Health Industry
Am 1. September startet die Abnehmpille in Deutschland

Novo Nordisk bringt Wegovy ab 1. September auch als Tablette auf den deutschen Markt. Deutschland wird damit das erste EU-Land, in dem die neue Abnehmpille erhältlich ist. Der Pharmakonzern setzt große Hoffnungen auf das Präparat – doch an der Börse hält sich die Euphorie trotz des boomenden Geschäfts mit Abnehm-Medikamenten in Grenzen.

Bislang ist Wegovy als wöchentliche Spritze bekannt. Die neue Tablette enthält ebenfalls den Wirkstoff Semaglutid, wird allerdings einmal täglich eingenommen. Die Dosierung wird schrittweise erhöht.

Alternative für Menschen mit Angst vor Spritzen

Mit der Tablette will Novo Nordisk auch jene Menschen erreichen, die vor einer Injektion zurückschrecken. Ein weiterer Vorteil: Während die Spritze gekühlt werden muss, ist dies bei der Tablette nicht notwendig. Preislich soll sich allerdings zunächst wenig ändern. Die Pille werde ungefähr gleich viel kosten wie die Wegovy-Spritze.

Wie groß das Marktpotenzial ist, zeigt der Blick in die USA. Dort wird die Wegovy-Pille bereits seit Januar 2026 ausgegeben und wurde inzwischen mehr als fünf Millionen Mal verschrieben. Der Konkurrenzkampf bleibt jedoch intensiv: Vor allem der US-Pharmakonzern Eli Lilly baut sein Geschäft mit Medikamenten gegen Adipositas weiter aus.

Novo Nordisk fordert Kostenübernahme

Novo Nordisk drängt gleichzeitig darauf, Adipositas stärker als chronische Erkrankung zu behandeln. Deutschlandchef Jesper Larsen sagte gegenüber der Bild Zeitung: "Adipositas ist eine anerkannte schwere chronische Erkrankung und keine Lifestyle-Frage."

Auch Konzernchef Doustdar hält die öffentliche Debatte über Übergewicht für verkürzt. "Die gesellschaftliche Debatte ist zu simpel", konstatiert er. Neben dem Verhalten spielten unter anderem genetische, biologische und stoffwechselbedingte Faktoren eine Rolle. Für medizinisch notwendige Behandlungen fordert der Konzern deshalb auch eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen.

Kommt als nächstes die wöchentliche Pille?

Technologisch dürfte die tägliche Tablette erst der Anfang sein. "Vielleicht wird es eine wöchentliche Pille geben", sagt Doustdar gegenüber Bild.

Auch Spritzen, die nur monatlich, vierteljährlich oder sogar jährlich verabreicht werden müssen, hält der Konzernchef für denkbar. Novo Nordisk prüft zudem eine Implantat-Technologie des US-Unternehmens Vivani, mit der Wirkstoffe über längere Zeit unter der Haut abgegeben werden könnten.

Aktie kommt nicht richtig in Fahrt

Auch wirtschaftlich bleibt das Geschäft mit Abnehm-Medikamenten für Novo Nordisk ein zentraler Wachstumstreiber. Die internationalen Umsätze mit Adipositas-Präparaten stiegen zuletzt um 37 Prozent. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerbs- und Preisdruck hoch, vor allem durch den US-Rivalen Eli Lilly. An der Börse konnte die Aktie von der operativen Dynamik bislang nur teilweise profitieren.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV