Personal Assistant
ChatGPT übernimmt jetzt Ihre Nachrichten

ChatGPT kann jetzt iMessages auf dem Mac durchsuchen, Antworten formulieren und Nachrichten verschicken. Das neue Apple-Messages-Plugin zeigt, wie OpenAI ChatGPT vom Antwortbot zum persönlichen Assistenten umbaut. Dafür braucht die KI allerdings weitreichende Zugriffsrechte.

Eine Nachricht vom Kollegen ist untergegangen, einem Freund wollte man längst antworten und irgendwo im Chat steht ein Geburtstag, der noch nicht im Kalender ist. Künftig kann ChatGPT solche Aufgaben übernehmen.

OpenAI hat ChatGPT mit einem Plugin für Apples Nachrichten-App ausgestattet. Seit dem 20. August kann die KI auf kompatiblen Macs Nachrichten durchsuchen, Antworten vorbereiten und über Apples Messages-App verschicken. OpenAI bestätigt die Funktion in seinen Release Notes. Damit liefert die KI nicht mehr nur Antworten. Sie handelt.

ChatGPT sucht nach offenen Nachrichten

Nutzer können ChatGPT etwa auffordern, nach Unterhaltungen zu suchen, in denen noch eine Antwort aussteht. Die KI kann den Kalender prüfen, freie Termine finden und daraus eine Nachricht mit Terminvorschlägen erstellen. Auch Geburtstage lassen sich in Chats aufspüren und in den Kalender übertragen.

Die Funktion beschränkt sich nicht auf iMessage. Über Apples Messages-App kann ChatGPT auch SMS- und RCS-Unterhaltungen einbeziehen.

Aus "Schreib mir eine Antwort" wird damit ein "Finde heraus, wem ich antworten muss."

Die KI darf Nachrichten verschicken

ChatGPT kann die fertige Nachricht auch verschicken. Standardmäßig muss der Nutzer Nachricht und Empfänger vorher bestätigen. OpenAI warnt jedoch ausdrücklich davor, der KI dauerhaft das Versenden ohne Bestätigung zu erlauben.

Für Unternehmen gibt es eine zusätzliche Sicherung: Administratoren von Business-Workspaces können den Zugriff auf Apple Messages über die "Computer Use"-Kontrollen sperren.

Dafür braucht ChatGPT weitreichende Rechte

Der Komfort hat einen Preis. ChatGPT benötigt auf dem Mac umfangreiche Systemberechtigungen. Dazu gehört laut MacRumors "Full Disk Access", also vollständiger Festplattenzugriff. Hinzu kommen Rechte für Kontakte und Automatisierungsfunktionen.

Damit stellt sich eine zentrale Frage: Wie viel Zugriff will man einem KI-Assistenten auf die eigene Kommunikation geben?

Bloomberg berichtete nach der Veröffentlichung über Datenschutzbedenken. OpenAI erklärte gegenüber dem Wirtschaftsdienst, das Plugin arbeite lokal auf dem Computer und erstelle keinen Index der Nachrichten. Die Behauptung, sämtliche iMessages würden einfach auf OpenAI-Server kopiert, wäre deshalb falsch.

Vom Chatbot zum handelnden Assistenten

Die größere Geschichte steckt aber ohnehin hinter dem Feature. Bisher musste der Nutzer die Informationen zur KI bringen: Nachricht kopieren, Kontext erklären, Antwort erstellen lassen, wieder kopieren und verschicken. Jetzt bekommt ChatGPT Zugriff auf das Werkzeug selbst. Somit werden aus Chatbots werden zunehmend Agenten, die Programme bedienen, Informationen suchen und Aufgaben erledigen.

Nachrichten eignen sich dafür besonders gut. In ihnen stecken Termine, Kontakte, Absprachen, Aufgaben und Erinnerungen – genau jene Informationen, die ein persönlicher Assistent benötigt.

Noch ist der Zugang begrenzt. Voraussetzung sind ein Mac mit Apple Silicon und die ChatGPT-App für macOS. Das Messages-Plugin steht laut OpenAI für alle ChatGPT-Pläne zur Verfügung, lässt sich derzeit aber nur in ChatGPT Work und Codex einsetzen.

Der Komfort hat eine Kehrseite

Gerade Nachrichten gehören jedoch zu den sensibelsten Daten auf einem Computer. Sie enthalten private Gespräche, Namen, Termine, Geschäftsinformationen und Daten von Menschen, die selbst nie entschieden haben, ihre Informationen mit einer KI zu teilen.

Dass das Plugin lokal arbeitet und keinen Nachrichtenindex erstellt, beseitigt deshalb nicht jede Datenschutzfrage. Entscheidend ist auch, welche Inhalte für eine konkrete KI-Anfrage verarbeitet werden und welche Regeln für den jeweiligen ChatGPT-Tarif gelten.

Für Unternehmen ist das besonders relevant. In Chats können Kundendaten, interne Informationen oder vertrauliche Absprachen stecken. Dass Administratoren den Zugriff komplett sperren können, dürfte deshalb kein unwichtiges Detail sein.

Am Ende zeigt die Neuheit das Grundproblem persönlicher KI-Assistenten: Je mehr sie für uns erledigen sollen, desto mehr müssen sie über uns wissen.

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