KI mit Grenzen
Führungskräfte bremsen KI bei wichtigen Entscheidungen

| Redaktion 
| 18.08.2026

Künstliche Intelligenz darf in deutschen Unternehmen längst mehr als nur assistieren. Doch sobald Geld, Personal oder Strategie ins Spiel kommen, sinkt das Vertrauen deutlich. Eine aktuelle Expleo-Studie zeigt, welche Aufgaben Führungskräfte bereits autonomer KI überlassen würden – und wo menschliche Kontrolle für die Mehrheit weiterhin entscheidend bleibt.

Künstliche Intelligenz gewinnt in deutschen Unternehmen an Verantwortung – allerdings nicht grenzenlos. 71 Prozent der Führungskräfte fühlen sich wohl damit, wenn KI eigenständig Dokumente oder Besprechungsnotizen zusammenfasst. Bei strategischen Geschäftsentscheidungen sinkt dieser Anteil dagegen auf 43 Prozent.

Das zeigt die aktuelle Ausgabe des "Expleo AI Pulse". Die Ergebnisse folgen einem klaren Muster: Je größer die möglichen Folgen einer Entscheidung, desto geringer ist die Bereitschaft, sie vollständig einer KI zu überlassen. Dass Fragen nach Strategie und Zuständigkeiten beim KI-Einsatz schon länger offen sind, zeigte bereits eine Umfrage aus dem vergangenen Jahr: Demnach hatte jedes dritte Unternehmen keine klare KI-Strategie.

Routineaufgaben genießen deutlich mehr Vertrauen

Besonders hoch ist die Akzeptanz bei klar strukturierten und leicht überprüfbaren Aufgaben. 68 Prozent der Befragten würden KI Kalender organisieren und Meetings planen lassen. 65 Prozent können sich vorstellen, dass sie Aufgaben priorisiert und nächste Schritte empfiehlt.

Auch administrative Maßnahmen mit geringem Risiko würde eine Mehrheit der KI überlassen: 57 Prozent fühlen sich damit wohl. Entscheidungen innerhalb klar definierter Regeln kommen auf 55 Prozent Zustimmung.

"Unternehmen vertrauen KI dort, wo Prozesse klar definiert und nachvollziehbar sind. Die Technologie wird nicht mehr nur als Unterstützung verstanden, sondern übernimmt zunehmend eigenständig konkrete Aufgaben", sagt Yusuf Erdogan, Country Lead Digital & Technology bei Expleo Deutschland.

Aus Sicht des Unternehmens liegt die Grenze weniger beim Aufgabentyp als bei den möglichen Konsequenzen einer Fehlentscheidung.

Bei Finanzen, Personal und Strategie sinkt die Zustimmung

Sobald Entscheidungen unmittelbar finanzielle, personelle oder strategische Folgen haben, verändert sich das Bild deutlich. Nur 44 Prozent der Führungskräfte fühlen sich damit wohl, wenn KI Finanz- oder Budgetvorgänge eigenständig genehmigt.

Ebenso hoch fällt die Zustimmung bei Personal- oder Einstellungsentscheidungen aus. Strategische Geschäftsentscheidungen erreichen mit 43 Prozent den niedrigsten Wert der abgefragten Einsatzfelder.

Zwischen dem Zusammenfassen von Dokumenten und autonomen Strategieentscheidungen liegen damit 28 Prozentpunkte.

"Ein zusammengefasstes Protokoll lässt sich korrigieren, eine falsche Entscheidung über das Budget nicht ohne Weiteres", sagt Erdogan. Aus seiner Sicht geht es deshalb nicht darum, möglichst viele Aufgaben an KI zu übertragen, sondern geeignete Einsatzfelder zu definieren und für Entscheidungen mit weitreichenden Folgen klare Regeln festzulegen.

Dass die Wahl der Einsatzfelder entscheidend sein kann, zeigte bereits eine MIT-Studie aus dem vergangenen Jahr. Demnach blieben 95 Prozent der untersuchten KI-Pilotprojekte beim wirtschaftlichen Nutzen hinter den Erwartungen. Für Unternehmen rückt damit neben der Effizienz auch die Governance in den Fokus: Je näher KI an geschäftskritische Entscheidungen rückt, desto stärker bleibt menschliche Kontrolle gefragt.

Grundstimmung gegenüber KI bleibt positiv

Die Zurückhaltung bei sensiblen Entscheidungen geht laut Studie nicht mit einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber Künstlicher Intelligenz einher.

69 Prozent der deutschen Führungskräfte freuen sich über die Chancen, die KI ihrem Unternehmen eröffnet. 73 Prozent sind zudem überzeugt, dass ihre Organisation Künstliche Intelligenz erfolgreich einsetzen kann.

Auch im europäischen Vergleich liegt Deutschland leicht über dem Durchschnitt. Der "AI Pulse Index" erreicht hierzulande aktuell 65 Punkte und damit denselben Wert wie im Vormonat. Auf gesamteuropäischer Ebene liegt der Index bei 64 Punkten, einen Punkt niedriger als im Vormonat.

Erdogan sieht gerade in der unterschiedlichen Bewertung einzelner Einsatzfelder einen möglichen Hinweis auf wachsende Reife im Umgang mit KI. Nicht die Frage, ob Unternehmen die Technologie nutzen, rücke damit in den Vordergrund, sondern wo sie eigenständig Verantwortung übernehmen soll.

Was Führungskräfte der KI zutrauen

  • 71 %: Dokumente oder Besprechungsnotizen zusammenfassen
  • 68 %: Kalender organisieren und Meetings planen
  • 65 %: Aufgaben priorisieren und nächste Schritte empfehlen
  • 57 %: Administrative Maßnahmen mit geringem Risiko genehmigen
  • 55 %: Entscheidungen innerhalb klar definierter Regeln treffen
  • 44 %: Finanz- oder Budgetvorgänge genehmigen
  • 44 %: Personal- oder Einstellungsentscheidungen treffen
  • 43 %: Strategische Geschäftsentscheidungen treffen

Zur Studie: Der "Expleo AI Pulse" basiert aktuell auf Befragungen von 800 Führungskräften in Deutschland, Irland, Großbritannien und Frankreich. Pro Land wurden 200 Personen befragt. Die Feldphase der zwölften Erhebungswelle lief im Juli 2026. Die Teilnehmenden stammen aus den Bereichen IT, Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Handel, Ingenieurwesen sowie Transport und Logistik. Durchgeführt wird die monatliche Studie von Opinium im Auftrag von Expleo.

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Was Führungskräfte der KI zutrauen

  • 71 %: Dokumente oder Besprechungsnotizen zusammenfassen
  • 68 %: Kalender organisieren und Meetings planen
  • 65 %: Aufgaben priorisieren und nächste Schritte empfehlen
  • 57 %: Administrative Maßnahmen mit geringem Risiko genehmigen
  • 55 %: Entscheidungen innerhalb klar definierter Regeln treffen
  • 44 %: Finanz- oder Budgetvorgänge genehmigen
  • 44 %: Personal- oder Einstellungsentscheidungen treffen
  • 43 %: Strategische Geschäftsentscheidungen treffen

Zur Studie: Der "Expleo AI Pulse" basiert aktuell auf Befragungen von 800 Führungskräften in Deutschland, Irland, Großbritannien und Frankreich. Pro Land wurden 200 Personen befragt. Die Feldphase der zwölften Erhebungswelle lief im Juli 2026. Die Teilnehmenden stammen aus den Bereichen IT, Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Handel, Ingenieurwesen sowie Transport und Logistik. Durchgeführt wird die monatliche Studie von Opinium im Auftrag von Expleo.

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