Erlebnisse als Geschäftsmodell
Tennis mit Djokovic: Was Luxushotels Gästen bieten, die schon alles haben

Beim "Stillness and Strength"-Retreat im Amanjena bei Marrakesch können Gäste vom 18. bis 20. Dezember 2026 mit Novak Djokovic trainieren. Das Angebot steht für einen Wandel in der Luxushotellerie: Besondere Begegnungen und seltene Einblicke werden zum Buchungsargument – gerade für Menschen, denen materiell wenig fehlt.

Einen Tennisplatz haben viele Luxushotels. Novak Djokovic als Trainingspartner deutlich weniger. Das Amanjena bei Marrakesch macht diesen Unterschied zum Angebot: Bei einem dreitägigen Retreat im Dezember begleitet der Tennisstar seine Gäste persönlich auf den Platz. Dazu kommen Meditation, Atemübungen und Einblicke in die Routinen, die seinen Umgang mit Leistung und Druck prägen.

Das Versprechen reicht über einen besonderen Hotelaufenthalt hinaus. Eine großzügige Suite, hervorragendes Essen und einen anspruchsvollen Spa setzt das Publikum in dieser Preisklasse voraus. Zeit mit einem der erfolgreichsten Tennisspieler der Geschichte lässt sich dagegen auch mit einem großzügigen Reisebudget nicht beliebig organisieren.

Djokovic im Amanjena: Was das Retreat bietet

"Stillness and Strength: A Novak Djokovic Retreat" findet vom 18. bis 20. Dezember 2026 statt.

Djokovic, globaler Markenbotschafter und Wellnessberater von Aman, leitet Tennis-Masterclasses und gestaltet gemeinsam mit den Wellness-Spezialisten Achtsamkeits-, Meditations- und Atemübungen. Hinzu kommen eine jeweils 60-minütige Hammam-Behandlung und Arganölmassage sowie von ihm zusammengestellte Menüs.

Nach einer ersten Veranstaltung im Amanyara ist es Djokovics zweites persönliches Retreat für die Hotelgruppe. Die Plätze sind laut Aman begrenzt. Preis und Teilnehmerzahl nennt die öffentliche Angebotsseite nicht; die Teilnahme kann angefragt werden. Einzelunterricht für jeden Gast wird dort nicht ausdrücklich zugesichert.

Der entscheidende Wert des Angebots liegt in der Begegnung: Gäste können einem Spitzensportler Fragen stellen, seine Arbeitsweise kennenlernen und Erfahrungen mitnehmen, die über den Aufenthalt hinausreichen sollen.

Wenn Luxushotels Türen öffnen

Aman ist mit dieser Strategie nicht allein. The Peninsula London vermittelt beispielsweise Besuche der National Gallery außerhalb der regulären Öffnungszeiten sowie private Führungen im Apsley House mit dem Verantwortlichen der Wellington Collection. Im Aman Venice erhalten Gäste Einblicke in venezianische Webateliers und Mosaikwerkstätten.

Die Marriott-Marke The Luxury Collection bündelt besondere Reiseerlebnisse im Programm "Expeditions". Im Hotel Marqués de Riscal können Teilnehmer etwa bei einem mehrtägigen Programm die Weinherstellung kennenlernen und ihren eigenen Wein zusammenstellen.

Das Fachmedium Luxury Travel beschreibt darin eine Entwicklung, bei der Hotels ihre Beziehungen zu Kulturinstitutionen, Handwerkern und Spezialisten stärker zum Bestandteil des Aufenthalts machen.

Allerdings macht das Etikett "Experience" einen Ausflug noch nicht außergewöhnlich. Entscheidend ist, welche Tür tatsächlich aufgeht: Ist ein Ort sonst unzugänglich? Nimmt sich ein gefragter Experte persönlich Zeit? Entsteht eine Begegnung, die über ein arrangiertes Erinnerungsfoto hinausgeht?

Warum Erlebnisse im Luxusmarkt wichtiger werden

Die Entwicklung fügt sich in eine breitere Verschiebung der Luxusnachfrage. Bain und der italienische Branchenverband Altagamma beschreiben in ihrer Frühjahrsaktualisierung 2026 eine anhaltende Hinwendung zu Erlebnissen. Luxushotellerie und andere erlebnisorientierte Segmente zeigen sich demnach widerstandsfähig. Persönliche Bedeutung und besondere Erfahrungen gewinnen gegenüber dem reinen Besitz an Gewicht.

Für Hotels ergibt sich daraus ein Wettbewerbsvorteil: Hochwertige Ausstattung können auch andere Häuser beschaffen. Gewachsene Kontakte und persönliche Partnerschaften sind schwerer zu kopieren. Ein Retreat mit Djokovic schafft einen konkreten Grund, ein bestimmtes Hotel zu einem bestimmten Termin zu buchen.

Für die Gäste verbinden sich dabei unterschiedliche Wünsche: Etwas lernen, einem bewunderten Menschen begegnen, eine besondere Erinnerung mitnehmen. Auch Status verschwindet nicht aus dieser Gleichung. Er lässt sich ebenso durch eine Geschichte ausdrücken, die kaum jemand sonst erzählen kann.

Käuflich ist das Erlebnis – knapp bleibt der Zugang

Die häufig bemühte Formel von Erlebnissen, "die man nicht kaufen kann", führt deshalb in die Irre. Die Hotellerie macht sie gerade zum Produkt. Knapp ist die Zeit eines Weltstars, die verfügbaren Plätze oder die Gelegenheit, einen besonderen Ort ungestört zu erleben.

Luxushotels übernehmen dabei die Rolle des Vermittlers. Sie bringen Menschen, Orte und Termine zusammen, die Reisende selbst nur schwer zusammenbringen könnten.

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