Die neue PISA-Studie stellt Deutschland in allen drei klassischen Kompetenzbereichen ein schwächeres Zeugnis aus als noch 2022. Die 15-Jährigen erreichen 486 Punkte in Naturwissenschaften, 465 beim Lesen und 464 in Mathematik. Das entspricht Rückgängen von sieben, 15 beziehungsweise elf Punkten. Beim computergestützten Problemlösen kommt Deutschland auf 498 Punkte. Besonders auffällig: 20,7 Prozent der Schüler:innen bleiben in Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik gleichzeitig unter dem Grundkompetenzniveau.
Für Deutschland geht es dabei um mehr als einen Platz im internationalen Bildungsranking. Die heute getesteten Jugendlichen werden in wenigen Jahren Ausbildungen beginnen, Hochschulen besuchen und in Unternehmen arbeiten. Die Ergebnisse geben damit auch Hinweise darauf, mit welchen Grundkompetenzen ein Teil der nächsten Generation in die Arbeitswelt startet.
PISA 2025 zeigt ein internationales Bildungsproblem
Die Entwicklung betrifft nicht nur Deutschland. Im OECD-Durchschnitt erreichten die Schüler:innen 2025 in Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik die niedrigsten Werte, die seit Beginn der jeweiligen PISA-Messungen beobachtet wurden. Besonders die Lesekompetenz hat sich langfristig verschlechtert. In Mathematik setzte nach 2018 ein besonders deutlicher Rückgang ein.
An der Spitze des internationalen Vergleichs stehen weiterhin asiatische Bildungssysteme. Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang sowie Singapur erzielten in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen die besten Ergebnisse. Auch Estland, Japan, Korea, Macau, Chinesisch Taipei und das Vereinigte Königreich gehörten in allen drei Bereichen zu den zehn leistungsstärksten Bildungssystemen.
Bemerkenswert ist dabei eine weitere Erkenntnis der OECD: Hohe Bildungsausgaben allein garantieren keine guten Ergebnisse. Das Volksvermögen erklärt laut PISA nur etwa die Hälfte der Leistungsunterschiede zwischen den Ländern. Bildungspolitik und die Verwendung der verfügbaren Mittel sind demnach entscheidender als die reine Höhe der Ausgaben.
Warum Lesen im KI-Zeitalter wichtiger wird
Besonders relevant für die Arbeitswelt ist die Entwicklung beim Lesen. Die OECD stellt ausgerechnet bei Fähigkeiten einen Rückgang fest, die sie im KI-Zeitalter für besonders wichtig hält: Informationen bewerten, verschiedene Quellen miteinander verbinden und kritisch über Gelesenes nachdenken.
Gleichzeitig hat sich der Anteil der sogenannten "flüchtig Lesenden" zwischen 2018 und 2025 nahezu verdoppelt. Gemeint sind Schüler:innen, die Texte schnell überfliegen und anschließend rasch, aber falsch antworten.
Für Unternehmen ist das relevant, weil generative KI zwar Informationen erzeugen und aufbereiten kann, die Bewertung dieser Ergebnisse aber weiterhin beim Menschen liegt. Wer KI im Arbeitsalltag produktiv einsetzen will, muss Quellen einordnen, Widersprüche erkennen und Ergebnisse kritisch überprüfen können. Dass bei diesen Kompetenzen bereits heute Nachholbedarf besteht, zeigt auch eine Studie zu KI-Kompetenzen in deutschen Unternehmen.
Auch PISA selbst untersucht inzwischen den Umgang mit künstlicher Intelligenz. Die Ergebnisse zeigen allerdings kein einfaches Muster. Schüler:innen, die KI für konkrete Schulaufgaben einsetzen, schneiden teilweise schlechter ab als Jugendliche, die darauf verzichten. Gleichzeitig fallen die Ergebnisse tendenziell besser aus, wenn eine häufige KI-Nutzung mit Möglichkeiten zum Erwerb von KI-Kompetenzen verbunden ist. Die OECD warnt zudem davor, dass daraus eine neue soziale Kluft entstehen könnte, weil entsprechende Lernmöglichkeiten häufiger sozioökonomisch begünstigten Schüler:innen zur Verfügung stehen.
