Systemgastronomie
Zwei Sterneköche wollten Fast Food besser machen – wie Goldies zur bundesweiten Kette wurde

| Natalie Oberhollenzer 
| 20.08.2026

2017 eröffneten zwei ehemalige Sterneköche in Berlin-Kreuzberg eine Pommesbude. Heute betreibt Goldies 19 Filialen in Deutschland, hat nach eigenen Angaben mehr als fünf Millionen Burger verkauft.. Hinter dem Aufstieg steckt eine ungewöhnliche Mischung aus Spitzengastronomie, Fast Food und ziemlich gutem Marketing.

Vladislav Gachyn und Kajo Hiesl wussten, was Stress in der Küche bedeutet. Die beiden Köche hatten gemeinsam im Drei-Sterne-Restaurant Aqua in Wolfsburg gearbeitet. 2017 wechselten sie gewissermaßen das andere Ende der gastronomischen Nahrungskette: In der Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg eröffneten sie eine Pommesbude.

Die Idee dahinter war allerdings weniger banal. Gachyn und Hiesl störte, dass in Deutschland zwar Unmengen Pommes gegessen wurden, sich mit deren Zubereitung aber kaum jemand ernsthaft beschäftigte.

Also wandten sie Methoden und Detailversessenheit aus der Spitzengastronomie auf Fast Food an. Kartoffelsorte, Lagertemperatur, Frittierdauer und Öl wurden optimiert. Die ersten Jahre standen die Gründer nach eigenen Angaben bis zu 80 Stunden pro Woche selbst an der Fritteuse, wie der Tagesspiegel 2024 berichtete.

Der Smashburger brachte den Durchbruch

Der entscheidende Schritt kam 2021. Goldies eröffnete eine zweite Filiale und setzte dort auf Smashburger. Bei dieser ursprünglich amerikanischen Zubereitung wird das Fleisch auf einer sehr heißen Grillplatte flachgedrückt. Dadurch entsteht eine kräftige Kruste mit Röstaromen.

Goldies erklärt heute selbst, man habe damals "Smashburger auf die Berliner Speisekarte" gebracht. Die Gründer übertrugen dabei ihr Prinzip von den Pommes auf den Burger: Fast Food sollte nach Fast Food aussehen und schmecken – nur mit besseren Zutaten und möglichst präziser Zubereitung. Hausgemachte Saucen und selbst eingelegte Gurken gehören bis heute zum Konzept.

Der Ansatz funktionierte. Als der Tagesspiegel Goldies im Juni 2024 porträtierte, beschäftigte das Unternehmen bereits rund 70 Menschen und betrieb fünf Filialen. Neue Standorte in Berlin sowie Franchise-Restaurants in Frankfurt, Düsseldorf, München und Hamburg waren angekündigt.

Aus fünf Filialen wurden 19

Zwei Jahre später ist aus dem Plan tatsächlich eine bundesweite Kette geworden.

Goldies gibt aktuell 19 Filialen in Deutschland an. Auf seiner Franchise-Seite spricht das Unternehmen zudem von mehr als 7.500 Kunden pro Tag und über fünf Millionen verkauften Burgern. Die Angaben stammen vom Unternehmen selbst und sind nicht durch veröffentlichte Geschäftszahlen bestätigt. Damit hat Goldies die Zahl seiner Standorte seit Mitte 2024 fast vervierfacht.

Franchise spielt dabei eine zentrale Rolle. Goldies wirbt mittlerweile aktiv um Partner und beschäftigt einen eigenen Franchise-Manager, der neue Betreiber von der Vertragsunterzeichnung über Schulungen bis zur Eröffnung begleiten soll.

2025 wurde zudem Uber Eats zum exklusiven Lieferpartner. Damals kündigte Geschäftsführer Jasko Celebic weitere Eröffnungen in deutschen Städten an. Die Kooperation sollte jeweils auf neue Goldies-Standorte ausgeweitet werden.

Das große M als Vorbild

Interessant ist, dass die beiden Gründer nie so getan haben, als wollten sie den Burger neu erfinden. Schon 2024 schrieb der Tagesspiegel, dass der klassische Goldies-Cheeseburger geschmacklich durchaus an McDonald's erinnert – allerdings mit hochwertigeren Zutaten und aufwendigerer Zubereitung. Der Preis liegt entsprechend höher.

Genau darin steckt ein Teil des Erfolgs: Goldies verkauft kein Gourmetgericht, das zufällig wie Fast Food aussieht. Verkauft wird bewusst Fast Food – nur mit dem Qualitätsanspruch von Köchen, die aus der Spitzengastronomie kommen. Dazu kommt eine zweite Zutat, die mit Kochen wenig zu tun hat: Goldies hat sich früh als Marke inszeniert.

Der Slogan "Best Bad Food in Town" stammt ursprünglich von der Berliner Agentur Dojo. Mittlerweile produziert Goldies seine Inhalte selbst. Seit 2023 betreibt das Unternehmen einen eigenen YouTube-Kanal. Blockpartys, Pop-ups und Kooperationen mit anderen Marken sollen Goldies nach eigener Darstellung mit Musik, Mode und Kunst verbinden.

Von der Pommesbude ins Nobelkaufhaus

Wie weit sich die Marke inzwischen von ihren Anfängen entfernt hat, zeigt ausgerechnet ein Standort in Berlin.

2025 eröffnete Goldies eine eigene Bar in der sechsten Etage des KaDeWe. Das Konzept orientiert sich an klassischen amerikanischen Diners. Statt ausschließlich Smashburger über den Tresen zu reichen, verbindet die Goldies Bar "Fine Fast Food" mit Cocktails. Gemeinsam mit der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin entstanden sogar eigene Teller für das Restaurant.

Damit reicht die Goldies-Welt heute von der ursprünglichen Kreuzberger Pommesbude bis zum bekanntesten Luxuskaufhaus Deutschlands.

Die Gründer beschreiben ihre ursprüngliche Mission inzwischen mit den Worten: "Gourmet für alle".

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