freelancermap hat gefragt
Mit über 50 in die Selbstständigkeit: Neustart oder Notwendigkeit?

| Redaktion 
| 10.08.2026

Mehr Freiheit, mehr Kontrolle über die eigene Zeit, weniger Abhängigkeit von Vorgesetzten: Die gängigen Vorzüge der Selbstständigkeit sind wohlbekannt. Allerdings wird gut ein Drittel der frischgebackenen Freelancer über 50 nicht allein durch den Wunsch nach Unabhängigkeit motiviert – sie haben schlichtweg keine passende Festanstellung mehr gefunden. Immerhin: Die meisten scheinen mit ihrem Schritt zufrieden zu sein.

Wer jenseits der 50 den Arbeitgeber wechseln muss oder möchte, steht häufig vor besonderen Herausforderungen. Obwohl Unternehmen gern und regelmäßig die Bedeutung von Erfahrung, Fachwissen oder langjähriger Berufspraxis betonen, berichten viele ältere Suchende von langwierigen Bewerbungsprozessen, ausbleibenden Rückmeldungen und dem Eindruck, gegenüber jüngeren Kandidaten ins Hintertreffen zu geraten.

Für manche stellt die Selbstständigkeit unter diesen Gesichtspunkten keine Alternative, sondern einen notwendigen Neuanfang dar – ein Weg, berufliche Erfahrung weiterhin einzubringen, ohne von Personalabteilungen abhängig zu sein.

Wie häufig mangelnde Aussicht auf eine Festanstellung tatsächlich hinter diesem Schritt steht und wie zufrieden Ü50-Selbstständige im Nachhinein mit ihrer Entscheidung sind, beleuchtet eine Auswertung von freelancermap nun näher.

Beweggrund prägt die eigene Bewertung

Die nach eigenen Angaben größte Freelancing-Plattform im deutschsprachigen Raum hat dazu insgesamt 164 Personen befragt, die sich mit mindestens 50 Jahren Lebenserfahrung in die Selbstständigkeit gewagt haben.

Von ihnen geben 32 Prozent an, "keine passende Festanstellung mehr gefunden" und deshalb auf eigene Faust ihr berufliches Glück gesucht zu haben. Tragender Beweggrund ist daneben der klassische Wunsch nach mehr Freiheit, Flexibilität und Selbstbestimmung.

freelancermap zufolge wirkt es sich auf die rückwirkende Betrachtung der Entscheidung aus, ob diese proaktiv und im Interesse der Gestaltung oder aber als Reaktion auf eine Flaute getroffen wurde – in letzteren Fällen sei die Bewertung der Befragten stärker von der aktuellen Auftragslage geprägt.

Unterm Strich überwiegt allerdings klar die Zufriedenheit, schließlich würden ganze 85 Prozent im Zweifelsfall wieder so handeln.

23 Prozent nahmen "Altersdiskriminierung und Vorurteile" wahr

Unter den inzwischen Selbstständigen Ü50 wurde demnach mehrfach von "langwieriger und intransparenter" Jobsuche erzählt; von hohen Bewerbungszahlen und ernüchternden Rückmeldequoten. freelancermap mutmaßt, dass digitale Auswahlprozesse die Situation durch automatisierte Vorselektionen weiter verschärfen könnten.

"In den Freitext-Aussagen entfallen 27 Prozent der Nennungen auf 'Akquise und Projektsuche schwierig', weitere 23 Prozent auf 'Altersdiskriminierung und Vorurteile'", schildert Thomas Maas, der CEO der Plattform.

"Wenn Profile und Schlagwörter über Einladungen entscheiden und Feedback ausbleibt, lassen sich Absagen schwer einordnen. Für Betroffene kann das wie ein impliziter Altersfilter wirken, auch wenn sich aus der Befragung keine technische Ursache belegen lässt", so Maas weiter.

Insgesamt waren 70 Prozent der Befragten vor ihrem Gang in die Selbstständigkeit mindestens 21 Jahre lang festangestellt. Die meisten von ihnen wiederum sind in den frühen Fünfzigern ihr eigener Chef geworden.

  • Im Alter von 50 bis 54 Jahren: 68 Prozent
  • Im Alter von 55 bis 59 Jahren: 25 Prozent
  • Im Alter von mindestens 60 Jahren: Sieben Prozent

Thomas Maas schließt mit einem positiven Fazit: "Eines sehen wir eindeutig: Den Schritt in die Selbstständigkeit bereuen die Wenigsten. Heißt: Wer einmal Freelancer ist, scheint damit ziemlich zufrieden zu sein. Ein heftiger Unterschied zu vielen anderen Formen der Arbeit."

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