Künstlerausgabe 2026
Damien Hirst bestimmt, wie Die Welt aussieht

| Redaktion 
| 01.10.2026

Wenn man bedenkt, dass Damien Hirst bereits einen Tigerhai in Formaldehyd ausgestellt hat, wirkt die Gestaltung einer Tageszeitung wie eine vergleichsweise harmlose Aufgabe. Nichtsdestotrotz freut sich Die Welt, dem Engländer kommende Woche die diesjährige Künstlerausgabe der Tageszeitung anzuvertrauen. Gefeiert wird dabei auch das Jubiläum von Hirsts berühmten Spot Paintings.

Tageszeitungen sind ihrem Wesen nach Wegwerfprodukte. Sie werden gelesen, gefaltet, vielleicht noch zum Auslegen oder Einpacken verwendet und landen anschließend im Altpapier. Doch dann und wann gibt es Ausgaben, die man nicht nur liest, sondern aufhebt – und nicht immer sind dafür titelseitenfüllende Schlagzeilen notwendig.

So handelt es sich bei der Künstlerausgabe von Die Welt um eine jährlich erscheinende Sonderedition, in der ein international renommierter Künstler die Zeitung für einen Tag als eigenes Kunstprojekt begreift. Statt schlicht einzelne Werke abzudrucken, arbeitet der jeweilige Gast mit Redaktion und Gestaltung an einer Ausgabe, die Kunst und Publizistik miteinander verknüpft.

Die Reihe startete 2010 mit Georg Baselitz und wurde anschließend unter anderem von Ellsworth Kelly, Gerhard Richter, Neo Rauch, Cindy Sherman, Julian Schnabel, Jeff Koons, Christopher Wool, Takashi Murakami, Anselm Kiefer oder zuletzt KAWS fortgeführt.

Spot Paintings feiern Jubiläum

Die nächste Welt-Künstlerausgabe wiederum ist für Freitag, 09. Oktober angesetzt. Kein Geringerer als Damien Hirst fungiert diesmal als künstlerischer Partner des Blattes, das das 40-jährige Jubiläum von Hirsts erstem Spot Painting ins Zentrum der Zusammenarbeit rückt.

Vorab-Eindruck aus der diesjährigen Künstlerausgabe (Bild: Damien Hirst and Science Ltd. All rights reserved / VG Bild-Kunst, Bonn 2026)
Vorab-Eindruck aus der diesjährigen Künstlerausgabe (Bild: Damien Hirst and Science Ltd. All rights reserved / VG Bild-Kunst, Bonn 2026)

Seit 1986 entstehen jene Bilder aus regelmäßig angeordneten, farbigen Punkten auf weißem Grund; meist mit klaren Abständen und ohne erkennbare Hierarchie. Große Aufmerksamkeit erregte der Engländer zudem seinem in einer großen Formaldehyd-Vitrine ausgestellten Tigerhai in "The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living“ von 1991.

"A dumb idea done to death becomes perfection", wird der heute 61-jährige Damien Hirst wiederum zu seinen bekannten Punkt-Werken zitiert, die das visuelle Erscheinungsbild der kommenden Sonder-Welt prägen werden.

Demnach wünsche sich der Künstler manchmal, er "hätte ausschließlich diese Gemälde gemacht – aber leider gibt es in meinem Kopf zu viele verschiedene Stimmen."

Die Welt als Sammlerobjekt

"Seit ich Damien Hirsts Hai 1997 in der Londoner Royal Academy gesehen habe – in einer 'Sensation' betitelten Show, die ich nie vergessen werde –, war es mein Traum, mit Hirst zusammenzuarbeiten", bekräftigt Cornelius Tittel, Initiator der Künstlerausgaben und Creative Director der Welt.

"Dass er nun eine ganze Ausgabe der Zeitung übernimmt, ist ein Glücksfall für mich – und Die Welt", hält Tittel fest. In der diesjährigen Sonderedition soll außerdem ein ausführliches Gespräch zwischen ihm und Hirst enthalten sein.

Traditionell hat die Künstlerausgabe der Welt unter Freunden des Fach besonderen Sammlerwert. Durch die gedruckte Variante auf "hochqualitativem Zeitungspapier" und eine Inszenierung im digitalen Bereich verspricht sich das Springer-Medium eine "potenzielle Reichweite von 17,3 Millionen Kontakten".

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