Doppelter Neustart in Cupertino
Was die Welt von Apples Keynote am 9. September erwartet

Neuer CEO, erstes faltbares iPhone und eine neue Strategie für Apples wichtigstes Produkt: Die Keynote am 9. September könnte zum größten Einschnitt seit dem iPhone X werden. Für John Ternus wird der Abend zugleich zur ersten großen Bewährungsprobe als Nachfolger von Tim Cook.

Am 9. September blickt die Tech-Welt nach Cupertino. Apple lädt zur traditionellen Herbst-Keynote – doch diesmal geht es um mehr als schnellere Chips, bessere Kameras und neue Apple Watches. Der Konzern könnte sein erstes faltbares iPhone präsentieren. Gleichzeitig wird John Ternus erstmals als neuer CEO die große Apple-Bühne betreten.

Die italienische Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore zieht bereits den Vergleich mit 2017. Damals präsentierte Apple das iPhone X, verabschiedete sich vom Home-Button und führte Face ID ein. Es war der Beginn jener Designsprache, die das iPhone bis heute prägt. Nun könnte Apple sein wichtigstes Produkt erneut grundlegend verändern.

John Ternus muss liefern

Nach 15 Jahren Tim Cook hat John Ternus am 1. September den CEO-Posten übernommen. Nur acht Tage später folgt sein erster großer Auftritt. Das manager magazin erwartet neben der 18. iPhone-Generation und einem faltbaren Modell auch neue Apple Watches sowie leistungsfähigere Versionen von Siri und Apple Intelligence.

Ternus kennt Apple von innen. Der Maschinenbauingenieur kam 2001 zum Konzern und leitete zuletzt als Senior Vice President of Hardware Engineering die Hardwareentwicklung. Er war unter anderem an iPads, AirPods sowie zahlreichen Generationen von iPhone, Mac und Apple Watch beteiligt. Nun muss der Produktmann zeigen, ob er Apple auch als Konzernchef führen kann.

Das erste faltbare iPhone. iPhone Ultra?

Die größte Aufmerksamkeit dürfte einem Gerät gehören, das es bei Apple bislang nicht gab. Medienrecherchen zufolge soll das erste faltbare iPhone außen über ein 5,5-Zoll-Display verfügen. Aufgeklappt könnte ein 7,8 Zoll großer Bildschirm im 4:3-Format zum Vorschein kommen. Mit angeblich nur 4,5 Millimetern soll das Gerät geöffnet extrem dünn sein.

Dafür könnte Apple Abstriche machen: Statt drei Kameras wie bei den Pro-Modellen sollen nur zwei verbaut werden. Auch Face ID könnte fehlen. Beim Namen wird über "iPhone Ultra" spekuliert.

Bis zu 2.500 Dollar

Ein Massenprodukt dürfte das Foldable zunächst nicht werden. Apple-Analyst Ming-Chi Kuo und Bloomberg-Journalist Mark Gurman rechnen mit einem Preis zwischen 2.000 und 2.500 Dollar. Hinzu kommen begrenzte Produktionskapazitäten. Kuo hält es deshalb für möglich, dass das Gerät zwar im September vorgestellt wird, aber erst im Frühjahr 2027 in größeren Stückzahlen erhältlich ist.

Auch die bisherige iPhone-Strategie könnte Apple ändern. Erwartet werden am 9. September das iPhone 18 Pro, das iPhone 18 Pro Max und das Foldable. Das reguläre iPhone 18 könnte dagegen erst Anfang 2027 folgen.

Warum Apple gerade jetzt faltet

Apple ist spät dran. Samsung und Huawei brachten ihre ersten Foldables bereits 2019 auf den Markt. Doch der kleine Markt wächst. Foldables machten 2025 zwar erst 1,6 Prozent des weltweiten Smartphone-Absatzes aus. Mit 19,6 Millionen Geräten legten die Auslieferungen aber um 18 Prozent zu. Für 2026 erwartet Counterpoint Research ein weiteres Plus von 21 Prozent.

Besonders wichtig ist China. Huawei erreichte dort im zweiten Quartal 2026 einen Smartphone-Marktanteil von 23 Prozent und steigerte seine Verkäufe binnen eines Jahres um 24 Prozent. Zudem ist der chinesische Konzern bei Foldables stark. Für Apple geht es damit auch darum, Huawei im lukrativen Premiumsegment etwas entgegenzusetzen.

Ternus erbt auch Apples KI-Problem

Neben der Hardware wartet eine zweite Baustelle: künstliche Intelligenz. Apple kämpft darum, Siri und Apple Intelligence gegenüber Google, OpenAI und anderen Wettbewerbern aufzuholen. Das manager magazin bezeichnet KI als wahrscheinlich größte strategische Bewährungsprobe für Ternus. Apple greift inzwischen teilweise auf Gemini-Technologie und Cloud-Infrastruktur von Google zurück.

Ternus muss zeigen, wie Apple iPhone, Siri und Apple Intelligence zu einem überzeugenden Produkt für das KI-Zeitalter verbindet.

Dabei übernimmt Ternus beileibe keinen Sanierungsfall. Apple meldete zuletzt 109,4 Milliarden Dollar Quartalsumsatz und 29,8 Milliarden Dollar Gewinn – Zuwächse von 16 beziehungsweise 27 Prozent. Doch genau das erhöht den Druck. Tim Cook hat aus Apple eine gewaltige Ertragsmaschine gemacht. Was weiterhin fehlt, ist ein neuer Wachstumsmotor von der Größenordnung des iPhones.

Cook bleibt als Executive Chairman an Bord und soll Ternus beraten.

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