Was PISA 2025 für die Fachkräfte von morgen bedeutet
Die wirtschaftliche Dimension der Ergebnisse liegt damit nicht allein in einzelnen Punktwerten. Die heute getesteten 15-Jährigen werden in wenigen Jahren eine Ausbildung beginnen, studieren oder unmittelbar in den Arbeitsmarkt eintreten. Lesen, Mathematik, Problemlösung und der kritische Umgang mit Informationen werden dann nicht nur in Prüfungen verlangt, sondern im beruflichen Alltag.
Genau hier trifft PISA auf eine Diskussion, die Unternehmen bereits beschäftigt. Aktuelle Untersuchungen zur Arbeitsplatzreife der Generation Z zeigen, dass Führungskräfte bei jungen Akademiker:innen Defizite in der Berufsvorbereitung sehen. Dabei geht es unter anderem um Soft Skills wie Resilienz, Teamfähigkeit und Kommunikation.
Gleichzeitig verändert KI die Anforderungen an junge Beschäftigte. Sie müssen digitale Werkzeuge nicht nur bedienen, sondern deren Ergebnisse beurteilen können. Das ist umso relevanter, weil KI für Teile der jungen Generation bereits zum festen Bestandteil des Berufsalltags geworden ist. Mehr als jede:r vierte Beschäftigte der Generation Z in Deutschland könnte den eigenen Job nach eigener Einschätzung ohne KI nicht mehr erledigen.
Die PISA-Ergebnisse lassen sich zwar nicht unmittelbar auf die spätere berufliche Leistungsfähigkeit einzelner Jugendlicher übertragen. Die OECD selbst stellt jedoch einen Zusammenhang zur Arbeitswelt her: Junge Menschen benötigen Kenntnisse, Kompetenzen und Handlungsfähigkeiten, um im Leben und am Arbeitsplatz erfolgreich zu sein und an lebenslangem Lernen teilzunehmen.
Damit wird PISA auch für Unternehmen zu einem Frühindikator. Nicht dafür, wie groß der Fachkräftemangel in einigen Jahren sein wird – das untersucht die Studie nicht. Sie zeigt vielmehr, wie sich grundlegende Fähigkeiten jener Generation entwickeln, aus der Unternehmen einen Teil ihrer künftigen Auszubildenden, Studierenden und Beschäftigten gewinnen werden.
Auch Lernmotivation entscheidet
PISA 2025 betrachtet deshalb nicht nur fachliche Leistungen. Untersucht werden auch Neugier, Beharrlichkeit, Zielorientierung, Hilfesuchverhalten und kognitive Anpassungsfähigkeit. Damit rücken Fähigkeiten in den Fokus, die über klassisches Schulwissen hinausgehen.
Auch das Lernumfeld spielt eine Rolle. Digitale Geräte sind nach den Ergebnissen nicht grundsätzlich gut oder schlecht für die Leistung. Eine begrenzte oder moderate Nutzung für Lernzwecke geht häufig mit besseren Ergebnissen einher. Werden Smartphones, Tablets oder Computer dagegen zum Zeitvertreib während der Schulzeit verwendet, fallen die Leistungen deutlich niedriger aus. 28 Prozent der Schüler:innen berichten im OECD-Durchschnitt, dass Mitschüler:innen in jeder oder fast jeder Naturwissenschaftsstunde durch digitale Geräte abgelenkt werden.
Für Schulen wie Unternehmen ergibt sich daraus eine ähnliche Herausforderung: Technologie allein schafft noch keine Kompetenz. Entscheidend ist, ob Menschen lernen, digitale Werkzeuge gezielt einzusetzen, Informationen zu bewerten und ihr Wissen auf neue Probleme zu übertragen.
Die Ergebnisse sind deshalb nicht nur für Schulen und Bildungspolitik relevant. Auch Unternehmen sollten genau hinsehen. Sie brauchen Beschäftigte, die Informationen erfassen, Probleme lösen, mathematische Zusammenhänge verstehen und digitale Werkzeuge kritisch nutzen können.
Die Fachkräfte von morgen sitzen heute im Klassenzimmer. Genau deshalb sind Deutschlands PISA-Ergebnisse auch eine Nachricht für die Wirtschaft.
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