KI gegen Mensch
Helsing-KI schlägt Piloten – und verkürzt Training drastisch

Zwei erfahrene Piloten steigen virtuell zum Duell gegen eine KI auf – und verlieren mehrfach. Einer war Bundeswehrpilot und langjähriger Testflieger, der andere diente in der mexikanischen Luftwaffe. Ihr Gegner: "Centaur", der KI-Pilot des Münchner Rüstungsunternehmens Helsing. Was wie eine spektakuläre Demonstration klingt, verweist auf eine größere Entwicklung: Künstliche Intelligenz soll militärisches Training und die Entwicklung neuer Kampfflugzeuge massiv beschleunigen.

Helsing präsentierte "Centaur" in München vor Bundesdigitalminister Karsten Wildberger. Wie mehrere Medien unter Berufung auf die dpa berichten, gewann das KI-System bei der Vorführung mehrere simulierte Luftkämpfe gegen zwei erfahrene Piloten. Die Technologie soll künftig im unbemannten Kampfflugzeug "CA-1 Europa" eingesetzt werden, dessen erster Testflug für 2027 vorgesehen ist.

Entscheidend ist die Einschränkung: Die Duelle fanden ausschließlich in der Simulation statt. Daraus lässt sich noch keine generelle Überlegenheit gegenüber menschlichen Piloten unter realen Einsatzbedingungen ableiten. Spannender ist deshalb die Frage, wie Helsing "Centaur" trainiert – und warum das Unternehmen dabei von einer drastischen Verkürzung der Trainingszeit spricht.

Wenn Jahrzehnte zu Stunden werden

Helsing setzt beim Training von "Centaur" auf synthetisch erzeugte Umgebungen. Gelände, Tageszeit, Sicht, Wetter oder Windbedingungen können dabei künstlich erzeugt und verändert werden, statt für jedes Szenario auf reale militärische Aufnahmen und Daten angewiesen zu sein.

Nach Darstellung von Helsing beschleunigt das die Entwicklung erheblich. Technikvorstand Robert Fink beschreibt den Effekt so: "Dabei schrumpfen Jahrzehnte des Trainings auf wenige Minuten oder Stunden." Die KI kann dadurch zahlreiche unterschiedliche Szenarien virtuell durchlaufen, bevor entsprechende Situationen in der realen Welt auftreten.

Wie weit sich diese Geschwindigkeit auf reale Entwicklungszeiten, Kosten oder die Einsatzfähigkeit eines autonomen Kampfflugzeugs übertragen lässt, geht aus den bislang veröffentlichten Angaben nicht hervor. Klar ist jedoch: Für Helsing liegt ein wesentlicher Vorteil der Technologie darin, Trainingsszenarien schnell und in großer Zahl virtuell erzeugen zu können.

Helsing baut längst nicht mehr nur Software

Helsing wurde 2021 gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben inzwischen rund 1.300 Menschen. Das Unternehmen startete mit KI-Software für militärische Anwendungen, entwickelt mittlerweile aber auch Drohnen, Unterwasserfahrzeuge und Systeme für Flugzeuge. Nach einer Finanzierungsrunde über 1,8 Milliarden Dollar wurde Helsing im Sommer 2026 mit rund 18 Milliarden Dollar bewertet und zählt damit zu den europäischen Schwergewichten für militärische KI.

Für den "CA-1 Europa" war ein weiterer Schritt entscheidend: Im Juni 2025 übernahm Helsing den bayerischen Flugzeughersteller Grob Aircraft. Damit holte sich das ursprünglich softwarezentrierte Unternehmen Kompetenzen in Flugzeugentwicklung und Produktion ins Haus. Warum Helsing dafür einen traditionsreichen Flugzeugbauer kaufte, zeigt die Vorgeschichte der Übernahme.

Beim "CA-1 Europa" sollen beide Bereiche zusammenkommen. Das Flugzeug wird von Ingenieur:innen der übernommenen Luftfahrtsparte entwickelt, während "Centaur" die KI für das autonome Fliegen und den Einsatz liefern soll. Die Maschine soll elf Meter lang sein und ein Startgewicht von vier Tonnen haben.

Der "CA-1 Europa" soll elf Meter lang sein und ein Startgewicht von vier Tonnen haben. Der erste Testflug des unbemannten Kampfflugzeugs ist für 2027 vorgesehen. © Helsing

Neue Herausforderer für die Rüstungsindustrie

Helsing bezeichnet sich inzwischen nicht mehr als Start-up, sondern als "Neo Prime". Gemeint sind junge, softwarezentrierte Verteidigungsunternehmen, die nicht mehr nur einzelne Technologien an etablierte Rüstungskonzerne liefern, sondern zunehmend komplette Systeme entwickeln wollen.

Damit steht Helsing für eine Entwicklung, die über den "CA-1 Europa" hinausgeht. KI, autonome Systeme und softwarebasierte Plattformen eröffnen jungen Unternehmen neue Möglichkeiten in einem Markt, der lange von großen Industriekonzernen geprägt war. Wie junge Tech-Unternehmen in den Milliardenmarkt der Rüstungsindustrie drängen, zeigt sich auch bei Anbietern aus den Bereichen Drohnen, Robotik und autonome Systeme.

Der simulierte Sieg von "Centaur" über zwei erfahrene Piloten liefert Helsing dafür ein aufmerksamkeitsstarkes Beispiel. Ob daraus auch ein technologischer Vorsprung unter realen Bedingungen entsteht, dürfte sich frühestens beim nächsten großen Schritt zeigen: 2027 soll der "CA-1 Europa" erstmals abheben.

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