten KI als persönlichen Ernährungsberater
  • 42 % würden KI zur Auswertung von Gesundheitsdaten nutzen
  • 40 % befürchten Kontrollverlust durch KI
  • 92 % sehen Essen als wichtige Quelle von Genuss
  • 81 % sagen, Essen sei mit anderen am schönsten
  • 78 % finden, dass Essen auch künftig gut schmecken muss

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Die wichtigsten Studienergebnisse

  • 65 % der Befragten erwarten knappere und teurere Lebensmittel
  • 55 % rechnen mit Anpassungen der Ernährung an Klimafolgen
  • 43 % würden bei knappen Rohstoffen Alternativen nutzen
  • 68 % sehen Bezahlbarkeit und Verfügbarkeit als Voraussetzung für nachhaltige Ernährung
  • 67 % sagen, sie sollten sich gesünder ernähren
  • 46 % befürworten KI als persönlichen Ernährungsberater
  • 42 % würden KI zur Auswertung von Gesundheitsdaten nutzen
  • 40 % befürchten Kontrollverlust durch KI
  • 92 % sehen Essen als wichtige Quelle von Genuss
  • 81 % sagen, Essen sei mit anderen am schönsten
  • 78 % finden, dass Essen auch künftig gut schmecken muss

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